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Deutsche Nationalmannschaft : Anführer gesucht

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Wer geht vorneweg? Maskottchen Paule meldet keine Ansprüche an, Christoph Kramer kann schon eher ein Anführer werden Bild: dpa

Deutschland startet mit einem Sieg in die EM-Qualifikation, die wegen des vergrößerten Teilnehmerfeldes keine Probleme bereiten dürfte. Die wahre Mission der beiden kommenden Jahre bis zum Turnier in Frankreich besteht in der Selbstfindung. Ein Kommentar.

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          Aus schottischer Sicht erschließt sich der Reiz einer EM mit 24 Mannschaften sofort. Womöglich eröffnet sich so die Chance, in zwei Jahren zum ersten Mal seit 1998 wieder bei einem großen Turnier dabei zu sein. Und man muss sagen: Atmosphärisch wäre es in jeder Hinsicht eine Bereicherung. Die sangesfreudige Tartan Army war, obwohl in Unterzahl, die verlässlichere stimmliche Größe am Sonntagabend in der Dortmunder Arena – während es auf der diesmal überwiegend weiß eingefärbten Tribüne, der „Gelben Wand“, ziemlich ruhig blieb, machten die Besucher aus dem Vereinigten, in Wahrheit aber nicht ganz so einigen Königreich mächtig Rabatz.

          Sportlich wirkten die Schotten eine Halbzeit lang wie eine ziemlich sparsame Nummer und schienen somit keine echte Herausforderung für die Mannschaft von Joachim Löw darzustellen. Dass es trotzdem nicht nur ein unterhaltsamer, sondern auch ein spannender Abend wurde, bei dem keiner sein Kommen zu undankbarer Stunde bereuen musste, lag am Ende aber auch an ihnen. Nach der Pause nahm die spielerisch limitierte schottische Mannschaft ihr Herz in die Hand und machte es dem Weltmeister plötzlich reichlich unbequem. Es hätte für die Deutschen eine ziemlich kitzlige Angelegenheit werden können, hätte Müller nicht so schnell nach dem schottischen Ausgleich seinen zweiten Treffer nachgelegt.

          Mühen der Ebene

          Aber auch so blieb alles in allem ein reichlich gemischter Eindruck von der Rückkehr in die Mühen der Ebene. Der Anfang war ohne Frage schwungvoll. Da war kein saturierter Weltmeister zu sehen, der es sich auf dem Erreichten bequem gemacht hätte. Sondern eine hungrige Mannschaft, der man mit Vergnügen beim Fußballspielen zusah, und der man allenfalls vorwerfen konnte, dass sie zu verschwenderisch mit ihren Chancen umging. Die zweite Hälfte jedoch offenbarte die andere, die verletzliche Seite dieser Mannschaft. Und die hinterließ doch einen etwas beunruhigenden Eindruck.

          Es steht zwar nicht zu befürchten, dass die Qualifikation eine wackelige Angelegenheit wird. Da dürfte am Ende nicht viel schiefgehen angesichts der weiteren Gegner – Polen, Irland, Georgien, Gibraltar – sowie bei einem Modus, der neben den beiden Erstplatzierten auch noch dem Dritten eine Teilnahmechance für das Turnier in Frankreich einräumt.

          Mission Selbstfindung

          Die wahre deutsche Mission aber heißt Selbstfindung und Erneuerung angesichts der Rücktritte und der diversen Ausfälle, die das Team als Spätfolgen der WM noch eine Weile begleiten werden. Und da scheint nach den ersten Eindrücken doch mehr zu tun zu sein, als ein paar Positionen wie die der beiden Außenverteidiger neu zu besetzen.

          Gegen Schottland jedenfalls sah die deutsche Mannschaft nicht nur ziemlich verändert aus ohne die vertrauten Anführer, sondern in der zweiten Hälfte auch ein bisschen kopflos. Ohne Lahm, Schweinsteiger oder Khedira, so wirkte es, fehlte es Löws Mannschaft an einer Verlässlichkeit, die guttut an Abenden wie diesen: Wenn aus einer vermeintlich sicheren Sache ein Zitterspiel mit ungewissem Ausgang wird. Verglichen mit den Sorgen, die den abermals verletzen Marco Reus nach dem Abpfiff mit in die Kabine begleiteten, war das allerdings sogar zu verschmerzen.

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