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Nationalmannschaft : Thomas Brdaric darf mit, Lukas Podolski muß noch warten

Spielt 22 plus 1: Rudi Völler Bild: AP

Teamchef Rudi Völler hat seinen Kader für die Fußball-EM in Portugal berufen. Einen Platz ließ er unbesetzt - und läßt damit Hoffnung für die Talente Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger.

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          Seine Urlaubsplanung hatte Thomas Brdaric ahnungsvoll noch nicht abgeschlossen. "Ich bin ein Last-Minute-Bucher", sagte der Stürmer von Hannover 96 in den vergangenen Wochen stets scherzhaft, wenn er gefragt wurde, ob er noch Hoffnung auf die Teilnahme an der Fußball-Europameisterschaft hege. Seit Montag ist klar, wo der Stürmer von Hannover 96 den größten Teil dieses Sommers verbringen wird: von heute von an für knapp zwei Wochen im romantischen Elztal im Schwarzwald, und dann für mindestens vierzehn weitere Tage an der Algarve - Verlängerungswoche nicht ausgeschlossen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Von Urlaub jedoch kann trotz dieser Touristenziele keine Rede sein für Brdaric, denn nichts weniger als die größte berufliche Herausforderung steht für den Stürmer im nächsten Monat bevor. Rudi Völler berief den ehemaligen Leverkusener in seinen EM-Kader - und ließ noch ein letztes Plätzchen frei, bevor am 2. Juni endgültig die 23 Spieler an die Europäische Fußball-Union gemeldet werden müssen. "Wir haben eine Mannschaft, die man erst einmal schlagen muß. Da werden sich viele noch umschauen", sagte Völler über die seiner Ansicht nach "gute Mischung aus jungen und alten Spielern" vor den EM-Herausforderungen gegen die Niederlande, Lettland und Tschechien.

          Brdaric - Nationalspieler für zehn Minuten

          Die Nominierung Brdarics ist eine Überraschung. Aber nicht für den Geladenen. " Ich habe eine Einladung nie gefordert, aber insgeheim darauf gehofft", sagte der ehemalige Leverkusener über den späten Ruf von Teamchef Rudi Völler. "Nach dem Klassenerhalt war dies die schönste Nachricht für mich", sagte Brdaric, der in diesem Jahr mit zwölf Treffern nach dem Rostocker Martin Max zum erfolgreichsten deutschen Angreifer in der Bundesliga aufstieg. Als Nationalspieler allerdings durfte er sich bisher nur für zehn Minuten fühlen, und diese Erfahrung liegt für den 29 Jahre alten Profi auch schon über zwei Jahre zurück, als er beim 4:2-Sieg gegen die Vereinigten Staaten in Rostock eingewechselt wurde.

          Portugal statt Urlaub: Thomas Brdaric
          Portugal statt Urlaub: Thomas Brdaric : Bild: REUTERS

          "Er hat in der Rückrunde eine überragende Leistung gezeigt", sagte Völler, der deshalb Brdaric der bisherigen Stammkraft Oliver Neuville vorzog. Es waren vor allem Brdarics erfolgreiche Alleingänge, die den ehemaligen Stürmer Völler überzeugten. Tore in dieser Art und Weise habe er von Ailton gesehen, jedoch von keinem anderen deutschen Angreifer, sagte der Teamchef. Der Verzicht auf den Leverkusener Neuville, dem vor zwei Jahren im WM-Endspiel gegen Brasilien mit einem Freistoß an den Pfosten beinahe die Führung gelungen wäre, und der danach auch fast immer zum Kader gehörte, nannte Völler einen "absoluten Härtefall". Zumal Neuville schon vor vier Jahren vom damaligen Teamchef Erich Ribbeck vor der EM nicht berücksichtigt worden war, obwohl er zuvor bei allen EM-Qualifikationsspielen dabei war.

          Zweiundzwanzig und einen im Sinn

          Auf andere neue Namen wie Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger oder Frank Fahrenhorst wartete die Fußball-Nation vom Teamchef am Montag indes vergeblich. Zweiundzwanzig und einen im Sinn lautete stattdessen Völlers Motto in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes, wo er sein EM-Aufgebot bekanntgab. Aber sich eben noch ein bißchen Spielraum gestattete. Völler ließ durchblicken, daß der gesuchte 23. Mann mit ziemlicher Sicherheit der Kölner Podolski sein wird. "Er hat die Nase vorn", sagte der Teamchef über den 18 Jahre alten Kölner, der es in dieser Spielzeit auf zehn Tore brachte. Eine Quote, die in diesem Alter noch kein anderer deutscher Stürmer in der Bundesliga erreichte.

          Für Podolski - und gegen den bayerischen Mittelfeldspieler Schweinsteiger und die künftige Bremer Defensivkraft Fahrenhorst - spricht zudem die personelle Not im deutschen Angriff. Topkandidat Podolski soll sich wie die beiden anderen Nachwuchskräfte nun erst einmal bei der "U21"-Europameisterschaft im eigenen Land (27. Mai bis 8. Juni) profilieren. "Ich habe das gemacht, um einen kleinen Reiz zu setzen, um noch etwas herauszukitzeln", sagte Völler, der diese Regelung in Absprache mit "U21"-Trainer Uli Stielike traf.

          Er habe das schon länger im Kopf gehabt, sagte Völler, denn am 2. Juni, dem Meldeschluß, endet auch die Gruppenphase der U21"-EM und zudem steht an diesem Tag auch das vorletzte Testländerspiel gegen die Schweiz auf dem Programm. Die Maßnahme zeigte schon erste Wirkung. "Ich konzentriere mich auf die ,U21'-EM, aber ich habe natürlich Hoffnung". sagte Podolski - und fügte im Stil eines Trainer hinzu: "Denn fünf Stürmer muß man schon dabei haben".

          Das deutsche Aufgebot für die EM 2004 in Portugal:

          Tor: Oliver Kahn (Bayern München), Jens Lehmann (FC Arsenal London), Timo Hildebrand (VfB Stuttgart).

          Abwehr: Frank Baumann (Werder Bremen), Arne Friedrich (Hertha BSC Berlin), Andreas Hinkel, Philipp Lahm (beide VfB Stuttgart), Jens Nowotny (Bayer Leverkusen), Christian Wörns (Borussia Dortmund), Christian Rahn (Hamburger SV).

          Mittelfeld: Michael Ballack (Bayern München), Fabian Ernst (Werder Bremen), Paul Freier (VfL Bochum), Torsten Frings (Borussia Dortmund), Dietmar Hamann (FC Liverpool), Jens Jeremies (Bayern München), Sebastian Kehl (Borussia Dortmund), Bernd Schneider (Bayer Leverkusen).

          Angriff: Fredi Bobic (Hertha BSC Berlin), Thomas Brdaric (Hannover 96), Kevin Kuranyi (VfB Stuttgart), Miroslav Klose (1. FC Kaiserslautern).

          Hinzu kommt noch ein Spieler aus der U 21, der bis spätestens 2. Juni benannt werden muß.

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