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Nationalspielerin Svenja Huth : Kaum wiederzuerkennen

Heimatgefühle: Svenja Huth trifft beim Training bekannte Gesichter aus FFC-Zeiten Bild: Picture-Alliance

Svenja Huth kehrt wegen des WM-Qualifikationsspiels gegen Island ins Rhein-Main-Gebiet zurück. Seit dem Wechsel vom FFC Frankfurt zu zu Turbine Potsdam hat sie sich zu einer echten Größe im deutschen Frauenfußball entwickelt.

          Svenja Huth hatte viel zu tun nach der öffentlichen Trainingseinheit der deutschen Fußballfrauen am Dienstag in Mainz-Kastel. Dutzende Kinder und einige Erwachsene forderten Autogramme ein. Die 26 Jahre alte Nationalspielerin erfüllte jeden Wunsch, sie posierte für gemeinsame Fotos mit den Kindern, und sie hörte auch genau hin. „Wenn ich den Dialekt hier höre, dann ist das schon das Gefühl von Heimat für mich“, sagt sie. Huth stammt aus Alzenau und hat bis 2015 zehn Jahre lang im Nachwuchs und im Bundesligateam des FFC Frankfurt gespielt. Hier wie dort wird nicht so viel anders gesprochen als im „Meenzerisch“ im zu Wiesbaden gehörenden Mainzer Stadtteil Kastel.

          Dorthin, auf das im Besitz von Kastel 06 befindliche Gelände, musste das in Wiesbaden quartierende Nationalteam vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Island am Freitag (16 Uhr/liveim ZDF) in der Wiesbadener Arena für die Trainingseinheiten ausweichen, da die Stadt Wiesbaden ihre seit dem Oktober geltende Platzsperre für städtische Rasenplätze nicht einmal für die besten Fußballspielerinnen Deutschlands aufheben wollte.

          Huth nimmt die kleinen Zusatzmühen mit einem Strahlen zur Kenntnis, sie hat ohnehin Grund zur vollen Zufriedenheit. Nachdem sie unter der früheren Bundestrainerin Silvia Neid stets eine Wackelkandidatin war, die beispielsweise beim Olympiasieg erst während des Turniers als Nachrückerin für die verletzte Simone Laudehr ins Team rutschte, baut die heutige Bundestrainerin Steffi Jones auf die schnelle Stürmerin. Vor der Europameisterschaft im Sommer hatte sie beispielsweise mit der Prognose überrascht, dass Huth ihre treffsicherste Stürmerin im Turnier werden könne.

          Mit Spaß bei der Sache: Svenja Huth (links) im Training mit Linda Dallmann (Mitte) und Sara Doorsoun

          Die Aussage war bemerkenswert, da Huth zuvor in 27 Länderspielen kein einziges Tor erzielt hatte. Die Offensivspielerin blieb den Nachweis freilich schuldig, weil sie sich bereits im ersten Spiel eine Muskelverletzung zugezogen hatte und fortan bis zum Viertelfinalaus gegen Dänemark nicht mehr eingesetzt werden konnte. Deutschland verließ das Turnier vielleicht auch deshalb ohne Stürmerinnentor. Im ersten WM-Qualifikationsspiel gegen Slowenien sechs Wochen nach der EM brach dann Huth den Bann und erzielte beim 6:0-Sieg ihren ersten Länderspieltreffer.

          Die richtige Entscheidung

          In Wiesbaden möchte sie nun sehr gerne abermals treffen, da sich auf den Tribünen viele Verwandte und Bekannte einfinden werden. „Es kommen einige, die mich aus meiner Zeit in Frankfurt kennen“, sagt sie. Die Frage wird sein, ob sie ihre „Svenni“ wiedererkennen werden. Denn aus der beim FFC meist zur Mitläuferin degradierten schnellen Außenbahnspielerin mit dem wenig schmeichelhaften Spitznamen „Chancentod“ ist seit dem Wechsel zu Turbine Potsdam im Juli 2015 eine Zentrumsstürmerin mit Torinstinkt geworden.

          13 Toren in 121 FFC-Spielen stehen 24 bei 47 Einsätzen für Turbine gegenüber. „Ich hatte ein tolle Zeit beim FFC und wünsche dem Klub außer in Spielen gegen Turbine nur das Beste“, sagt Huth. „Dass ich nach Potsdam gegangen war, war aber die absolut richtige Entscheidung. Ich habe mich dort auf und neben dem Platz weiterentwickelt, musste mein Leben ganz neu organisieren und habe auch auf dem Platz viel mehr Verantwortung bekommen.“ In Frankfurt war sie zuvor als eine Art Vereinsinventar zum ewigen Talent geworden, das im damals noch vorhandenen Starensemble auf dem Weg zu Champions-League- oder DFB-Pokalsiegen Lücken stopfen musste, statt sich auf ihrer Lieblingsposition im Sturm entfalten zu können. Am Freitag können sich nun viele Wegbegleiter aus Frankfurter Tagen mit eigenen Augen von der Entwicklung überzeugen.

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