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„Neger“ und „Ölauge“ : DFB nach rassistischer Entgleisung unter Druck

Mit Kampagnen setzt sich der DFB gegen Rassismus ein Bild: picture-alliance/ dpa

Ein Jugendlicher wird von einem DFB-Stützpunkttrainer verunglimpft. Die Aufbereitung des Vorfalls verläuft nicht zufriedenstellend für die Familie des jungen Fußballers. Der Vorfall ist unangenehm für den DFB.

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          Mehr als ein Jahr schon wartet die Familie Akhabach aus Meinerzhagen vergeblich auf eine Entschuldigung. „Mein Sohn hat mich letztens wieder gefragt, ob da noch was kommt. Es tut ihm immer noch weh und beschäftigt uns alle. Wir sind sehr enttäuscht von dem Trainer und auch den Funktionären“, sagt Youssef Akhabach.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach einem Training am Talent-Stützpunkt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Lüdenscheid war sein zwölfjähriger Sohn heulend nach Hause gekommen. Wie er seinen Eltern berichtete, hatte ihn der dortige DFB-Stützpunkttrainer als „Neger“ und „Ölauge“ verunglimpft. Zweiteres ist eine abwertende Bezeichnung für Menschen aus dem arabischen Raum. Die Familie der Akhabachs stammt aus Marokko und lebt seit den Siebzigern in Deutschland. Sie sind jetzt Deutsche.

          Auf Druck kommt ein Treffen zustande

          Vorfälle dieser Art sind unangenehm für den DFB. Sie konterkarieren seine Bemühungen in Sachen Integration und die vielen Aktionen gegen Rassismus sowie Diskriminierung. Die Akhabachs und auch Elternpaare anderer Jugendkicker vom Stützpunkt verlangten aufgrund der rassistischen Entgleisungen des Fußballlehrers eine Klärung. Immerhin handelt der betroffene Stützpunkttrainer Michael Reimann im Namen des DFB und trägt zudem in seiner Funktion eine erhebliche Verantwortung für die Arbeit mit dem Nachwuchs.

          Doch nur auf Druck kommt ein Treffen zustande, an dem neben dem betroffenen Stützpunkttrainer auch der übergeordnete Stützpunktkoordinator des DFB teilnimmt. Dieser heißt Herbert Hrubesch und ist der Bruder des ehemaligen Nationalspielers sowie U-21-Nationalmannschaftstrainers Horst Hrubesch. Der beschuldigte Stützpunkttrainer ließ dort nach Information mehrerer Beteiligter zwar durchblicken, dass er den Jungen wohl schon als „Neger“ bezeichnet habe, sich aber „nicht mehr richtig“ daran erinnern könnte. Alles andere als eine Entschuldigung. „Daraufhin meinte Herr Hrubesch, dass der Fall erledigt sei und wir ihn nicht mehr an die große Glocke hängen sollten“, sagt Vater Akhabach.

          „Der Trainer hat sofort richtig reagiert“

          Unter den Teppich kehren, Mund halten, keine Konsequenzen? Die Akhabachs und Eltern anderer Jungen sind empört. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung liegen entsprechende Aussagen vor, die den Verlauf bestätigen. Die Familie aus Meinerzhagen hakt aber nach, spricht andere Funktionäre im Fußballkreis an, will nicht, dass Gras über die Sache wächst. Doch ohne Erfolg. Unterdessen fragt der Sohn immer wieder bei seinen Eltern nach, wartet auf die überfällige Entschuldigung des Trainers, eine Wiedergutmachung, sagt der Vater. Der wiederum will seinen Sohn nicht enttäuschen und sucht nach einer Klärung. Nichts passiert.

          Auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wollen sich der betroffene Trainer und auch der Stützpunktkoordinator nicht äußern. Dafür erhält die F.A.Z. vom DFB eine Stellungnahme. „Der zuständige Stützpunktkoordinator hat nach Bekanntwerden dieser Angelegenheit sofort richtig reagiert. Er hat die Beteiligten zu einem Treffen einberufen, an dessen Ende sich alle die Hand gegeben und die Angelegenheit für beendet erklärt haben“, schreibt der zuständige DFB-Direktor Ulf Schott.

          „Von einigen Leuten so viel kaputtgemacht“

          Ein Termin, bei dem sich der Trainer beim Spieler selbst entschuldigen wollte, sei vom Vater abgesagt worden, heißt es vom DFB. Die Akhabachs widersprechen dieser Darstellung, auch andere Eltern wissen nichts von einer derartigen Entwicklung. Es gibt keine unabhängige Stelle beim Verband, die sich solcher Fälle annimmt. Ein Ombudsmann? Damit fehlt die unabhängige Aufklärung. Die Familie erzählt, wie im Januar der Onkel des Jungen bei einem Hallenturnier die zuständige Jugend-Staffelleiterin trifft und sie nochmals auf den Fall anspricht. Aber auch da wird ihnen signalisiert, dass sie doch endlich Ruhe geben sollten, sagt Akhabach.

          Sein Sohn, Gymnasiast in der sechsten Klasse, wurde inzwischen nicht mehr in der Kreisauswahl berücksichtigt. Alle zwei Wochen trainiert er nun beim Nachwuchs des 1. FC Köln. „Mir geht es bei der Sache nicht nur um meinen Sohn. Ich möchte anderen, die vielleicht in einer ähnlichen Situation sind, den Mut geben, dass sie sich wehren. Hier wird von einigen Leuten so viel kaputtgemacht. Ich finde das schade, weil der DFB doch mit seinen Kampagnen und der Jugendförderung eine so tolle Arbeit leistet“, sagt Akhabach.

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