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Neonazis im Fußball : Braune Flecken

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Im ersten Halbjahr 2012 hat die Polizei in Dortmund mit Abstand mehr rechtsextrem motivierte Straftaten (131) gezählt als in jeder anderen Kommune Nordrhein-Westfalens. Viele der Angriffe verübten Täter, die zur Anhängerschaft der Borussia gehören. Seit Jahren schon hat die Stadt ein Problem mit Rechtsextremismus. Die Politik setzt sich damit seit fünf Jahren auseinander.

In Dortmund wurden seit dem Jahr 2000 fünf Menschen von Neonazis ermordet, darunter vier durch NWDO-Mitglieder, jeweils auch Anhänger und Stadionbesucher des BVB. Seit 2004 kommen die Mitglieder der anwachsenden Neonazi-Szene regelmäßig ins Stadion. Über den Fußball sollen junge Leute für die rechte Sache rekrutiert werden. In der Truppe um Siegfried Borchardt, genannt „SS-Siggi“, sieht das Innenministerium den Ursprung des NWDO. Die 62 Namen und Adressen, die auf der Verbotsverfügung des NWDO stehen, sind dieser Zeitung bekannt. Die Verbindungen zur Borussia-Fanszene sind offensichtlich.

Die Ultras schweigen

Bei der Borussia mischen sich die Rechtsaußen unter Ultragruppen wie den „Desperados 1999“ oder sie versammeln sich bei „Northside“, einem Zusammenschluss der rechtsextremen „Free-Fight-Szene“. Aber auch offiziell geführte Fanklubs gehören dazu, wie die „Supporters Holzwickede“, deren Mitglieder andersdenkenden Jugendlichen gewaltsame „Hausbesuche“ abstatten.

Die Ultragruppe „The Unity“ hat rund 240 Mitglieder, sie verurteilen Rassismus und Intoleranz. „Von dem Naziproblem wissen wir natürlich alle schon seit fünf, sechs Jahren“, sagt ein Mitglied. Seinen Namen möchte er nicht nennen. „Im Stadion haben wir keine Angst vor denen. Da sind wir in der Mehrheit, und da müssen sie die Füße still halten“, sagt er. „Aber was ist, wenn du allein auf dem Heimweg bist? Was sollen denn 200 Ultras gegen 50 Nazis ausrichten, die gemeinsam boxen gehen?“ An die Polizei wenden sich die Ultras nicht, aus Prinzip. Die Polizei gehört ihrer Ideologie nach zu den „Hauptfeinden“.

Walter Kemper ist Leiter der Staatsschutzabteilung der Dortmunder Polizei. Seit gut einem halben Jahr ermitteln er und seine Kollegen im Umfeld des BVB, auch bei Amateurspielen. Kemper ärgert sich über das Schweigen der Ultras, es erschwert seine Arbeit. „Der Grundsatz der Ultras ist: Rede nie mit der Polizei“, sagt er. „Und weil sie nie mit der Polizei reden, wissen wir auch nichts über diese angeblichen Bedrohungen.“

Keine Symbole im Stadion

Ralf B. war Teil der rechten Szene in Dortmund. Tatsächlich trägt er einen anderen Namen. Ralf B. hat sich von den „Autonomen Nationalisten“ distanziert, sie gelten als besonders aggressiv. Sie tragen Turnschuhe statt Springerstiefel, schwarze Blousons, Kapuzenshirts, Basecaps. Ihr Style ähnelt dem der Ultras, das macht sie attraktiv für Jugendliche. Ralf B. ist ein Musterbeispiel, wie die Rekrutierung über den Fußball in der rechten Szene funktioniert.

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