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Nadine Angerer : Die Weltfrauenfußball-Vorkämpferin

Eine Stadt zum Wohlfühlen: Nadine Angerer in Portland Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Nadine Angerer fordert für die WM 2015 bessere Kunstrasenfelder – und will das gemeinsam mit anderen prominenten Spielerinnen notfalls vor Gericht durchsetzen. Die Weltfußballerin hat bei ihrem Auslandsaufenthalt in Portland an Persönlichkeit gewonnen.

          Es gab Zeiten, da hatte auch Nadine Angerer noch Anflüge von Stromlinienförmigkeit. Obgleich die deutsche Nationaltorhüterin abseits des Feldes seit jeher ganz andere Wege ging als die meisten Mitspielerinnen und beispielsweise von Afrikareisen träumte statt vom nächsten All-inclusive-Urlaub am Strand, so pflegte sie viele Jahre lang bei gar nicht einmal allzu kritischen Fragen gerne an die Bundestrainerin oder den Nationalmannschafts-Pressesprecher zu verweisen.

          Diese Zeiten sind lange vorbei, aber so selbständig wie jetzt hat die Frauenfußballwelt die beste Torfrau noch nicht erlebt. In der vergangenen Woche stellte sie sich an die Spitze einer Protestbewegung, die sich mit keinem Geringeren als Fifa-Präsident Joseph Blatter und den Organisatoren der WM 2015 anlegt. Die Spielführerin des deutschen Nationalteams hat gemeinsam mit dem amerikanischen Superstar Abby Wambach rund vierzig Spielerinnen aus aller Welt überzeugt, mit Hilfe einer amerikanischen Anwaltskanzlei für bessere Rahmenbedingungen bei der WM in Kanada zu kämpfen.

          Die Spielerinnen sehen sich diskriminiert, weil ihr Turnier das erste überhaupt wäre, bei dem ein Weltmeister auf Kunstrasen ermittelt würde. „Das geht überhaupt nicht, dass wir als Versuchskaninchen herhalten sollen“, sagt die derzeit in Portland in der amerikanischen Profiliga NWSL spielende Torfrau. Dort muss sie im Training und bei den Spielen zwar ebenfalls fast ausschließlich auf künstlichem Grün hechten und halten. „Aber die Kunstrasen sind anders als in den WM-Stadien die modernsten, die es gibt“, sagt die Torfrau. Zum anderen gehe es ums Prinzip. „Herr Blatter hat gerade vor Beginn der U20-WM in Kanada gesagt, dass dem Kunstrasen die Zukunft gehört“, sagt Angerer. „Aber ich frage mich, warum die Zukunft nur bei uns Frauen anfangen soll, während die Männer weiter auf Naturrasen spielen.“

          Als Persönlichkeit weiterentwickelt

          Die Lust auf den Kampf gegen die Funktionäre mag damit zu tun haben, dass sich Angerer nach der Wahl zur Weltfußballerin 2013 nun auch ein wenig verantwortlich fühlt in der Rolle als Weltfrauenfußballvorkämpferin. Es mag aber auch an ihren jüngsten Erfahrungen liegen, die sie als Persönlichkeit vorangebracht haben. Nach einem Gastspiel beim australischen Klub Brisbane Roar steht sie seit April bei Portland Thorns im Tor.

          Dort ist sie sofort zum Publikumsliebling avanciert mit ihrem resoluten Auftreten, in der Stadt wirbt der Klub auf Plakaten in Anlehnung an ihren Nachnamen mit dem Spruch „Don‘t make her angrier“. Ihre kanadische Mitspielerin Christine Sinclair, eine der besten Stürmerinnen der Welt, hat Angerer sogar gestanden, „dass sie froh ist, in meiner Mannschaft zu sein, da sie vor mir immer Angst hatte“. All die Faktoren zusammen haben einen Boom in der fußballverrückten Stadt ausgelöst: Beim bislang letzten Heimspiel gegen Houston Dash kamen fast 20.000 Zuschauer - Rekord für ein amerikanisches Ligaspiel. „Die Fans sind sensationell, sie machen Choreographien, wie ich sie sonst nur vom Männerfußball kenne. Sie feiern uns sogar nach einer 0:5-Niederlage, was uns richtig peinlich war“, sagt die 35 Jahre alte Torfrau, die mit ihrem Team noch um die Play-off-Qualifikation kämpft.

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