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Nationalmannschaft : Klinsmanns WM-Team steht

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Philipp Lahm hat weiter gute WM-Chancen Bild: AP

Sieben Monate vor der WM sind die Chancen für Nachrücker in den Kader von Bundestrainer Jürgen Klinsmann auf ein Minimum geschrumpft. Für ältere Spieler wie Christian Wörns gibt es auch wegens Klinsmanns Verjüngungskur kaum Hoffnung.

          Der Kampf um die Stammplätze in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wird zwar erst in der direkten Turnier-Vorbereitung entschieden, aber die Zusammenstellung des 23köpfigen Kaders ist schon vor dem Start ins WM-Jahr weitgehend geklärt. 36 Spieler hat der Bundestrainer in den 22 Länderspielen unter seiner Regie bislang getestet und dabei vor allem ein Motto konsequent verfolgt: Alt raus, jung rein.

          Den Verjüngungsprozeß hob Klinsmann darum auch bei seiner Jahresabschluß-Bilanz nach dem befreienden 0:0 in Paris gegen Frankreich besonders hervor: „Wir können zufrieden sein mit den letzten elf Monaten. Der Generationswechsel ist größtenteils gelungen.“

          Vorteil Huth

          Beim Kader plant Klinsmann weiterhin mit der Formel 3-8-8-4. Das heißt: Drei Torhüter, jeweils acht Abwehr- und Mittelfeldspieler sowie vier Stürmer. „Wir haben vom ersten Tag an gesagt, daß wir jede Position doppeln wollen. Da sind wir einen großen Schritt vorangekommen“, bemerkte der Bundestrainer. Die drei Torhüter stehen in Oliver Kahn, Jens Lehmann und Timo Hildebrand grundsätzlich fest, sofern es nach der Nummer-1-Entscheidung keinen freiwilligen Rückzug eines Schlußmannes gibt. Einen Rücktritt hatte Lehmann für seine Person angedeutet, wenn er im Duell mit Kahn unterliegen sollte.

          Sollte Lehmann abtreten, falls er nicht die Nummer 1 im deutschen Tor wird, ist sein Platz im Kader frei

          In der Abwehr haben sich die Fronten nach Paris etwas deutlicher geklärt. Arne Friedrich geht als Nummer 1 auf Rechts ins WM-Jahr, Per Mertesacker ist als Dauerbrenner des Jahres im Zentrum gesetzt. Trotz der problematischen Reservistenrolle bei Chelsea London ist Robert Huth schon nach den Einsatzzeiten unter Klinsmann mit 1.019 Minuten hinter Mertesacker (1.500) die klare Nummer 2 auf dieser Position. Der 21 Jahre junge Abwehrchef Mertesacker machte sich nach dem Frankreich-Spiel für seinen gleichaltrigen Teamkollegen stark. „Robert und ich haben schon während des Confed-Cups gezeigt, daß wir gut zusammen spielen können.“

          Wenig Hoffnung für Hitzlsperger

          Klinsmann hofft nach wie vor auf den erneut verletzten Dortmunder Christoph Metzelder und hält vorläufig auch am Kölner Lukas Sinkiewicz fest. Nur noch Notnagel ist Christian Wörns, der praktisch das gesamte Jahr abgeschrieben war: Nur noch 225 Minuten kam der 33jährige Dortmunder in 2005 zum Einsatz. Auf der linken Abwehrseite hat sich der 20jährige Marcell Jansen in Rekordtempo zum ersten Platzhalter für Philipp Lahm gemausert, dem Klinsmann trotz seiner langen Verletzungspause weiterhin „Priorität“ einräumt. Rechts ist der Bremer Patrick Owomoyela momentan der zweite Mann hinter Friedrich, Andreas Hinkel könnte ihn noch bedrängen.

          Im personell am besten bestückten Mittelfeld muß Thomas Hitzlsperger nach der gescheiterten Verwendung als Links-Verteidiger eine Ausbootung befürchten. Der Dortmunder Sebastian Kehl darf auch noch auf den achten Platz neben den gesetzten Ballack, Frings, Deisler, Schneider, Schweinsteiger, Ernst und Borowski hoffen. Dietmar Hamann wird nach 73 ernüchternden Spielminuten gegen die Niederlande (2:2) dagegen wohl nur bei Verletzungen anderer Mittelfeld-Akteure noch einmal eine WM-Chance erhalten. Er könnte aber dann sogar noch von Confed-Cup-Teilnehmer Marco Engelhardt oder vom Bremer Frank Baumann überholt werden.

          Warten auf Asamoah

          Im Angriff ist neben Lukas Podolski, Miroslav Klose und Kevin Kuranyi der vierte Platz für den Schalker Gerald Asamoah reserviert, der nach einer Knieverletzung vor dem Bundesliga-Comeback steht. Oliver Neuville, Mike Hanke oder Benjamin Lauth, sofern er in der Rückrunde beim Hamburger SV mit Toren durchstarten sollte, müssen darauf hoffen, das Klinsmann bei der Heim-WM vielleicht doch fünf Angreifer nominiert. Ein Arne Friedrich könnte schließlich in der Abwehr auch als Innenverteidiger einspringen, ein Bernd Schneider kann im Mittelfeld - wie in Frankreich - rechts und links agieren.

          Die mögliche Doppelbesetzung der Feldspieler-Positionen im 4-4-2:

          Abwehr:
          Rechts: Friedrich, Owomoyela - Chancen: Hinkel
          Innen: Mertesacker, Sinkiewicz (rechts); Huth, Metzelder (links) - Chancen: Wörns
          Links: Lahm, Jansen - Chancen: Schulz

          Mittelfeld:
          Rechts: Deisler, Schneider - Chancen: Freier
          Zentral: Frings, Ballack; Ernst, Borowski - Chancen: Kehl
          Links: Schweinsteiger, Hitzlsperger - Chancen: Engelhardt

          Angriff:
          Klose, Podolski; Asamoah, Kuranyi - Chancen: Neuville, Hanke

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