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Nationalmannschaft : Auf den Spuren von Uwe Seeler

Mario Götze könnte noch bei der WM 2026 ein Kandidat sein - dann wird er erst 33 Jahre alt Bild: dpa

Götze, Holtby, Hummels, Schürrle, Schmelzer und Großkreutz: Der große Jugendtest der Nationalelf in Schweden bringt zwar nur ein mattes 0:0, aber auch eine Reihe positiver Erkenntnisse für die Zukunft hervor.

          3 Min.

          Der Bundestrainer war entschlossen, auch das letzte Spiel des Jahres, das ohne nennenswerte Torchance und ohne spielerische Höhepunkte auskommen musste, als beachtlichen Erfolg zu werten. Man kann das verstehen nach einem Fußballjahr, das zu den glanzvollen der jüngeren deutschen Fußball-Vergangenheit zählt. Und weil die Erinnerung an teils herausragende Auftritte bei der Weltmeisterschaft noch nicht verblasst ist, die Nationalelf ihre Gruppe in der Europameisterschafts-Qualifikation souverän anführt und in Göteborg ein halbes Dutzend Nachwuchskräfte je nach Temperament und Position schon die Zukunft markierten, machte sich Joachim Löw nach dem 0:0 im Länderspiel zwischen Schweden und Deutschland mit Freude daran, diesmal auch Deutschlands Fußball-Marketingchef Nummer eins zu sein.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Für die Nationalmannschaft war es ein phantastisches und, so weit würde ich gehen, auch ein hervorragendes Jahr für den gesamten deutschen Fußball. Die fußballerische Entwicklung war groß“, hob Joachim Löw am Mittwochabend zum Jahresabschluss hervor. „Wir haben Qualitätsfußball made in Germany gezeigt“.

          „Das Ergebnis hat mich nur in zweiter Linie interessiert“

          Hört, hört! Löw, der Qualitätsentwickler und Qualitätsverkünder, bezog zum Ausklang 2010 erstmals auch die Bundesliga ausdrücklich mit in seine bisher erfreulichste Bilanz als Bundestrainer ein – einen ausgesprochen positiven Ausblick in Richtung Europameisterschaft 2012 und noch darüber hinaus lieferte er gleich mit. „Wir haben mit dieser jungen Mannschaft sehr, sehr gute Perspektiven. Es ist unser Ziel, dass wir Richtung EM 2012 und WM 2014 Spieler haben, die nachkommen und den Konkurrenzkampf mit ihrer Klasse weiter anheizen.“ Diesem Ziel, das kann man nach dem Schwedentest festhalten, ist Löw ein Stück näher gekommen.

          Lewis Holtby überzeugte und darf sich in Zukunft wohl über weitere Einladungen freuen
          Lewis Holtby überzeugte und darf sich in Zukunft wohl über weitere Einladungen freuen : Bild: dapd

          Auch wenn sich der Bundestrainer im Nebensatz noch immer eine ziemlich deutliche Differenzierung zwischen Nationalelf und nationalem Klubfußball erlaubt: Er erkennt nun auch auf breiter deutscher Fußballfront die Fortschritte an, für die er jahrelang – oft auch gegen den Widerstand der Liga – kämpfte. Die letzten neunzig Minuten des Nationalmannschaftsjahres in Göteborg waren tatsächlich ein nachdrücklicher Beleg für die Professionalisierung, die sich mittlerweile auch in den Klubs niederschlägt.

          „Bemerkenswert, wie sich die jungen Spieler integriert haben“

          In Göteborg fügten sich eigentlich sechs Neulinge, auch wenn Hummels und Großkreutz im Mai schon ein paar Minuten gespielt hatten, nahtlos in das System der Nationalelf ein – was deutlich macht, wie groß die Basis an technisch, taktisch und körperlich gut ausgebildeten Talenten geworden ist, auf die der Bundestrainer ohne Sorgen zurückgreifen kann. Löw blickte daher in Göteborg, getragen von den Erfolgserlebnissen des Jahres und den schönen Aussichten, auch nur auf diese erfreuliche Seite eines Spiels, das für sich genommen nicht viel zu bieten hatte.

          „Das Ergebnis hat mich auch nur in zweiter Linie interessiert“, sagte der Bundestrainer über einen keineswegs aufregenden Debütantenabend mit Lewis Holtby, Mario Götze, Marcel Schmelzer und André Schürrle in mehr oder weniger wichtigen Nebenrollen. „Es war bemerkenswert, wie sich die jungen Spieler in zwei, drei Tagen sofort integriert haben. Insgesamt war das sehr positiv.“

          Ein Spieler mit der Perspektive für die WM 2026

          Sportlich hatte die Partie zwar nichts Bleibendes zu bieten, historische Wegmarken aber waren diesem Finale 2010 gleichwohl zueigen. Mit rund 23 Jahren lief die im Durchschnitt jüngste Mannschaft seit Generationen auf, ohne dass darüber viel Aufhebens gemacht wurde. Und als kurz vor Schluss der 18 Jahre alte Dortmunder Götze zum Nationalspieler wurde, musste man in den Archiven schon bis zu Uwe Seeler und dem ersten deutschen Weltmeisterjahr kramen. Der kleine Mittelfeldspieler mit den blitzschnellen Bewegungen ist seit dem Debüt des Hamburger Stürmers im Jahr 1954 der jüngste deutsche Nationalspieler.

          Wenn er seiner legendären statistischen Bezugsgröße nur halbwegs nacheifert, ist Götze nicht nur ein Spieler für die WM 2014, sondern auch für die WM 2026 – da wird er erst 33 Jahre alt sein, jünger als der derzeit ferne Kapitän Ballack. In den zwölf Minuten seines Einsatzes und den Trainingstagen davor hat Götze den Bundestrainer jedenfalls schon beeindruckt. „Wie er mit seinen 18 Jahren auch im Training agiert hat, mit so einer Selbstverständlichkeit und Ruhe am Ball“, staunte Löw. „Das habe ich in der Nationalmannschaft auch noch nicht oft erlebt bei so einem ganz jungen Spieler.“

          Ein ernsthafter Konkurrent für Mertesacker und Friedrich

          Auch Götzes Dortmunder Kollege Hummels und der Mainzer Holtby hinterließen aus dem Sextett der neuen und ganz neuen Kräfte einen Eindruck, der weitere Nominierungen sehr wahrscheinlich macht. Holtby gefiel dem Bundestrainer auf der Özil-Position ausgesprochen gut, aber Holtby hat das Pech, auf einer Position Perspektiven aufzuzeigen, die mit der Stammkraft von Real Madrid schon herausragend besetzt ist.

          Hummels könnte es da künftig ein bisschen leichter haben. Den Innenverteidiger des Tabellenführers fand der Bundestrainer gegen Schweden schon mal „absolut souverän“. Er habe nie das Gefühl gehabt, dass Hummels in diesem Spiel Probleme bekommen könnte. Auch mit der Spielauslösung des Einundzwanzigjährigen aus der Defensive war Löw hochzufrieden. Wenn nicht alles täuscht, müssen sich Mertesacker und Friedrich auf einen neuen, ernstzunehmenden Konkurrenten schon mit Blick auf die EM in Polen und der Ukraine einrichten. „Die Ansage des Bundestrainers vorher an mich war 'safety first'“, sagte Hummels über die ihm gestellte und cool gelöste Debütaufgabe. Alles andere kommt von ganz alleine – mit Sicherheit.

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