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Frauenfußball : Nadine Angerer hört nach der WM auf

Noch mal zupacken: Nach der WM ist für Nadine Angerer Schluss Bild: dpa

Noch eine WM und dann ist Schluss: Nationaltorhüterin Nadine Angerer beendet im September ihre Karriere. Damit braucht das deutsche Frauenfußball-Nationalteam auch eine neue Spielführerin.

          Das deutsche Frauenfußball-Nationalteam muss sich nach der Weltmeisterschaft in diesem Sommer eine neue Spielführerin und Torhüterin suchen: Nadine Angerer beendet nach dem Turnier in Kanada (6. Juni bis 5. Juli) ihre Laufbahn in der Frauen-Nationalmannschaft. Die 36-Jährige wird danach nur noch bis zu den möglichen Play-off-Spielen in der amerikanischen Profi-Liga im September ihren Vertrag bei den Portland Thorns erfüllen und anschließend vom aktiven Fußballsport zurücktreten.

          „Ich bin topfit und könnte von meinen körperlichen Voraussetzungen noch zwei, drei Jahre auf höchstem Niveau spielen. Aber ich denke, dass es auch großartig ist, nach fast 20 Jahren Leistungssport sagen zu können: Meinem Körper geht es richtig gut. Für mich war es auch wichtig, dass ich entscheide, wann ich aufhöre und nicht eine Verletzung oder jemand anderes mein Karriereende bestimmt. Es ist eine ganz bewusste, selbstbestimmte Entscheidung“, sagt Angerer in einem auf der Hompeage des Deutschen Fußball-Bunds veröffentlichten Interview.


          Die 36-Jährige debütierte am 27. August 1996 gegen die Niederlande in der Frauen-Nationalmannschaft und absolvierte bislang 138 Länderspiele. Sie wurde zweimal Welt- und viermal Europameisterin, bei genau der Hälfte dieser Erfolge war sie Stammtorhüterin. Vor allem beim WM-Sieg 2007 sowie der EM 2013 war sie die prägende Figur bei den Siegeszügen. In China im WM-Finale gegen Brasilien wie auch im EM-Finale gegen Norwegen im schwedischen Solna wurde sie zur Heldin, weil sie einen beziehungsweise zwei Elfmeter parierte. Der EM-Erfolg brachte ihr 2013 den Titel der Weltfußballerin ein, den sie als erste Schlussfrau verliehen bekam.

          Im September 2011 wurde sie Nachfolgerin von Birgit Prinz als Spielführerin der DFB-Frauen. Diese Rolle füllte die joviale Torhüterin auf ganz eigene Art aus. Sie bezeichnete im stiegdnen Alter die Horde an viel jüngeren Mitspielerinnen gerne, aber voller Respekt  als „Kindergarten“. Angerer gab derweil vor allem im Doppelpass mit Abwehrchefin Saskia Bartusiak als Mutter der Kompanie den Ton an.

          Derzeit steht Angerer bei den Portland Thorns im Tor, wo sie bis zum Start der WM-Vorbereitung in der kommenden Woche noch ein Spiel in der amerikanischen Profiliga bestreitet. „Mein Entschluss steht fest, und deshalb möchte ich ihn auch vor der WM schon bekannt geben, damit Klarheit herrscht. Das wird keinen Einfluss auf meine Leistung oder die Leistung meiner Mannschaft bei der WM haben – und wenn, dann höchstens einen positiven“, sagt sie.

          Zukunft als Torwarttrainerin

          Nach dem Ende ihrer Karriere plant Nadine Angerer nach eigenen Angaben sich zunächst ein Jahr lang in den verschiedensten Bereichen weiterzubilden, beispielsweise möchte sie die Trainer-A-Lizenz erwerben. Sie könne sich vorstellen, künftig mit der nach den Olympischen Spielen 2016 an die neue DFB-Akademie wechselnde Bundestrainerin Silvia Neid zusammenzuarbeiten, beispielsweise im Torwarttrainerstab, wo sie allerdings mit ihrer langjährigen und erbitterten Torhüterinnen-Rivalin  Silke Rottenberg in eine neue Konkurrenz treten müsste, die seit Jahren als Torwarttrainerin des Nachwuchses arbeitet. Ihren Lebensmittelpunkt will Angerer dafür wechselweise nach Frankfurt und Fuerteventura verlegen, wo Angerer bereits an Plänen arbeitete, Privattrainerstunden im Bereich Crossfit anzubieten.

          Bundestrainerin Silvia Neid bedauert den Zeitpunkt von Angerers Abschied, zeigt aber auch Verständnis.  „Natze ist eine außergewöhnliche Spielerin und ein besonderer Mensch. Für mich war und ist sie eine wichtige Vertrauensperson. Ich finde es zwar schade, dass sie nach der WM aufhört, aber ich kann ihre Entscheidung auch nachvollziehen. Sie ist für unsere Mannschaft extrem wichtig, eine absolute Führungspersönlichkeit und tolle Spielführerin, die es versteht, gerade die jungen Spielerinnen auf ihre spezielle Art mitzunehmen. Ich bin mir sicher, dass sie hoch motiviert in die WM gehen wird.“

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