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Nadine Angerer : Die große Schwester

34 Jahre, 123 Länderspiele: Nadine Angerer hat genug Erfahrung Bild: dpa

Mal motivierend, mal nervend: Nadine Angerer hat ihre Art, die jungen deutschen Fußballfrauen bei Laune zu halten. Nach dem EM-Finale am Sonntag (16.00 Uhr) gegen Norwegen stürzt die Torhüterin sich in ein sportliches Abenteuer.

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          Es ist Interviewzeit im Royal Park Hotel in Solna, dem Quartier der deutschen Fußballfrauen vor den Toren Stockholms. Nadine Angerer hetzt von einem Gespräch zum nächsten. Dabei kommt sie an Mitspielerin Jennifer Cramer vorbei, die sich auch gerade den Fragen stellt.

          „Wenn du über mich sprichst, sagst du immer, dass ich die Schönste, Sympathischste, Tollste bin“, scherzt die Torhüterin des deutschen Frauenfußball-Nationalteams. Solche Witze der in Wahrheit uneitlen Nadine Angerer können nerven, wenn man sie immer wieder hören muss. Wohldosiert können sie die gute Stimmung fördern, so wie auch ihre frechen Kurzkommentare zu all ihren Mitspielerinnen auf der Internetseite des europäischen Fußballverbands Uefa.

          Melanie Leupolz bezeichnete sie beispielsweise als „perfekte Schwiegertochter“, Lena Goeßling als „Beauty-Queen“, Anja Mittag als „Anführerin der Shopping-Fraktion“. Bei „Schweigerin“ Jennifer Cramer und den anderen Teamkolleginnen kommt das gut an. „Natze ist ein witziger, angenehmer Typ“, sagt die erst 20 Jahre alte Linksverteidigerin. „Und im Spiel ist sie ein Vorbild, weil sie voll fokussiert ist. Sie hilft gerade uns Jungen immer wieder mit Anweisungen und Hilfestellungen im Spiel. Sie ist ein sicherer Rückhalt.“

          Nadine Angerer ist sogar so gut, dass die deutschen Fußballfrauen an diesem Sonntag nach nur einem Gegentor in fünf Spielen im Stockholmer Vorort Solna vor mehr als 40.000 Zuschauern das Endspiel um die Europameisterschaft gegen Norwegen bestreiten dürfen (16.00 Uhr / Live in der ARD und bei Eurosport). Die Torhüterin dürfte als Spielführerin den Pokal entgegennehmen und ihn auch am Montag nach der Landung in Frankfurt präsentieren.

          Die Erleichterung nach dem Finaleinzug ist groß

          Nadine Angerer hätte dann nicht nur mit ihren Paraden zum sechsten deutschen EM-Titel in Serie beigetragen. Als älteste Spielerin im Kader bringt sie die Erfahrung aus 34 Lebensjahren, 123 Länderspielen und von zwei gewonnenen WM- und vier EM-Turnieren ein. Als Spielführerin hat sie zur rechten Zeit nach der Vorrunden-Niederlage gegen Norwegen zur Aussprache gebeten und somit das kriselnde Team wieder auf den richtigen Kurs zum möglichen achten Titelgewinn geführt.

          „Wir haben nach dem Norwegen-Spiel alles klar angesprochen, was schief lief“, sagt Nadine Angerer. „Wir wollten das wiedergutmachen.“ Bei der Aussprache soll sie die deutlichsten und treffendsten Worte gefunden haben. Die Torhüterin ist dabei die große Schwester, die die Jüngeren in der Familie wachrüttelt, danach aber auch wieder in geschwisterlicher Zuneigung zum gemeinsamen Kaffeeklatsch einlädt. „Natze hat uns vor allem vermittelt, dass wir nicht dem Spiel nachtrauern, sondern Lust an der EM haben sollen“, sagt Leonie Maier.

          „Das erste Mal eine ernsthafte Verletzung“

          Im Bundesliga-Alltag bei ihrem ehemaligen Klub FFC Frankfurt hat die Torfrau mit ihrer gelegentlich überdrehten Art die eine oder auch den anderen in Team und Umfeld im vergangenen Jahr hingegen etwas genervt. So mag das sein, wenn die große Schwester jeden Tag die große Schwester gibt. Vielleicht lag es aber auch an ihrem Formtief und der ungewohnten Fehleranfälligkeit, die auch die Bundestrainerin kurzzeitig an ihrer Schlussfrau zweifeln ließen.

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