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Nationalmannschaft : Der stille Scharfmacher

Der erste förmliche Auftritt

Am Donnerstagmittag sitzen Klose und der Bundestrainer im Medienhotel in Rimini bei der Pressekonferenz. Es ist der erste förmliche Auftritt der beiden seit der Verkündung der Personalie in der vergangenen Woche. Am Samstag war es schon zu einer kurzen Begegnung auf öffentlicher Bühne gekommen, als Klose dem Bundestrainer beim Sportpresseball in Frankfurt die Trophäe für die Auszeichnung als „Legende des Sports“ überreichte.

Hier, mit Blick auf die Adriaküste, tragen sie auch Schwarz – aber die Trainingsvariante mit drei Streifen. Als das hektische Klicken der Kameras verklungen ist, spricht Klose über seine neue Aufgabe, über seine Motive, auch über seine ersten Eindrücke von der Arbeit auf dem Platz. Und das bedeutet in diesem Fall offenbar vor allem: Beschleunigung. „Wenn man nah dran ist“, sagt Klose, sehe man, dass „das Dynamische wirklich nochmal einen Sprung gemacht hat“. Ansonsten fällt auf, wie leise, fast demütig Klose über seinen neuen Job redet. „Die Möglichkeit, bei einem Weltmeister-Trainer einzusteigen, bekommt nicht jeder, dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Klose und spricht von einer „wirklich großen Ehre“ – dabei ist er ja selbst Weltmeister.

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Er erzählt, wie er schon während seiner aktiven Zeit versucht habe, das Spiel immer weiter zu durchdringen: was die Taktik angeht, oder Spielphilosophien. Immer habe er sich gefragt: „Was bringt mich weiter?“ Insofern habe sich für ihn schon länger abgezeichnet, dass er den Weg in den Trainerberuf suchen würde.

„Der Miro ist immer noch spielberechtigt“

Löw wiederum erzählt davon, dass Flick sich schon 2014, als er Sportdirektor wurde, darüber Gedanken gemacht habe, wie Spieler nach ihrer Karriere beim DFB eingebunden werden könnten. Und auch er betont, dass die Spezialisierung in einzelnen Mannschaftsteilen oder gar auf speziellen Positionen eine „immer wichtigere Rolle“ spiele. Viel konkreter wird es allerdings nicht an diesem Tag in Rimini. „Wir beginnen jetzt mal“, sagt Löw und richtet die Perspektive eher in die Zukunft, auf den Confederations Cup im nächsten Jahr und natürlich die WM 2018 in Russland, wenn die deutsche Mannschaft tatsächlich mehr Tordrang zeigen sollte als zuletzt bei der EM in Frankreich. Es ist ein vager Anfang, aber dennoch einer, der die Phantasie beflügeln kann. Zuzutrauen jedenfalls ist es Klose, dass er die Sinne schärft – und mit ihnen auch die Abschlüsse.

An diesem Freitag im Stadio Olimpico von Serravalle wird es das noch nicht brauchen. Klose war dabei, als die Deutschen im Herbst 2006 hier 13:0 gewannen, der höchste Sieg in der Ära Löw; zwei Tore steuerte auch er bei. Und diesmal? „Ein kleiner Tipp noch für die, die nach der Aufstellung fragen wollen“, sagt Löw etwas unvermittelt: „Der Miro ist immer noch spielberechtigt.“ Der Bundestrainer freut sich über seinen kleinen Scherz. Aber auch darüber, dass er seinen Miro wieder hat.

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