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Nationalmannschaft : Entspannter Löw fordert den Titel

Offenkundige Zuversicht: Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff (r.) Bild: dapd

Im Kampf um Europas Fußballkrone glaubt der Bundestrainer an die Reife seiner Spieler. Trotz Ausfällen nominiert er keine Neulinge oder Rückkehrer für den Test gegen Frankreich.

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          Dass die deutschen Fans, die Medien und auch sie selbst nichts anderes als einen herrlichen deutschen Fußball-Sommer erwarten, versteht sich für Joachim Löw gut einhundert Tage vor dem Beginn der Europameisterschaft wie von selbst. Aber leichter macht die große deutsche Sehnsucht auf den ersten Titel seit 1996 die Sache in Polen und der Ukraine natürlich nicht. "Die Erwartungen sind hoch, deshalb ist auch die Fallhöhe höher", sagte Löw am Mittwoch in Berlin über die "Last der guten Tat" bei der Europameisterschaft, also die exzellente Bilanz in der Qualifikation und die herausragenden Auftritte gegen die Niederlande (3:0) oder gegen Brasilien (3:2) in dieser Saison. "Ich glaube, dass die Spieler, obwohl sie jung sind, schwindelfrei sind."

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Eine Woche vor dem Testspiel gegen Frankreich in Bremen (29. Februar/ F.A.Z.-Liveticker) vor der unmittelbaren Turniervorbereitung waren der Bundestrainer und sein Stab in Berlin längst schon bei der Endrunde der Europameisterschaft angekommen. "Die Zielsetzung ist, dass wir das Finale gewinnen wollen. Wir werden ein gutes Turnier spielen", sagte und versprach der Bundestrainer auf einer DFB-Veranstaltung unweit der Straße des 17. Juni, auf der sich bei den Turnieren zuletzt immer die Berliner Fanmeile breitgemacht hatte - und dorthin würde Löw im Juli nur zu gerne mit Team und Pokal zurückkehren. "Es ist für uns alle ein Jahr der großen Chance."

          Vertraute Kräfte: Cacau ist trotz Formdelle weiter dabei

          In der Hauptstadt präsentierte sich vor der ersten Partie 2012 am Mittwoch in Bremen ein entspannter, gleichwohl zielgerichteter Bundestrainer. Die aktuellen Ausfälle für die Partie gegen Frankreich von Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Mario Götze und Per Mertesacker glaubt Löw ganz locker mit den altbekannten, aber gleichwohl jungen Kräften ausgleichen zu können.

          Vertrauen in alte Kräfte

          Er verzichtete auf Neulinge oder einen Rückkehrer wie den Mönchengladbacher Mike Hanke. Neben Mario Gomez und dem zuletzt angeschlagenen Miroslav Klose vertraut er im Sturm weiter dem Stuttgarter Cacau. Auch den zuletzt schwächelnden Christian Träsch und Simon Rolfes vertraut der Bundestrainer weiterhin. "Es gibt keine Veranlassung, irgendwelche großen Veränderungen vorzunehmen", sagte der Bundestrainer.

          Zum 22-köpfigen Aufgebot gegen Frankreich zählen nur Spieler, die bei der erstklassigen Qualifikationsrunde mit zehn Siegen in zehn Spielen dabei waren. Das kann man als eindeutigen Hinweis darauf verstehen, dass es für schon einmal aussortierte Kräfte von gestern, wie Hanke oder den Hannoveraner Jan Schlaudraff, trotz aktuell erstklassiger Bundesliga-Leistungen kaum eine Chance gibt, noch in den Kader für die Europameisterschaft zu rutschen - wohl aber könnte für junge Talente wie den derzeit verletzten Mönchengladbacher Patrick Herrmann unter Umständen noch ein Plätzchen frei sein.

          "Die Tür ist nicht gänzlich zu. Es hängt von mehreren Faktoren ab, wie wir den Kader benennen", sagte Löw. "Aber derzeit ist es nicht sinnvoll, detaillierte Prognosen abzugeben, es kann ständig Veränderungen geben, auf die man reagieren muss." Gegen Frankreich stehen erstmals die Zwillinge Sven und Lars Bender von Dortmund und Leverkusen gemeinsam im deutschen Kader.

          Außergewöhnliche Entwicklung seit 2010

          Löw hinterließ in Berlin den Eindruck, dass ihn zwei Jahre nach dem Ausfall von Kapitän Michael Ballack überraschende personelle Entwicklungen jedenfalls nicht mehr sonderlich beunruhigen können. Auch der derzeitige Ausfall von Innenverteidiger Mertesacker und dessen unsichere Entwicklung nach einer Knöcheloperation machen dem Bundestrainer keine allzu großen Sorgen. "Wir sind vorbereitet auf Was-wäre-wenn-Situationen. Wir werden dann angemessen reagieren", sagte Löw. "Eine Stärke des Trainerteams ist es, Bedingungen, die nicht optimal sind, entsprechend zu gestalten", sagte in Berlin auch Manager Oliver Bierhoff.

          "Wir haben Außergewöhnliches erleben können", sagte der Bundestrainer zu der Entwicklung seines Teams seit der WM 2010. Es sind dabei zwei Dinge, die ihn zuversichtlich, aber auch stolz machen. Zum einen die neue Fähigkeit, gegen die besten Teams der Welt spielerisch zu glänzen. Aber mindestens so wichtig sei ihm, dass seine Mannschaft "auf dem Platz und jenseits des Platzes ein Vorbild für Respekt und Integration" sei. "Das sind bei uns keine Worthülsen, sondern gelebte Realität."

          Vorausschau bis 2022

          Dem Test gegen Frankreich folgt 101 Tage später das erste Gruppenspiel gegen Portugal in Lemberg in der Ukraine, dann das große Duell gegen die Niederlande und der Vorrundenabschluss gegen Dänemark. "Wir haben eine junge, lebendige Generation, die ehrgeizig ist, ein Risiko eingehen will und den Erfolg mit allen Mitteln anstrebt", sagte Löw voller Vorfreude.

          Der Blick des Bundestrainers ging dabei in Berlin schon weit über den Sommer 2012 hinaus. "Die Entwicklung der Mannschaft wird weitergehen, egal, wie die Europameisterschaft ausgeht", sagte der Bundestrainer. "Mario Götze und auch einige andere Spieler können auch bei der WM in Qatar 2022 dabei sein." Er klang dabei, als könne er selbst kaum glauben, welches Potential im deutschen Fußball steckt.

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