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Nach Zusammenbruch im FA-Cup : Muamba weiter in kritischem Zustand

  • Aktualisiert am

Spieler im Schockzustand: Das Spiel wurde nach dem Zusammenbruch von Fabrice Muamba abgebrochen Bild: REUTERS

Die Ärzte im „London Chest Hospital“ kämpfen weiter um das Leben des englischen Fußballprofis Fabrice Muamba. Muamba war im Pokalspiel zwischen Tottenham und Bolton zusammengebrochen und musste auf dem Feld wiederbelebt werden.

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          Tragischer Vorfall im FA-Cup: Fabrice Muamba von den Bolton Wanderers ist im Viertelfinale des englischen Fußball-Pokals leblos zusammengebrochen. Das Spiel bei Tottenham Hotspur wurde daraufhin in der 41. Minute beim Stand von 1:1 abgebrochen.

          „Es ist sehr ernst. Die nächsten 24 Stunden werden entscheidend sein“, sagte Boltons Trainer Owen Coyle am Sonntagmorgen dem Sender Sky. Muamba wird im „Zentrum für Herzinfarkte“ behandelt. Mindestens bis Montag werde Muamba unter Beobachtung von Herz-Spezialisten im künstlichen Koma auf der Intensivstation bleiben, teilte das Londoner Barts-Hospital mit, zu dem die Herzklinik gehört.

          Der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler war zuvor am Samstagabend ohne Einwirkung eines Gegenspielers auf dem Platz kollabiert. Er wurde auf dem Spielfeld an der White Hart Lane wiederbelebt - laut BBC sowohl per Mund-zu-Mund-Beatmung als auch mit einem Defibrillator. Bis zu sechs Mediziner sollen ihn auf dem Feld behandelt haben. Eine Reihe von Spielern hatte sich um den einstigen Arsenal-Nachwuchsspieler und 33-fachen englischen U-21-Nationalspieler versammelt. Einige weinten, einige hielten sich die Hand vors Gesicht.

          „Er braucht Gottes Hilfe“: Wanderers-Coach Owen Coyle vor der Londoner Klinik
          „Er braucht Gottes Hilfe“: Wanderers-Coach Owen Coyle vor der Londoner Klinik : Bild: Ki Price

          Nach rund zehn Minuten Behandlung wurde Muamba, der in der Demokratischen Republik Kongo geboren wurde, auf einer Trage aus dem Stadion transportiert und in ein Krankenhaus gebracht. Es gab Augenzeugen, die schilderten, er habe dabei geatmet. Der Sportsender ESPN berichtete dagegen, er habe im Spieler-Tunnel nicht geatmet. Begleitet wurde Muamba ins Krankenhaus von Trainer Coyle und Mannschaftskapitän Kevin Davis.

          In der Klinik wachten Muambas Verlobte und weitere Familienmitglieder. Der 33-malige englische U-21-Nationalspieler war im Alter von elf Jahren als Bürgerkriegsflüchtling nach London gekommen. Mit dem Titel „Horror an der White Hart Lane“ beschrieb der „Independent on Sunday“ die Szenen, die sich auf dem Platz abgespielt hatten. „Wenn Fußball auf einmal egal ist“, titelte die „Sun“.

          Hoffen und Bangen: In Bolton legen Fans ihre Wünsche für Muamba am Stadion nieder
          Hoffen und Bangen: In Bolton legen Fans ihre Wünsche für Muamba am Stadion nieder : Bild: AFP

          In der Premier League und im FA-Cup ist es seit 2007 Pflicht, dass Ärzte für den Notfall in jedem Stadion sind. Chelseas Torwart Petr Cech hatte sich damals am Kopf verletzt und in der Kabine rund 30 Minuten auf Mediziner warten müssen. Muamba wurde nach rund zehn Minuten Behandlung auf einer Trage aus dem Stadion gebracht. Nach Momenten der entsetzten Stille sangen Anhänger beider Teams seinen Namen.

          Referee Howard Webb hielt Rücksprache mit Spielern und auch Coyle und Spurs-Coach Harry Redknapp. Kein Profi soll sich noch in der Lage gefühlt haben, weiterzuspielen - daraufhin brach der Schiedsrichter die Partie ab. Die Bolton Wanderers gaben zunächst nur ein kurzes Statement ab und bestätigten, dass Muamba ins Krankenhaus gebracht wurde. Spurs-Star Rafael van der Vaart twitterte anschließend: „Wir alle beten für ihn.“

          Das „London Chest Hospital“ im Stadtteil Bethnal Green
          Das „London Chest Hospital“ im Stadtteil Bethnal Green : Bild: dapd

          Gordon Taylor, Chef der englischen Spielergewerkschaft PFA, sagte: „In diesem Moment warten, hoffen und beten wir alle. Für unsere Fußballfamilie ist das furchtbar, so etwas mitanzusehen. Wir hoffen nur, dass es nicht so eine Situation wie mit Marc-Vivien Foé ist.“ Der Kameruner war 2003 beim Konföderationen-Pokal gegen Kolumbien ohne Fremdeinwirkung aufgrund eines Herzversagens kollabiert. Im Krankenhaus konnte nur noch sein Tod festgestellt werden.

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