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Nationalteam : Chancen und Risiken

Energisch war er, der letzte Schritt nach Brasilien. Bei der WM 2014 aber müssen Löw und das Nationalteam auch auf unerwartete Situationen reagieren. Sonst könnte die beste deutsche Generation als unvollendete in die Geschichte eingehen.

          Energisch war er, der letzte Schritt nach Brasilien. Ein besonders großer musste es allerdings nicht sein gegen eine irische Mannschaft, die bestenfalls der europäischen Mittelklasse angehört. Echte Herausforderungen sehen anders aus - solche hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft erst wieder in den beiden letzten Testspielen des Jahres in Italien und, so ist es geplant, in England vor sich.

          Und dann natürlich im kommenden Jahr bei der WM. Es kann keinen Zweifel daran geben, dass das Ziel dieses Teams nur sein kann, den Titel zu gewinnen. Noch nie verfügte eine deutsche Nationalmannschaft über eine solche Fülle an Talent und individueller Klasse.

          Einer wie Mesut Özil mit 24 Jahren und jetzt 50 Länderspielen steht stellvertretend für eine Spielergeneration, wie Deutschland sie noch nicht gesehen hat - und die im Sommer im Zenit ihres Leistungsvermögens stehen dürfte. Beim Blick auf die Konkurrenz gibt es derzeit niemanden, der übermächtig wirkt. Bahn frei also für Joachim Löw und sein Team?

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          Das Ganze hat den kleinen Haken, dass man das auch beim letzten Mal sagen konnte. Schon vor der EM in Polen und der Ukraine schien Löws Mannschaft reif für den Titel, scheiterte dann aber aufgrund einer Mischung von Faktoren, die ihr nicht anzulasten waren (zerrissene Vorbereitung, Schweinsteiger-Verletzung) und solchen, die sie ganz alleine zu verantworten hatte: Das taktische Fiasko im Halbfinale gegen Italien ist etwas, was dem einst unangreifbaren Bundestrainer heute noch nachhängt. In der Zeit seitdem hat die Mannschaft manchen mitreißenden Auftritt gezeigt. Sie hat aber nicht den Nachweis führen können, dass sie eine neue Qualitätsstufe erreicht hat.

          Eine, die sie wirklich substantiell stärker und vor allem wettkampfhärter macht als bei den vergangenen Turnieren. Löws Credo vom offensiven Spiel findet seinen Ausdruck in all den Özils, Reus und Götzes, die sich an guten Tagen gegenseitig in ihrer Genialität übertreffen. Ob aber die Mischung stimmt, ob sich der Vorwärtsdrang auch mit der nötigen Stabilität im Spiel gegen den Ball vereinen lässt, darf nach dem einen oder anderen Ausreißer nach unten zumindest bezweifelt werden. Es mag merkwürdig klingen nach neun Qualifikationsspielen und diversen Tests. Aber wo die deutsche Mannschaft wirklich steht, lässt sich noch nicht verlässlich sagen. Und das wird sich bis zum ersten Spiel in Brasilien kaum ändern.

          Diese Qualifikation ist schwankender verlaufen als die vor der EM - mit dem 4:4 gegen Schweden als schwärzester Stunde. Das muss kein schlechtes Omen sein.

          Schließlich war auch die damalige Siegesserie und alles Gerede von der besten deutschen Mannschaft aller Zeiten nichts mehr wert, als es gegen Italien galt, eine Lösung für eine unerwartete Situation zu finden. In Brasilien werden Löw und sein Team zeigen müssen, dass sie genau das gelernt haben. Sonst droht der unerfreuliche Fall, dass die beste deutsche Generation als unvollendete in die Geschichte eingeht.

           

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