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Nationalmannschaft : Das große Preisschießen von San Marino

Kapitän und Stürmer: Ballack und Podolski Bild: dpa

„Wer jetzt nicht zufrieden ist, ist selber schuld“, sagte Fußball-Bundestrainer Joachim Löw nach dem Kantersieg gegen San Marino. Statistisch machte beim 13:0 vor allem Lukas Podolski mit vier Treffern auf sich aufmerksam.

          Am Ende wollten die deutschen Touristen auch noch Jens Lehmann als Torschützen erleben. Als der Schiedsrichter wenige Minuten vor dem Abpfiff ein Handspiel im Strafraum der leidgeprüften San Marinesen mit einem Elfmeter bestrafte, riefen die Adria-Urlauber auf ihrem Nationalmannschaftsausflug den Namen des Torwarts. Lehmann, der sich eineinhalb Stunden lang nur die Beine im eigenen Strafraum vertreten hatte, erhörte die Rufe und machte sich auf den Weg. Unter dem Jubel und Gejohle des Publikums überschritt Lehmann beim Stand von 12:0 die Mittellinie, aber zur Ausführung des Elfmeters kam es dann doch nicht. Die Spieler von San Marino riefen ihm „Fair play“ zu, und auch der Schiedsrichter war nicht allzu amüsiert über diese Form der Volksbelustigung.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Daraufhin machte Lehmann, bei dem Bundestrainer Joachim Löw schon während des Trabs zum anderen Strafraum nach der Aufforderung der Zuschauer „ein mulmiges Gefühl“ bemerkt haben wollte, sportlich anständig wieder kehrt und widmete sich auch in den letzten Minuten der Tatenlosigkeit. „Das war nett von Lehmann - es war ja auch so schon genug“, sagte Verteidiger Bacciocchi, der freundliche, zwischenzeitliche Begleiter von Miroslav Klose. „Es war trotzdem das größte Spiel. Man kennt die Spieler sonst ja nur aus dem Fernsehen.“ Nach dem sportlichen Rückzug von Lehmann nutzte also Bernd Schneider die vakante Elfmetergelegenheit beim Großen Preis von San Marino, und so stand am Ende ein 13:0-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft beim zweiten Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft. Ein Ergebnis wie aus der Gründerzeit des Fußballs.

          Löws Bilanz: Drei Siege, 17:0 Tore

          Die Statistik wurde am Mittwoch abend für das deutsche Team bei dem fast schon absurden Vergleich zwischen dem Weltmeisterschaftsdritten und der Nummer 191 der Weltrangliste zum einzigen Maßstab, der noch für Verblüffung sorgen konnte. Nach der Pressekonferenz in dem Puppenstubenstadion von Serravalle wurde dem Bundestrainer eine Liste mit den höchsten deutschen Siegen vorgelegt, und Joachim Löw studierte die Ergebnisse aus uralten Zeiten mit vermutlich gespielter Unkenntnis. Er gab sich interessiert, aber nur mäßig beeindruckt. In seinem dritten Spiel als Bundestrainer, mit der ganz nebenbei wohl für alle Zeiten unerreichten DFB-Bilanz von drei Siegen und 17:0 Toren, durfte der Bundestrainer dabei den höchsten Auswärtssieg in der über einhundertjährigen Geschichte des DFB registrieren.

          Kapitän und Stürmer: Ballack und Podolski Bilderstrecke

          Bisher stand ein schwer angestaubter 9:1-Erfolg in Luxemburg aus dem Jahr 1934 als höchster Erfolg auf des Gegners Platz. Der tatendurstige Jahrgang 2006 kratzte mit dem guten Dutzend Volltreffern sogar an der Rekordmarke aus der Kaiserzeit - wohlgemerkt, nicht der von Franz, sondern der von Wilhelm -, als eine deutsche Auswahl bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm gegen Rußland mit einem 16:0 noch Ruhm und Ehre fürs Vaterland einlegte.

          Eine „sehr gute Trainingseinheit“

          Im Hier und Jetzt des modernen Fußballs war es für Löw aber „nicht wichtig, ob wir elf, zwölf oder dreizehn Tore schießen“. Was für ihn zählte in diesen neunzig Minuten ohne weiteren Nährwert für die weiteren Begegnungen in der Qualifikationsgruppe D, wo die deutsche Mannschaft nun von der Spitze grüßt, war die gezeigte „Gewinnermentalität“. Der Bundestrainer hatte seinen Spielern für die eineinhalbstündige Projektarbeit zum Thema Toreschießen in den vergangenen Tagen immer wieder mit auf den Weg gegeben, für den Spaß in diesen allzuoft ungeliebten Spielchen ganz allein verantwortlich zu sein. Er wünschte sich Entschlossenheit beim Ausnutzen der sich wie von selbst ergebenden Torchancen während dieser „sehr, sehr guten Trainingseinheit“. Seine Spieler sollten sich zudem, so Löws Vorgabe, bei ihren Kombinationen gar nicht weiter um ihre Gegner kümmern, sondern ihre Laufwege für sich selbst einüben.

          Die Mannschaft tat, wie ihr geheißen, und beim Preisschießen für die Tordifferenz, die in der Endabrechnung um die beiden EM-Endrundenplätze in der Siebenergruppe erst nach dem direkten Vergleich Bedeutung in der Qualifikation erhält, machte statistisch vor allem Lukas Podolski auf sich aufmerksam. Der Stürmer des FC Bayern wies mit erstmals vier Treffern in einem Länderspiel nach dem entscheidenden Tor zum 1:0-Sieg am Samstag gegen Irland seinen Arbeitgeber mit dieser „Bewerbung“ noch einmal ganz deutlich auf seine Qualitäten hin. „Aber das Gefühl kenne ich. In der zweiten Liga habe ich mit Köln gegen Cottbus schon mal vier Tore erzielt“, sagte Podolski nach einem Länderspiel gegen eine Mannschaft, die von Zweitligaqualitäten nur träumen durfte.

          „Wer jetzt nicht zufrieden ist, der ist selber schuld“

          Den Rest zum Schützenfest steuerten Miroslav Klose (2), Bastian Schweinsteiger (2), der spät eingewechselte Thomas Hitzlsperger (2) sowie der zur Halbzeit ausgewechselte Kapitän Michael Ballack bei. Außer dem ansonsten in über 70 Länderspielen nicht gerade treffsicheren Bernd Schneider nutzte auch der Mainzer Innenverteidiger Manuel Friedrich seine Chance zum ersten Torerfolg beim Spielchen nach dem einmaligen deutschen Fußball-Motto: dreizehn auf einen Streich. „Wer jetzt nicht zufrieden ist, der ist selber schuld“, sagte der Bundestrainer nach dem Tag der Tore. An San Marino hat Joachim Löw in diesem Moment sicher nicht gedacht.

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