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Neonazis im Fußball : Braune Flecken

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Der Polizeipräsident liefert die Zahlen dazu. Die Beamten ordnen den Aachener Fangruppen 17 Personen mit dem Vermerk „rechtsmotiviert“ zu, davon sieben bei der Karlsbande. „Dazu kommen dreißig Personen, die nicht den rechtsextremen Vermerk haben, aber als Rechtsextreme eingeschätzt werden - bei einer Gesamtzahl von 250 Aachener Ultras“, sagt Oelze. „Man sollte die Karlsbande nicht insgesamt als rechtsextrem bezeichnen, wohl aber einzelne Mitglieder.“

Was ist zu tun? „Für die Vereine ist das eine Gratwanderung“, sagt der Aachener Polizeipräsident. Auf der einen Seiten wollten die Vereine eine schöne Atmosphäre im Stadion haben. „Aber sie müssen ganz deutlich Einhalt gebieten, wenn es darüber hinaus geht und Gewalttäter versuchen, zumal rechte Gewalttäter, sich diese Fankultur zunutze zu machen. Da müssen Vereine noch früher als in der Vergangenheit sehr konsequent einschreiten. Die Vereine müssten noch stärker als in der Vergangenheit klarmachen, dass diese Tendenzen auch eine Gefahr für die Vereine darstellen.“

Oelze berichtet von Erkenntnissen, dass es in der rechten Szene Überlegungen gibt, durch Unterwanderung von Mitgliederversammlungen die Vorstände der Vereine entsprechend zu bestimmen. Aber das rechte Problem sei insgesamt nicht so gravierend wie im Osten mit seiner tieferen Verankerung und auch nicht wie in den achtziger, neunziger Jahren.

Weg zurück muss gebahnt werden

Es geht beim Kampf gegen Rechts auch darum, Leuten aus der rechten Fußballszene eine Rückkehr zu ermöglichen. Leuten wie Ralf. B., die Polizei, die Alemannia und der Politologe vom runden Tisch hoffen dabei auch auf Selbstreinigungskräfte in der Gruppe. Denn Stigmatisierungen könnten zu unerwünschten Solidarisierungseffekten führen, nach dem Motto: „Wir sollen Nazis sein, dann zeigen wir das auch mal.“ Es geht auch um Jungs im Alter von 16 oder 17.

Die Banner der Karlsbande sind vom Verein mittlerweile im Stadion verboten. Keine große Sache, von außen betrachtet. In der Szene aber kommt diese Entscheidung einer „Kastration“ gleich, wie es bei der Polizei heißt. Die Karlsbande hat danach einen Stimmungsboykott im Stadion organisiert von exakt 13:12 Minuten - eine Chiffre für die Buchstabenreihenfolge ACAB laut Alphabet. Die Auflösung: „All Cops are Bastards“.

Das hat zu Protesten der neutralen Fangruppen geführt, die sich zwischen allen Stühlen fühlen. Eine verfahrene Lage. Die Polizei spricht von Fortschritten, aber ohne Zugang zur Karlsbande werde das nichts. Nun soll das Fanprojekt ausgeweitet werden. „Man muss aufpassen, dass aus Suchenden keine Irrenden werden“, sagt Gebhardt. Wer sich ändern wolle, müsse die Chance erhalten. „Nur haben wir hier Leute, die schon Irrende sind. Da ist die Ideologie so fest wie Beton. Diese Leute muss man als Sicherheits- und Langzeitrisiko einstufen. Wie bei Hooligans: Kategorie C“, sagt der Politologe: „Aus liberaler Perspektive aber muss man manches auch ertragen. Wir können nicht alle, die in der NPD sind, daran hindern, ins Stadion zu gehen.“

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