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Nationalmannschaft : Lahms gewachsene Autorität

Reife Leistung: Philipp Lahm bei der Ehrung durch Bundeskanzlerin Merkel (l.) und Bundespräsident Wulff (r.) Bild: AFP

Ob am Ball oder beim Bankett - Philipp Lahm füllt die Kapitäns-Rolle mit immer größerer Selbstverständlichkeit aus. Er vertritt ein junges Team, das flache Hierarchien wünscht. Und Michael Ballack ist dabei so weit weg wie das Gastgeberland Kasachstan am Dienstag.

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          Es war die Woche, die Berliner Woche, in der sich Philipp Lahm zum ersten Mal wie der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft fühlen durfte. Schloss Bellevue am Dienstag: Lahm schreitet neben Joachim Löw in den vollbesetzten Saal, in dem der Bundespräsident die Mannschaft und den Bundestrainer für ihren Auftritt bei der Weltmeisterschaft ehren sollte, bei der Lahm als bescheidener Vertreter von Michael Ballack anreiste und das Turnier mit dem unmissverständlichen Ziel verließ, die Binde nicht mehr herzugeben.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Anzug, die Krawatte und die Frisur sitzen perfekt, und die Worte auch. Philipp Lahm kann das. „Wir sind sehr stolz, als junge Mannschaft diesen Preis erhalten zu haben“, sagte Lahm, nachdem er zwischen Kanzlerin und Bundespräsident die Ehrung entgegengenommen hatte und die Dankesworte für die Mannschaft sprach (siehe auch:Fußball-Nationalmannschaft: Siegen für die Seelenlage der Nation ). Er wies auf prominente Preisträger hin, in deren Reihe zu stehen ihn und das Team stolz machten: Rosi Mittermaier, Boris Becker und Fritz Walter. „Das ist ein großer Ansporn. Wir wollen wieder einen Titel nach Deutschland holen“, sagt Lahm, „in naher Zukunft.“ Ballack war in diesem Moment sehr weit weg.

          Olympiastadion am Freitag: Der Kapitän steht in der Mixed Zone vor dem Gitter, das die Spieler vor den Reportern trennt, und äußert sich nach dem 3:0 gegen die Türkei, in dem Lahm in der zweiten Halbzeit einen herausragenden Auftritt hatte, zur Lage der Fußball-Nation, die er als Spieler anführt: „Es beeindruckt, wie die Mannschaft im Moment spielt. Neun Punkte aus drei Spielen und nun auch den stärksten Gegner geschlagen: Das war ein perfekter Start, mehr ist nicht drin.“

          Verlängerter Arm? Lahm neben Bundestrainer Löw (r.)

          Er wird auch sagen, dass der Erfolg gegen die Türken nicht mehr viel wert sei, wenn sie am Dienstag in Kasachstan (19 Uhr/ FAZ.NET-Länderspiel-Liveticker) nicht auch das vierte Spiel in der Qualifikation zur Europameisterschaft gewinnen. Ballack wird auch dann sehr weit weg sein.

          Lahm liegt richtig

          In dieser Woche hat Lahm zahlreiche Interviews gegeben. Am Donnerstag vor dem wichtigen Spiel waren es vier nacheinander, jeweils zehn Minuten. Lahm sprach davon, dass er keine Sorgen habe, dass die Mannschaft den Verlust von Bastian Schweinsteiger nicht ausgleichen könne. Er war unglaublich zuversichtlich, dass sie das Spiel gewinnen würden und dass Mesut Özil sich von den Pfiffen gegen ihn nicht beeindrucken lassen werde.

          Er lag damit genauso richtig wie vor der WM, als viele nicht glauben mochten, als Lahm sagte, dies sei die Nationalmannschaft mit der höchsten Qualität, in der er je gespielt habe. Er wiederholte das auch in Berlin, und dass sie das beim 3:0 gegen den größten Konkurrenten auch gezeigt haben, ist für Lahm der Beleg, dass die Qualität der Mannschaft nicht bei der Nummer dreizehn oder vierzehn endet, sondern mittlerweile eine Tiefe erreicht hat, die zu Titeln führen kann.

          Erstmals als Kapitän eine Führungsfigur

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