https://www.faz.net/-gtl-13gla

Nationalmannschaft : Diesmal springt Ballack Frings nicht bei

Ballack und sein großes Ziel: „Man träumt natürlich vom Titel” Bild: dpa

Vor dem WM-Qualifikationsspiel in Aserbaidschan am Mittwochabend um 18 Uhr gibt sich Michael Ballack geläutert. Nicht mal die Nicht-Nominierung seines Kumpels bringt den Kapitän in Rage. Und der Oberschenkel hält auch.

          3 Min.

          Als die deutsche Karriere des Berti Vogts zu Ende ging, fing die von Michael Ballack gerade an. Im September 1998, kurz nach der enttäuschenden Weltmeisterschaft in Frankreich, nahm der damalige Bundestrainer den jungen Ballack mit auf die Malta-Reise der Fußball-Nationalmannschaft. Einundzwanzig war Ballack damals und im Trikot des 1. FC Kaiserslautern gerade Meister geworden. Zum Einsatz kam er in den Spielen gegen Malta und Rumänien aber nicht, obwohl – oder gerade weil – es für das deutsche Team alles andere als gut lief. Am Ende wusste Vogts, dass es für ihn als Bundestrainer nicht mehr weiterging. Und auch für Ballack war es eine kleine Enttäuschung – ein Grund, die Reise aus der Erinnerung zu streichen, aber nicht, im Gegenteil. „Es war eine wichtige Erfahrung für mich“, sagt Ballack heute. Mal „reingeschnuppert“ habe er damals und die Gelegenheit gehabt, „von ein paar Größen des deutschen Fußballs zu lernen“.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          In den folgenden knapp elf Jahren wurden die Klubs, in denen Ballack spielte, immer größer (Leverkusen, Bayern München, Chelsea), die Stationen des Trainers Vogts tendenziell exotischer (Kuweit, Schottland, Aserbaidschan). Eine Konstante aber ist ihnen geblieben: Einen Titel hat ein deutsches Nationalteam seitdem nicht gewonnen. Und weil Ballack mit seinen Klubs zwar national so manche Trophäe eroberte, international aber keine einzige, hängt ihm ein unschönes Etikett an: Der noch keinen großen Titel gewann.

          WM als letzte Gelegenheit?

          Ballack muss schmunzeln, als das Gespräch in diese Richtung geht bei der Pressekonferenz vor dem WM-Qualifikationsspiel an diesem Mittwoch in Aserbaidschan. Er weiß, dass diese Fragen kommen. Und je mehr Zeit vergeht, desto öfter kommen sie. Manchmal werden sie immerhin höflich verpackt, wie an diesem Nachmittag im Mannschaftshotel in Baku. Er sei ja nun schon ein paar Jahre dabei, leitet ein Reporter seine Frage ein. 32 Jahre ist Ballack inzwischen alt. „Inwieweit plant man da für die persönliche Zukunft oder Karriere?“

          Zur Zeit keine Chance für Frings (l.): Ballack pflichtet Bundestrainer Löw (r.) bei
          Zur Zeit keine Chance für Frings (l.): Ballack pflichtet Bundestrainer Löw (r.) bei : Bild: dpa

          Die Frage hätte auch lauten können: Gedenken Sie, in dieser Saison endlich Ihren ersten großen Titel zu gewinnen – jede Chance könnte ja schließlich die letzte sein? Ballack antwortet ausweichend. „Die Karriereplanung verläuft natürlich kurzfristiger“, sagt er, „man schließt keine Drei- oder Vierjahresverträge ab und muss schon schauen, wie der körperliche Zustand ist.“ Der Gedanke, dass die WM im kommenden Jahr in Südafrika tatsächlich seine letzte Gelegenheit für internationale Meriten sein könnte, scheint ihm zumindest nicht abwegig: In Chelsea habe er auch nur einen Einjahresvertrag unterschrieben.

