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Champions-League-Nachspiel : Ramos, der Zerstörer

  • Aktualisiert am

Sergio Ramos: Matchwinner auf seine Art Bild: EPA

Liverpools Torhüter Karius ist teilweise rehabilitiert. Vor seinen Fehlern im Finale der Champions League erlitt er eine Gehirnerschütterung. Dafür steht nun Reals Rauhbein Ramos am Pranger. Der spottet darüber.

          Schock, Mitleid, Hass: Die Reaktionen auf die beiden Patzer von Liverpool-Torhüter Loris Karius bei der 1:3-Niederlage im Champions-League-Finale gegen Real Madrid waren heftig. Nach dem Spiel sah sich der 24-Jährige sogar mit Morddrohungen konfrontiert. Nun aber dreht sich die Geschichte.

          Für die Rehabilitierung des Keepers aus medizinischer Sicht sorgten die Ärzte Ross Zafonte und Lenore Herget, die sich Karius fünf Tage nach dem Endspiel angesehen haben. „Die Symptome von Herrn Karius zum Zeitpunkt der Untersuchung deuten darauf hin, dass eine visuelle räumliche Störung existierte, die wahrscheinlich unmittelbar nach dem Ereignis aufgetreten ist“, betonten die Spezialisten, die von der medizinischen Abteilung des früheren englischen Fußball-Rekordmeisters eingeschaltet wurden: „Es könnte möglich sein, dass solche Defizite die Leistung beeinträchtigen.“

          Ramos ist der Buhmann

          Das von den Ärzten beschriebene „Ereignis“ lässt Madrids Kapitän Sergio Ramos, der zuvor in der Partie auch für die Bänderverletzung in der linken Schulter von Reds-Stürmerstar Mohamed Salah gesorgt hatte, aus Liverpooler Sicht immer mehr als Buhmann erscheinen. Schließlich war es Ramos, der Karius in der 49. Minute mit dem Ellbogen am Kopf getroffen hatte. Der Keeper war daraufhin zu Boden gegangen.

          Ramos war auch am Ausscheiden von Salah maßgeblich beteiligt

          Zwei Minuten später warf Karius den Ball, möglicherweise wegen der Sehstörung, direkt auf den Fuß von Real-Stürmer Karim Benzema - der so das 1:0 für Madrid erzielte. Kurz vor Schluss rutschte Karius dann auch noch der Ball nach einem harmlosen Distanzschuss von Gareth Bale durch die Hände.

          Real-Spieler Ramos sieht sich unterdessen zu unrecht beschuldigt. „Es fehlt ja nur noch, dass (Liverpool-Profi) Firmino sagt, er habe eine Erkältung bekommen, weil er einen meiner Schweißtropfen abbekommen hat“, spottete der Abwehrspieler am Dienstag in der spanischen Zeitung „AS“. Ramos beklagte, beiden Fällen werde zu viel Aufmerksamkeit geschenkt.

          Das ärztliche Bulletin wurde vor allem von den englischen Medien, die Karius nach dem Finale heftig kritisiert hatten, mit großem Interesse aufgenommen. Bei nahezu allen großen Zeitungen war die Kunde aus Boston das Topthema auf den Sportseiten. Die danebengestellten Fotos des Ellbogenschlags unterstrichen den Charakter der Berichterstattung, die Karius nunmehr eher in der Opferrolle sieht. Einige FC-Liverpool-Fangruppen forderten gar eine Wiederholung des Spiels, wie die englische Zeitung „Daily Mail“ berichtete.

          Karius selbst wollte die Steilvorlage der Ärzte vorerst nicht nutzen, um sich in einem besseren Licht darzustellen. Laut seines Beraters wolle sich der Torhüter, der unmittelbar nach dem Endspiel in Kiew noch untröstlich war, nicht äußern. Erst beim Trainingsauftakt der Reds vor der kommenden Saison werde Karius wieder Rede und Antwort stehen. Der Europäische Fußball-Verband (Uefa) teilte unterdessen mit, keine Untersuchungen in dem Fall einzuleiten - auch nicht nach den neuesten Ergebnissen.

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