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Nationalmannschaft : Mario Gomez’ Tagebuch der Leiden

  • -Aktualisiert am

Zitterpartie: Die WM-Teilnahme von Stürmer Mario Gomez ist höchst fraglich geworden Bild: dpa

Dauerpatient statt Stammspieler: Mario Gomez kommt beim AC Florenz einfach nicht auf die Beine. Ein Comeback ist immer noch nicht absehbar. Kostet ihn das seinen Platz im deutschen WM-Aufgebot, das Bundestrainer Joachim Löw am Donnerstag (12.30 Uhr) nominiert ?

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          Es war eine ausgezeichnete Idee, die die Macher des Männer-Magazins „Gentlemen’s Quarterly“ (GQ) hatten. Mario Gomez sieht blendend aus und ist ein erfolgreicher Sportler, er war Champions-League-Sieger mit dem FC Bayern München und galt im Sturm der deutschen Nationalmannschaft als gesetzt. Männer können sich mit dem 28 Jahre alten Fußballprofi identifizieren. Gomez sollte ein Tagebuch führen, in dem er den Lesern über die Zeit bis zum mutmaßlichen Höhepunkt seiner Karriere berichtete. „Mein Weg zur WM 2014“ lautet der inzwischen nicht mehr so glücklich klingende Titel der Rubrik. Die Frage ist nämlich, ob Gomez diesen Weg überhaupt antreten kann.

          An diesem Donnerstag (12.30 Uhr/live in diversen TV-Sendern und bei FAZ.NET) wird Bundestrainer Joachim Löw in Frankfurt seinen vorläufigen, bis zu 30 Spieler umfassenden Kader bekanntgeben. Ob Gomez dabei sein wird, der seit Beginn dieser Saison beim AC Florenz in der Serie A unter Vertrag steht, ist eine der spannenden Fragen.

          Gomez bleibt optimistisch

          Internationale Spitzenkicker wechseln nicht mehr so gern wie früher in die kriselnde Serie A. Der Umzug von München nach Florenz hatte deshalb vor allem einen Zweck: Gomez sollte viele Spiele absolvieren, Tore erzielen und dann in exzellenter Form zur WM fahren. Stattdessen warf eine Verletzung nach der anderen den früheren Münchner zurück. Im September zog er sich einen Innenbandteilriss im rechten Knie zu, es folgte eine Sehnenentzündung. Nur einen Monat nach seiner Rückkehr verdrehte er sich Ende März das linke Knie und muss seither pausieren. Seit September 2013 war Gomez in nur zehn Spielen im Einsatz, davon ein einziges Mal über 90 Minuten. Auch vor der 3:4-Heimniederlage am Dienstagabend gegen Sassuolo Calcio hatte ihn Trainer Vincenzo Montella nicht in den Kader berufen.

          Gomez gibt sich weiter zuversichtlich. Er werde rechtzeitig wieder in Topform sein, wolle spielen und der Mannschaft helfen, ließ er dieser Tage wissen. Doch viel deutet auf eine Zitterpartie für den Stürmer hin, denn auch in Florenz ist man skeptisch geworden. Vor dem Pokalfinale, das der AC Florenz am Samstag 1:3 gegen den SSC Neapel verlor, sagte Fiorentinas Coach Montella: „Ich fürchte, wir sehen ihn bis zum Saisonende nicht mehr.“ Gomez habe nach der Verletzung nicht mehr mit der Mannschaft trainiert. In einem Nebensatz kritisierte Montella dann auch die ärztliche Betreuung des Deutschen, als er andeutete, Gomez sei vielleicht „von ein paar Personen zu viel untersucht worden“, von denen jede ihre Meinung kundgetan habe. Zusätzlich zum Fiorentina-Vereinsarzt Paolo Manetti lässt sich Gomez auch vom DFB-Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München behandeln.

          Hohe Belastbarkeit ist Voraussetzung

          Meinungsverschiedenheiten hatte es offenbar über die Belastbarkeit seines Knies gegeben. Zunächst hatte es in Florenz geheißen, Gomez könne zum Pokalfinale wieder im Kader stehen. Nun verzögert sich seine Rückkehr nachhaltig, obwohl das Knie „prinzipiell stabil“ sei, wie Vertraute berichten. Gomez ist inzwischen teilweise wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen, nimmt an Laufeinheiten teil. Schwerere Belastungstests stehen aber noch aus. „Insgesamt ist man vorsichtiger, um Rückschläge zu vermeiden“, heißt es aus seiner Umgebung. Das Ziel des Stürmers ist es, entgegen der Prognose seines Vereinstrainers noch einmal in dieser Spielzeit für Florenz aufzulaufen und ein paar Minuten Spielpraxis zu bekommen. Zwei Partien bleiben Gomez dafür noch, in zehn Tagen endet die Saison in Italien. Knapp vier Wochen später beginnt dann die WM – unter extremen Klimabedingungen. Löw hatte wiederholt betont, nur Spieler zu berufen, die einen hohen Spielrhythmus vorweisen können und sehr belastbar sind. Eine mögliche Variante wäre, dass der Bundestrainer Gomez ins vorläufige Aufgebot nominiert und dann zum Ende des Trainingslagers in Südtirol vom 21. bis 31. Mai entscheidet. Stichtag für die Meldung des endgültigen Kaders ist der 2. Juni.

          Bei allen Fragezeichen, die hinter Gomez stehen, müssen die Umstände, unter denen ein Kollege im Sturm der Nationalelf an seinem Comeback arbeitet, auf ihn beinahe paradiesisch wirken. Nach einer mehrwöchigen Verletzungspause kam der 35 Jahre alte Miroslav Klose bei seinem Verein Lazio Rom am Montagabend beim 3:3 gegen Hellas Verona wieder zu einem Kurzeinsatz. Davon kann Gomez im Moment nur träumen.

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