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Nationaltorhüterin Nadine Angerer : „Ich spiele in Australien und Amerika“

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Nadine Angerer: „Australien passt einfach perfekt zu mir. „ Bild: dpa

Nadine Angerer bestreitet von Donnerstag an mit der deutschen Frauenfußball-Nationalelf die EM in Schweden. Im FAZ.NET-Interview spricht die 34 Jahre alte Torhüterin über ihren Wechsel nach Australien, Tauchreviere und die Jungen im Nationalteam.

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          Den Abschied vom FFC Frankfurt haben Sie vor Saisonende bekanntgegeben. Sie wollten nun vor EM-Beginn die Entscheidung über ihre sportliche Zukunft nach dem am Donnerstag beginnenden Turnier treffen. Wo spielen Sie im kommenden Jahr?

          Zunächst fünf Monate in Australien, danach gehe ich in die amerikanische Profiliga. Die Vereine stehen ebenfalls fest. Ich habe gestern den Vertrag in Australien unterschrieben. Aber ich kann die Klubs jetzt noch nicht sagen. Der australische Klub will mich in dieser Woche offiziell vorstellen, in den Staaten dürfen die Verträge erst nach der laufenden Saison unterschrieben werden.

          Australien ist weit weg. Ist die Motivation rein sportlicher Natur oder schwingt da Abenteuerlust mit?

          Man muss zuerst einmal sagen: Ich hatte einige Angebote, wo ich mehr Geld hätte verdienen könne, deutlich mehr sogar. Aber Australien passt einfach perfekt zu mir. Das war auch das Ziel, das ich als erstes anvisiert hatte. Aber dann kamen andere Angebote und ich kam ins Überlegen. Letztlich habe ich mich schon ein bisschen fürs Abenteuer und gegen das Geld entschieden.

          Wegen Ihres Hobbys Tauchen? Spielen Sie in der Nähe eines spektakulären Tauchreviers?

          Man kann in der Nähe tauchen und die Gelegenheit werde ich sicher mal zu nutzen versuchen. Aber ich muss klarstellen: Ich gehe nicht nach Australien, um Urlaub zu machen. Ich will dort einen Titel gewinnen. Als Urlaubsland kenne ich Australien schon.

          Bedeutet der Wechsel auf andere Kontinente auch das Ende Ihrer Nationalmannschaftskarriere nach der EM?

          Nein. Absolut nicht. In Australien wird gerade im athletischen Bereich herausragend gearbeitet. Bundestrainerin Silvia Neid hat mir gar gratuliert zu der Gelegenheit. Während der Zeit dort stehen vermutlich zwei Lehrgänge an, für die ich anreisen werde. Das ist ein wenig Reisestress, aber das habe ich mir ja so ausgesucht. Ich bin überzeugt, dass mir die Auslandserfahrungen neue Motivation geben. Es ist doch so, dass ich hier in Deutschland schon genau weiß, an welcher Raststätte wir halten, wenn wir in Potsdam oder Wolfsburg gespielt haben. Nun lerne ich die Wege in Australien kennen.

          „Letztlich habe ich mich schon ein bisschen fürs Abenteuer und gegen das Geld entschieden.“

          Die dürften lang werden…

          Ja, der längste Flug zu einem Auswärtsspiel dauert wohl sechs Stunden.

          Diese Zeitspanne saßen Sie in Deutschland in Bussen. Denken Sie noch öfter über die, zumindest was die Teamresultate betrifft, so unbefriedigenden Zeiten beim FFC Frankfurt zurück und haben Sie gar eine Erklärung?

          Ich habe in den letzten Wochen sehr wenig an den FFC gedacht. Ich schaue nach vorne.

          In den kommenden Wochen müssen Sie die Vorfreude auf Australien noch einmal verdrängen. Ist der Kopf nun frei für die EM?

          Ich konnte das auch bisher gut trennen. Aber natürlich wollte ich unbedingt vor dem Turnierbeginn alles unter Dach und Fach bekommen.

          „Keine Ahnung, ob es am Ende zum Titel reicht“

          Wie groß sind nun die Chancen, dass sie ihre neuen Kontinente als Europameisterin erobern werden?

          Ich habe ein sehr gutes Gefühl, was die Mannschaft betrifft. Die jungen Spielerinnen haben sich großartig entwickelt nach den vielen verletzungsbedingten Ausfällen. Wir sind alle zusammengerückt. Das ist ein Wunschteam, ein Glücksfall für jede Trainerin. Aber ich habe keine Ahnung, ob es am Ende zum Titel reicht. Ich will damit nicht auf die Euphoriebremse treten, aber wir sind sehr gut beraten, uns erst einmal auf das erste Spiel gegen die Niederlande (11. Juli, 20.30 Uhr) und die Vorrunde zu konzentrieren.

          Was zeichnet das deutsche Team aus?

          Alle ziehen mit, alle haben Spaß und Lockerheit. Das heißt jetzt nicht, dass das vorher anders war. Aber es passt einfach. Die jungen Mädels sind extrem lernbegierig. Und wir haben uns spielerisch enorm gesteigert. Bei den letzten Testspielen gegen Kanada und Japan stand ich teilweise im Tor und habe gestaunt, was die vor mir mit dem Ball anstellen, wie wir Situationen lösen und umschalten. Das macht Riesenspaß.

          Nadine Angerer mit Shootingstar Leonie Maier: „Die jungen Mädels sind extrem lernbegierig.“

          Auch dann, wenn die Jungen jetzt angeblich immer öfter beim Abschlussspielchen im Training gegen die Älteren mit Ihnen gewinnen und dann vor Freude tanzen?

          Das machen wir Alten ja nur, um die Jungen aufzubauen. (lacht) Die gute Stimmung der Jungen ist super. Das ist frischer Wind, der richtig ansteckend ist. Die heben auch nicht ab. Die haben Respekt vor den Älteren genauso wie wir Respekt vor den Jungen haben. Und sollte das der Fall sein, bringen wir Älteren sie wieder auf Kurs.

          Wenn Sie nach der EM weiterspielen wollen, dann wird es mit der Eröffnung Ihres Aktivreise-Unternehmens auf Fuerteventura, wo Sie sich schon ein Haus gekauft haben, noch ein wenig dauern. Wann wollen Sie Ihre Pläne umsetzen.

          Dann, wenn meine Karriere beendet ist.

          Wann ist das?

          Das weiß ich noch nicht.

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