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Nationalmannschaft : In einer anderen Welt

Alles im Blick: Joachim Löw und seine Nationalmannschaft trainieren auf den Färöer Bild: dpa

Fremdgesteuert auf die Färöer: Das Team von Bundestrainer Joachim Löw muss sich in einer rauen Umgebung mit ungewohnter Luftlinie zurechtfinden. Der DFB treibt seine Planungen derweil schon über 2014 hinaus.

          Auf der womöglich letzten Etappe, bevor die Nationalelf ihre Sommerreise nach Brasilien endgültig planen darf, ist dem Deutschen Fußball-Bund beim Trip nach Färöer erst mal ein langjähriger Partner abhandengekommen. Präsident Niersbach, Bundestrainer Löw und all die anderen aus dem Tross des Nationalteams gingen am Montag ausnahmsweise bei Atlantic Airways an Bord, der führenden und natürlich auch einzigen färöischen Fluggesellschaft.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der deutsche Transporteur hätte wegen des schwierigen Anflugs auf die gerne windumtosten und wolkenverhangenen Eilande einen Käpt’n mit Spezialausbildung für den Landeplatz in Vagar benötigt. Aber weil es den nicht gibt, übertrug man die Aufgabe, die kostbare deutsche Fußballfracht sicher an den schroffen Küsten des Nordatlantiks abzuliefern, den aeronautischen Experten für die Schafsinseln.

          Begegnung der Fußballwelten

          Die deutschen Nationalspieler haben sich auf ihrer Dienstreise auch noch auf einige andere Eigentümlichkeiten einzustellen. So teilen sie sich mit dem Gegner das Hotel, sie spielen an diesem Dienstag (20.45 Uhr/ ARD und F.A.Z.-Liveticker) vor einer Mini-Kulisse von 4000 Zuschauern auf einem Kunstrasen, und auch ansonsten erinnert das Fluidum für die Stars aus München, Madrid und London an jeder Ecke an einen Feld-, Wald- und Wiesenkick. „Die Insel macht einen ziemlich rauhen Eindruck. Wir werden es auch mit rauhen Spielern zu tun haben“, sagte Löw nach seinen ersten Eindrücken auf der Insel sowie seinen Erfahrungen aus dem Hinspiel.

          Alles etwas anders - auch die Flutlichtmasten: Das Stadion in Torshavn

          Man kann sich angesichts der besonderen Umstände schon fragen, was das alles soll in einem Fußballgeschäft, in dem die Events ansonsten doch gar nicht groß genug sein können. „Hinter dem einen Tor ist Glas, hinter dem anderen Beton. Das sind wir auch nicht so gewohnt. Ich hoffe, dass wir trotzdem das Tor treffen“, sagte Löw grinsend. „Wir werden das Spiel absolut seriös angehen.“ Auf diese Begegnung der Fußballwelten, die so gar nichts mehr außer einem Fußball und dem Regelheft miteinander verbindet, würde Löw aus sportlichen Gründen eigentlich ganz gerne verzichten. Wie schon vor den beiden Spielen zu Beginn des Jahres gegen Kasachstan, den Tabellenvorletzten, plädierte der Bundestrainer wiederum für eine Vorqualifikation für die Fußballzwerge dieser Welt.

          Starke Defensive

          Ob es aus sportlicher Sicht sinnvoll sei, zweimal gegen Länder wie Färöer, Kasachstan, Andorra oder San Marino anzutreten, wie es die WM- und EM-Qualifikationsrunden zur allgemeinen Ermüdung immer wieder von den großen Fußballnationen erfordern, darüber könnte man angesichts des engen Terminkalenders schon mal diskutieren. „Aber wir sind gerne hier. Wir nehmen das so an“, sagte Löw diplomatisch.

          Zumal er die Defensive des Gegners tatsächlich schätzt, die so stark sei wie bei keiner anderen der kleinen Nationen. Es sei daher auch kein Zufall, dass Färöer seinen Konkurrenten in Heimspielen immer wieder zusetze, sagte der Bundestrainer. Italien hat das schon erlebt, zuletzt auch Schweden. „Das Einzige, was mich aber interessiert, ist, drei Punkte zu holen“, sagt Löw. „Und das werden wir auch tun.“ Mit einer sportlichen Weiterentwicklung des deutschen Teams ist auf den Färöern jedenfalls nicht zu rechnen.

          Fernduell mit Schweden

          Es gilt vielmehr, nur eine weitere von nun schon einigen undankbaren Pflichtaufgaben auf dem Weg zur WM zu erledigen - aber wenn im buchstäblichen Fernduell im mehr als 5000 Kilometer entfernten Kasachstan die Schweden nicht gewinnen, wäre die vorzeitige WM-Qualifikation immerhin eine hübsche Zusatzprämie. Im kommenden EM-Zyklus wird der sportliche Sinn des aktuellen Qualifikationsmodus in Europa allerdings noch fraglicher. Da spielen dann 52 Mannschaften eineinhalb Jahre lang darum, das Feld auf 24 Teilnehmer für die EM-Endrunde in Frankreich 2016 zu reduzieren.

          Die Planungen im DFB reichen in diesen Tagen auch schon über die WM 2014 hinaus. Die Vertragsverlängerung mit dem Bundestrainer, Manager Bierhoff und dem Trainerstab soll nach dem Wunsch des Verbandes auf jeden Fall vor dem DFB-Bundestag Ende Oktober fixiert sein, um sie dort als Ausweis von Stabilität und Kontinuität präsentieren zu können. Das Kommunikationsdesaster um die Vertragsverlängerung von Löw unter Theo Zwanziger vor vier Jahren haben der DFB und sein aktueller Präsident noch immer in schlechter Erinnerung. Auch für die Unwägbarkeiten eines Turniers will man diesmal vorsorgen. Ausstiegsklauseln bei Misserfolgen (für den DFB) oder dem ganz großen Triumph (für Löw und Co.) sollen eine geräuscharme Trennung für beide Seiten ermöglichen. Das Ganze läuft in der Realität wohl auf eine Schmalspur-Vertragsverlängerung für das Erreichen des Viertelfinals und Halbfinals oder eines verlorenen Finales hinaus.

          Flick und Löw wollen WM zusammen bestreiten

          Als größte Herausforderung gilt im DFB, die Personalie Hansi Flick, Wunschkandidat des Verbandes für den Sportdirektorposten, auch öffentlich erfolgreich durchzubringen. Präsident Niersbach hat jedenfalls größtes Interesse daran, das Trainerteam nicht vor der WM auseinanderzureißen. Bei einem möglichen Misserfolg, so die Überlegung, würde sich auch der Nachfolger Zwanzigers angreifbar machen - und Flick und Löw wollen die WM auch unbedingt zusammen bestreiten.

          Der Blick geht weit über die Färöer hinaus: Joachim Löw peilt die WM in BRasilien an

          Also gilt es, einen Weg zu finden, um die entstehende Vakanz auf dem Sportdirektorposten für über ein Jahr zu erklären. Ursprünglich hatte das Präsidium schon Ende August in dieser Sache Klarheit schaffen wollen, doch es wurde auf dieser Sitzung darüber nur geredet, nicht aber entschieden. „Ich habe mit dem DFB über diese Personalie noch nicht gesprochen“, sagt Löw mit Blick auf seinen begehrten Assistenten. „Eine Doppelfunktion ist nicht möglich. Das wird beiden Aufgaben nicht gerecht.“ Der DFB wird also noch ein bisschen warten müssen.

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