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Maradonas Vermächtnis : Kampf ums Erbe

  • -Aktualisiert am

Tod eines Nationalhelden: Ganz Argentinien trauert. Bild: AFP

Der Kult um den verstorbenen Diego Maradona ist in Argentinien so gewaltig, dass sich Strategen aus Politik und Wirtschaft schon in der ersten Nacht nach dem Tod für eine ideologische und kommerzielle Nutzung in Stellung bringen.

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          Im Sekundentakt marschieren die Menschen am Sarg von Diego Maradona vorbei. Er steht im Casa Rosada, der offiziellen Unterkunft des argentinischen Präsidenten. Und nicht ein paar Gehminuten weiter in der Kathedrale von Buenos Aires, in der einst Erzbischof Jorge Bergoglio, Papst Franziskus, Gottesdienste feierte. Das mag auf den ersten Blick keine Rolle spielen, ist aber von großer symbolischer Bedeutung. „Ich weiß nicht, wie viele Menschen es gibt, die ein Volk nur glücklich gemacht haben“, sagt Präsident Alberto Fernández und zeigt sich am Sarg. Er legt zwei weiße Kopftücher, das Symbol des Widerstands gegen die rechte Militärdiktatur, auf die darüberliegenden Trikots. Seine Frau legt rote Rosen dazu.

          Von nun an ist es auch ein politisches Statement. Maradona gehört dem Staat, der Regierung, der Staatsmacht. Nicht der Kirche, die eigentlich das Monopol für Trauerfeierlichkeiten besitzt. Fernández und vor allem der langjährigen Präsidentin Cristina Kirchner, die heute als Vizepräsidentin hinter Fernández im Zentrum der Macht die Strippen zieht, galten die Sympathien Maradonas. Fernández Vorgänger, den konservativen ehemaligen Präsidenten Mauricio Macri, einst Chef der Boca Juniors, verachtete er.

          Die Sympathie des Volkes gelten Maradona. Wie groß diese Leidenschaft noch ist, zeigte die Zahl der Menschen, die am Donnerstag kamen, um dem Fußballstar einen Tag nach dessen Tod die letzte Ehre zu erweisen. Die Emotionen waren so groß, dass es vor den Absperrgittern kurzfristig zu Rangeleien zwischen Wartenden und Ordnern kam. Auch dieses Bild entbehrt nicht einer gewissen Symbolik. Das Gezerre um Maradonas Nachlass hat schon begonnen. Jeder will ein Stück haben. Umso wichtiger macht es jene, die es künftig kanalisieren, organisieren und interpretieren.

          Maradonas Nachlass

          Von nun an kann Maradona nicht mehr selbst bestimmen, was mit seinem Erbe, seinem Namen, seinen Botschaften geschieht. Das Vermögen wird schnell verteilt sein. Maradona war kein sparsamer Mensch. Viel größer und gewaltiger ist sein emotionaler, politischer und ideologischer Nachlass. Maradona hat einmal gesagt, er sei ein Linker. Durch und durch, vom Fuß über Bauch bis in den Kopf. Nicht, wie es sich die Europäer vorstellen. Sondern eher als Ausdruck eines Menschen, dessen Sympathien ganz den Armen gelten.

          Das war und ist eine zutiefst politische Botschaft, besonders in einem Land, das von der Corona-Krise besonders betroffen ist. Dessen Armutsrate auf mehr als 40 Prozent zu steigen droht, dessen Wirtschaft wegen einer wenig weitsichtigen Politik praktisch komplett eingebrochen ist. Die Tatsache, dass die Regierung einen solchen Massenauflauf überhaupt zulässt, wirft wieder die Frage auf, wie sie die Pandemie managt. Aber hätte sie überhaupt eine Wahl? Die Armen, die alten und die jüngst abgestürzten Menschen sehnen sich nach Hoffnung. Maradona war für sie stets einer, der Hoffnung schürte, ein Mensch, in den sie ihre Auf- und Ausstiegsträume projizieren konnten. Der Philosoph Santiago Gerchunoff kommentierte: „Und nein, nicht alle Nationen von heute haben jemanden analog zu Maradona.“

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