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Nationalmannschaft : Dinos in der Abenddämmerung

„Schweini“ und „Poldi“ beim Training vor dem letzten Länderspiel der Saison. Bild: dpa

Zeit für Abschiede: Beim 7:0 über Gibraltar wird deutlich, dass sich die Zeit von Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski in der Nationalelf dem Ende entgegen neigt.

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          Vor den Fernsehkameras rang sich der Mannschaftskapitän noch ein paar Sätze ab, aber dann stapfte Bastian Schweinsteiger in dem kleinen, provisorischen Zelt, das die Gibraltarer für die Medienbegegnungen der hohen Gäste hergerichtet hatten, mit herablassendem Blick an allen anderen Mikrofonen und Diktiergeräten vorbei, die ihm entgegengereckt wurden: Schweinsteiger machte sich schnurstracks und wortlos ab in die Sommerferien. Natürlich gab es nach einem 7:0 gegen Gibraltar sportlich auch nichts Fundamentales zu berichten, und es wird den Münchner auch nicht umgehauen haben, dass er gegen Hobbykicker und Halbprofis nach zehn Minuten einen Elfmeter lässig hergeschenkt hatte. Das macht einem Weltmeister nichts.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Schon gar nicht einem, der im größten Spiel seines Lebens, dem WM-Finale, so aufopferungsvoll gekämpft hat, dass ihm die Fußballnation damals die Tapferkeitsmedaille umhängte. Der in seinen besten Momenten als Symbol einer Mannschaft galt, die sich nicht unterkriegen lässt. Dafür verlieh ihm Bundestrainer Joachim Löw nachträglich auch das Spielführer-Amt am Bande. Elf Monate liegt das glorreiche Endspiel von Rio erst zurück, aber gegen die nimmermüden Fußballzwerge vom Affenfelsen schien es schon so fern wie ein Stück aus dem demnächst eröffnenden deutschen Fußball-Museum, dem Schweinsteiger seine Schuhe aus dem WM-Finale schon vermacht hat.

          Löw: „Die Zukunft gehört den jungen Spielern“

          Im letzten Spiel der nachweltmeisterlichen Saison war der Kapitän in Faro nur ein Stellvertreter für deutsche Lustlosigkeit und Überheblichkeit, die in der ersten Halbzeit nicht mehr als eine klägliche 1:0-Führung zustande gebracht hatte. In der zweiten Halbzeit wurde dann vieles besser, und man darf sicher sein, dass in einem Jahr, wenn die Europameisterschaft in Frankreich ansteht, vermutlich alles besser sein wird im deutschen Spiel. Aber auch für Schweinsteiger? Das ist weit weniger gewiss. Denn die Frage, die auf der Hand liegt – und vom Bundestrainer in diesen Tagen auch ausdrücklich aufgeworfen wurde – lautet mit Blick auf die EM-Endrunde 2016 in Frankreich: Läuft die Zeit der letzten Helden des Sommermärchens endgültig ab? Verdrängen die jungen Kräfte, die nun bei der U21-Europameisterschaft in Tschechien auf sich aufmerksam machen wollen, die großen und altbekannten Namen?

          „Wann der richtige Zeitpunkt für einzelne Spieler ist, muss man erst mal abwarten. Wir haben jetzt nicht den Druck, endgültige Entscheidungen zu treffen. Das passiert unmittelbar vor der EM“, sagte der Bundestrainer auf die Frage, wann er die Integration neuer Spieler ins Team plane.

          Dass er sie plant, steht aber außer Frage. „Aber wir haben natürlich die Zielsetzung, dass wir junge Spieler heranführen. 2009 war die U21 Europameister und hat sehr gut gespielt. Bei der WM 2010 waren dann fünf oder sechs Spieler dabei. Wir haben ja auch einige Spieler, die dreißig oder darüber sind. Klar müssen wir nach und nach schauen, dass wir gleichwertigen Ersatz finden für diese Spieler.“ Schon am Tag vor dem letzten Spiel hatte Löw mit Blick auf die EM-Endrunde programmatisch angekündigt: „Die Zukunft gehört den jungen Spielern.“

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