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Neonazis im Fußball : Braune Flecken

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Hetzjagd in Saarbrücken

Die Aachen Ultras wagen es mittlerweile nicht mehr, sich öffentlich zu äußern. Informationen in dieser Sache liefern nur noch befreundete Szenekenner. Gewalttätige „Hausbesuche“ mit Wohnungsaufbrüchen haben sie schon erlebt - und vieles mehr. Die Rechten, so heißt es, versuchten sich gezielt Privatadressen zu beschaffen, sogar mit an den Haaren herbeigezogenen Klagen vor Gericht. Im August eskalierte die Lage in aller Öffentlichkeit. Nach einem Spiel in Saarbrücken griff die Karlsbande die Aachen Ultras an.

Es kam zu einer Hetzjagd, auf dem Boden liegende Anhänger wurden getreten und geschlagen. Der Einsatzleiter der Polizei sagte, er habe so etwas in 25 Jahren noch nicht erlebt. Wenn man alle Vorkommnisse und Ereignisse zwischen der Karlsbande und den Aachen Ultras aufschreibt, die in der Stadt kursieren, hat man schnell zehn Seiten zusammen. Eine solche Konfrontation mit politischem Hintergrund hat es innerhalb einer Fanszene im deutschen Fußball noch nicht gegeben.

Politisierung der Kurven nimmt zu

Nicht alle Auseinandersetzungen der verfeindeten Ultragruppen sind politisch motiviert. Aber ohne politische Hintergründe versteht man die Auseinandersetzung nicht. Richard Gebhardt ist seit Kindertagen Fan der Alemannia, die extreme Rechte in Deutschland zählt zum Fachgebiet des Politologen an der Aachener Universität. Er gehört in der Stadt zum runden Tisch, der sich im Kampf gegen Rechts gebildet hat. Die Geschichte des Ultra-Konflikts reicht weit zurück, sagt Gebhardt.

Der NWDO versucht, auf sich aufmerksam zu machen
Der NWDO versucht, auf sich aufmerksam zu machen : Bild: dapd

Zu den Aachen Ultras, die sich 1999 gründeten, zählten von Beginn an auch Rechte. Am Anfang war das kein Problem für die Gruppe. Nach ein paar Jahren konnten manche aber die rechten Sprüche nicht mehr hören. Die Gruppe spaltete sich - daraus erwuchs die Karlsbande. Sie ist nun die größte Ultragruppierung. „Man kann das als Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Jugendgruppen sehen, die verfeindete Geschwister sind. Natürlich gibt es auch dieses Motiv“, sagt Gebhardt. „Aber wo waren denn die Auslöser für diese Konflikte? Das waren genuin politische Fragen. Wie halten wir es mit Rassismus und Neonazis in den eigenen Reihen? Wie positionieren wir uns zu Fragen der Homophobie?“ Damit steht der Konflikt auch exemplarisch für die Probleme in zahlreichen anderen deutschen Ultrabewegungen. Die Politisierung der Kurven nimmt laut Experten zu.

Gratwanderung für die Vereine

Im Büro von Gebhardt bekommt die rechte Szene ein Gesicht. Er zeigt Fotos von Leuten aus der Karlsbande, von der „Kameradschaft Aachener Land“, einem Funktionär der NPD und Aachener Hooligans. „Das ist die politische Verbindung, der Link, der über Personen läuft“, sagt Gebhardt über das rechte Netzwerk, das sich über den Tivoli zieht. „Es ist ein Kampf ums Stadion. Wer hat die Hegemonie in der Fankultur, welche Feindmarkierungen liegen vor?“ Die Kommunikation in Aachen laufe über Facebook, über rechte Modemarken und Polemiken wie offene Briefe von rechten Funktionären. „Die Übergriffe sind nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Gebhardt.

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