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Nationalmannschaft : Robert Enkes endloser Kampf

„Ich bin maßlos enttäuscht”: Robert Enke Bild: ddp

Nach vielen schweren Rückschlägen zuvor wird Nationaltorwart Enke nun von einer mysteriösen Infektion gestoppt. Deshalb steht gegen Aserbaidschan wieder Adler im deutschen Tor.

          Die Mitteilung, die Robert Enke verbreiten ließ, nachdem er für das WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan in seiner Heimatstadt absagen musste, bediente sich der im Profifußball üblichen Wendungen. Der Torwart wurde mit den Worten zitiert, er sei „maßlos enttäuscht“. So etwas sagen viele Spieler wenn sie mal wegen Verletzung oder Krankheit ausfallen, oft gedankenlos. Robert Enke allerdings gehört zu jenen Sportlern, die ihre Worte sorgsam wählen. Von einer maßlosen Enttäuschung hat der 32 Jahre alte Torwart in seiner Karriere in den vergangenen Jahren nie gesprochen. Dafür hat Enke in seinem Leben schon zu viel mitgemacht.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Schon in der Vorsaison war der Torwart von Hannover 96 auf dem Weg, den Stammplatz im deutschen Tor zu erobern. Damals verhinderte ein Kahnbeinbruch drei weitere Länderspiele. Damals war er „relativ gefasst“, dass er seine Rolle als neue Nummer eins nicht weiter festigen durfte. Die Leute um ihn herum hätten das als viel „dramatischer“ empfunden. Nun aber fehlt Enke an diesem Mittwoch in Hannover gegen Aserbaidschan (Anstoß 20.45 Uhr) wiederum, aber diesmal weiß man gar nicht so genau, weshalb Enke fehlt und sich für René Adler eine weitere Chance im Kampf um das Tor bei der Weltmeisterschaft 2010 eröffnet. Der Deutsche Fußball-Bund sprach am Montagabend diffus von einer „allgemeinen Infektion“ Enkes.

          Auch am Dienstag konnte Joachim Löw keinen eindeutigen Befund liefern: „Viele Dinge kann man ausschließen.“ Aber alle medizinischen Untersuchungen, so musste der Bundestrainer zugeben, hätten nicht zum Ziel geführt. Das Blut von Enke, der wegen einer Grippe schon in der vergangenen Woche nicht am Ausdauertest der Nationalmannschaft hatte teilnehmen können, ist an das Tropeninstitut in Hamburg geschickt worden. Das Ergebnis ist in einigen Tagen zu erwarten. „Ich habe nicht das Gefühl, voll einsatzfähig zu sein. Mit diesem Risiko kann ich nicht in ein WM-Qualifikationsspiel gehen“, sagte der Torwart vor seiner Abreise. Er lässt sich zudem von einem Internisten in Hannover untersuchen.

          Er bekommt seine nächste Chance: René Adler

          So wie es aussieht, könnte der abermalige Rückschlag im Duell mit dem Leverkusener René Adler, dem Schalker Manuel Neuer und dem Bremer Tim Wiese weitreichende Folgen für Enke haben. Der Bundestrainer wich auf der Pressekonferenz der Frage offenbar ganz bewusst aus, ob die Einsatzgarantie für Enke weiter bestehe, die er dem Hannoveraner auch für die beiden entscheidenden WM-Qualifikationsspiele am 10. Oktober in Moskau gegen Russland und vier Tage später in Hamburg gegen Finnland ausgesprochen hatte.

          „Wir haben gesehen, wie schnell es gehen kann“

          „Wir gehen davon aus, dass er möglichst schnell ins Training einsteigen kann“, sagte Löw, der sich in dieser Frage wohl weder festlegen wollte noch konnte. Die Aussichten für Adler haben sich jedenfalls verbessert, in Südafrika die Nachfolge von Lehmann und Kahn anzutreten. Durch seine „starke Leistung“ beim 2:0 im Testspiel gegen Südafrika habe sich der Leverkusener den Einsatz gegen Aserbaidschan „verdient“, sagte der Bundestrainer.

          Der Leverkusener war auch nach Enkes Kahnbeinbruch überraschend zu seinem Debüt in der Nationalelf gekommen. In Hannover sitzt nun Neuer auf der Bank und Wiese in Bremen vor dem Fernseher. „Wir sind absolut auf dem richtigen Weg, uns bis Jahresende auf vier Torhüter festgelegt zu haben. Wir haben jetzt gesehen, wie schnell es gehen kann, dass ein Spieler ausfällt“, sagte der Bundestrainer. Nach Lage der Dinge werden Löw, Torwarttrainer Köpke und Assistent Flick bei geglückter Qualifikation dann zu Beginn des Jahres ihre Vorstellungen über die Nummer eins konkretisieren, ohne damit eine endgültige Festlegung zu treffen.

          „Ich habe sehr viel mitgemacht: beruflich und privat“

          Robert Enke ist ein Mann, der kämpfen kann und den so schnell nichts umwirft. „Ich habe sehr viel mitgemacht: beruflich und privat“, sagte er in der Vorsaison, als sich seine Aussichten, zur Nummer eins aufzusteigen, erstmals eingetrübt hatten. „Ich weiß nicht, ob jemand das Leben lenkt. Aber so viel weiß ich: Man kann es nicht ändern. Man muss sich mit einer Verletzung abfinden, man muss sich damit abfinden, wenn man ein Spiel verliert, und man muss sich damit abfinden, wenn man ein Kind bekommt, das schwer krank ist und stirbt“, sagte Enke.

          Er erzählte damals von Phasen in seinem Leben, in denen alles wie von alleine gelaufen sei, von unbeschwerten und glücklichen Zeiten, in denen er und seine Frau Kraft tanken konnten für die schwierigen Zeiten. Zwei Jahre waren sie mit ihrer herzkranken Tochter ständig im Krankenhaus, sie erlebten den Tod ihrer Tochter und mussten ihn verarbeiten. Enke hat sich, als er nach eineinhalb Jahren dazu bereit war, ihren Namen auf das Handgelenk tätowieren lassen. „Meine Prioritäten haben sich verschoben. Früher habe ich mich vor allem über den Fußball definiert“, sagte er.

          All das muss man wissen, wenn man verstehen will, was es für Torwart Robert Enke bedeutet, wenn er jetzt sagt, dass er „maßlos enttäuscht“ ist, weil er ein Fußballspiel gegen Aserbaidschan verpasst.

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