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Nationalmannschaftstrikot : Der Trikot-Preis ist zu hoch

15 Cent für vier Sterne: Bei den Näherinnen landet ein angeblich sehr kleiner Betrag Bild: dpa

Der Entwicklungshilfeminister Gerd Müller kritisiert die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung des deutschen Weltmeistertrikots. Die Verantwortung trägt aber der Konsument.

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          Wollen Sie das tragen? Um das Trikot der Weltmeister geht es, das mit den vier Sternen und den drei Streifen. Kostenpunkt 84,95 Euro, seit dem 13. Juli, dem WM-Finale in Rio und Götzes Tor ein Bestseller. Gerd Müller, Entwicklungsminister von der CSU, hat dazu eine klare Meinung: Von den knapp 85 Euro bekomme die Näherin in Bangladesch 15 Cent. Der Schluss liegt nahe: Finger weg vom Fan-Outfit, solange der Kauf die einseitigen Machtverhältnisse zwischen global agierendem Sportartikler und dessen Arbeitnehmern in Fernost zementiert.

          Die Reaktion von Adidas folgte prompt: Der Minister sei schlecht informiert, das Hemd werde schließlich in China genäht. Und der DFB? Verweist auf Adidas. Dabei hatte sein Schatzmeister Reinhard Grindel, im Bundestag Fraktionskollege des Ministers aus Bayern, noch während der WM in Brasilien betont: „Soziale Verantwortung gehört zum DFB.“ Stimmt. Den Funktionären des Deutschen Fußball-Bundes kann sicher nicht vorgeworfen werden, abseits des Platzes sei ihnen alles egal. Es hat seit Jahrzehnten Tradition beim größten Einzelsportverband der Welt, etwa in den Gastgeberländern der Weltmeisterschaften soziale Projekte zu unterstützen. Das ist die eine Seite der Medaille, eine Facette des Engagements in der Welt. Und doch wäre es zu einfach, dem Minister billigen Populismus zu unterstellen.

          Die Verantwortung trägt der Konsument

          Natürlich kann ein Sportverband allein nicht die Verhältnisse der Textilindustrie in Ostasien verändern. Aber der DFB wird an seinem Anspruch gemessen, soziale Verantwortung zu tragen. Er sollte sie also nicht ignorieren, zumal die Jerseys auf der Verbandshomepage vermarktet und vertrieben werden. Müller hat die Verhältnisse in der Textilindustrie, neben Adidas lässt die weltweite Konkurrenz wie Nike in den Billiglohnländern nähen, treffend beschrieben. Der Preisdruck steigt eher, als dass er fällt.

          Die Frage trifft den Kern: Wer will das tragen? Die Verantwortung für die Antwort trägt der Konsument, tragen wir alle. Die Jugendlichen, die Einkaufstüten im Dutzend aus den Geschäften der Billig- und Billigstanbieter schleppen. Die Fans, die sich Jahr für Jahr ins neueste Modell ihres Klubs kleiden. Oder deren Begeisterung über den WM-Titel so groß ist, dass sie bereit sind, dafür 84,95 Euro auszugeben. Wer da immer noch ja sagt, sollte sich bewusst sein, dass am Anfang der Produktkette ein viel höherer Preis gezahlt wird.

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