          „Man träumt natürlich vom Titel“

          Am großen Karriereziel hat sich nichts geändert. „Man träumt natürlich vom Titel“, sagt er mit Blick auf die WM, „das ist ganz klar.“ Seinen in der Saisonvorbereitung erlittenen Zehenbruch hat Ballack auskuriert. Am Sonntag wurde er im Spiel um den Community Shield, den englischen Supercup, nach einer Stunde eingewechselt und trug im Elfmeterschießen dazu bei, dass Chelsea diesen Titel gewann. Ballack ist auch dabei, wenn es am Mittwochabend (18 Uhr/ FAZ.NET-Länderspiel-Liveticker) im Tofik-Bachramow-Stadion um Qualifikationspunkte geht. Zwar musste er wegen Oberschenkelschmerzen das Abschlusstraining aus Vorsicht abbrechen, aber seinem Einsatz am Mittwochabend steht nichts im Weg.

          Natürlich soll der Kapitän auch in der WM-Saison der Anführer sein. „Er ist ein absoluter Führungsspieler“, betont Bundestrainer Joachim Löw. „Deshalb ist es wichtig, ihn dabeizuhaben.“ Auf dem Weg zum Titel könnte es aber eine der spannendsten Fragen sein, inwieweit diese Mannschaft wirklich noch seine ist. Mit Löw hat er sich schon angelegt, mit Teammanager Bierhoff ebenso. Und beim letzten Qualifikationsspiel in Wales machte Lukas Podolskis Handgreiflichkeit deutlich, dass der Kapitän keine uneingeschränkte Autorität genießt, vor allem unter den jüngeren Kollegen. Nachdem nun auch sein alter Mitstreiter Torsten Frings von Löw fürs Erste aussortiert wurde, ist von der Generation Ballack – außer vielleicht Miroslav Klose – nicht mehr viel übrig.

          Trost für Frings, aber nicht mehr

          Ballack aber sprang nicht etwa Frings zur Seite, wie er das schon einmal getan hat (siehe: Michael Ballack im F.A.Z.-Interview: „Frings' Rücktritt wäre schlimm“). Trost, ja, den habe er Frings telefonisch übermittelt. Ansonsten teile er aber die Sicht des Bundestrainers, wonach es auf der Position im defensiven Mittelfeld derzeit Spieler gebe, „die stärker sind als er“. Es ist das reine Leistungsprinzip, so hat Ballack es bei Chelsea und dem gnadenlosen Konkurrenzkampf dort verinnerlicht. Dass damit auch das eigene Anspruchsdenken und womöglich die Ungeduld wachsen, kann in anderer Umgebung schon einmal Konfliktstoff bergen.

          „Das muss jeder für sich selbst wissen“, sagt er auf die Frage, ob er sich wünschte, dass andere Spieler seinem Beispiel folgen und ihr Glück bei einem Weltklub suchen. Seine eigene Antwort ist eindeutig. „Ich habe sehr, sehr viel gelernt“, sagt er. Von Ballack lernen heißt siegen lernen. Auch so könnte die Botschaft lauten – selbst wenn es nicht in jedem Fall geklappt hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Krisenmanagement : Was man aus der Katastrophe lernen kann

          Nach der Flut mehren sich Stimmen, die fragen, wie man in Zukunft mit Katastrophen umgehen sollte. Es brauche moderne Tieflader, Bagger und Hubschrauber, sagt ein Krisenmanager. Das Kernthema bleibt aber das Training.
          Königin von Deutschland? Merkel im Wahlkampf 2013

          F.A.Z. Machtfrage : Auf den Kanzler kommt es an?

          Der Wahlkampf schreitet voran und immer mehr wird auf die Kandidaten, weniger ihre Themen geschaut. Ist das so schlimm? Die Geschichte zeigt: Ein guter Kanzlerkandidat ist ein Pfund, aber es kommt auch noch auf etwas Anderes an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.