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Reform im Fußball-Weltverband : Löst sich die Exekutive der Fifa auf?

  • -Aktualisiert am

Licht im Dunkeln: Plötzlich könnte es im Fußball-Weltverband doch weitreichende Reformen geben. Bild: dpa

Für die Reformgegner der Fifa deutet sich eine herbe Niederlage an. Nach F.A.Z.-Informationen wird nun doch über weitreichende Änderungen abgestimmt. Lässt sich das der neue mächtige Strippenzieher gefallen?

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          Die Entwicklung überrascht, aber der Weg für ein tiefgreifendes Reformpaket beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa) könnte jetzt doch geebnet sein. Zugleich deutet sich eine herbe Niederlage für die Reformgegner innerhalb des krisengeschüttelten Weltverbandes an.

          Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird das Fifa-Exekutivkomitee als höchstes Gremium bei seinen Beratungen in Zürich an diesem Mittwoch und Donnerstag über eine weitreichende Vorschlagsliste abstimmen, welche die umstrittene Reformen-Arbeitsgruppe eingebracht hat. Diese war im August eingesetzt worden und vollzog nun nach mageren Zwischenergebnissen anscheinend unter dem externen wie internen Druck eine Kehrtwende.

          Demnach soll für alle Topfunktionäre inklusive des neuen Fifa-Präsidenten eine Amtszeitbegrenzung auf zwölf Jahren eingeführt werden. Zudem wird vorgesehen, dass die Gehälter und Vergütungen der Repräsentanten in den höchsten Gremien offenzulegen sind. Im Vorschlag enthalten ist auch die Auflösung des Exekutivkomitees.

          Dieses war durch seine Machtfülle und die inzwischen aufgearbeiteten Korruptionsfälle als Hauptproblem der Organisation identifiziert worden. Der suspendierte Fifa-Präsident Joseph Blatter und der ebenso freigestellte Chef des Europäischen Fußball-Verbands (Uefa), Michel Platini, sollen nach dem Willen der Fifa-Ethikkommission lebenslang gesperrt werden.

          Wie reagiert der neue mächtige Strippenzieher unter den Fifa-Funktionären, Scheich Ahmad Al Sabah?
          Wie reagiert der neue mächtige Strippenzieher unter den Fifa-Funktionären, Scheich Ahmad Al Sabah? : Bild: AP

          Das Fifa-Exekutivkomitee soll in einen Aufsichtsrat, dem der Fifa-Präsident vorsitzt, und in einen hauptamtlichen Management-Vorstand aufgeteilt werden. Zu den vorgesehenen Reformen gehören Prüfungen der Integrität für alle Funktionäre in den höheren Fifa-Gremien.

          Zudem soll dies auch zumindest für die Kontinentalverbände gelten. Ohne solche Checks wäre die betroffenen Personen als Kandidaten bei Wahlen nicht zugelassen. Insgesamt wird damit auch die Position der Ethikkommission sowie der Audit- und Compliance-Kommission beim Weltverband weiter gestärkt.

          François Carrard als komplette Fehlbesetzung

          Das Papier der Reformen-Arbeitsgruppe folgt mit kleineren Ausnahmen dem Vorschlag des Compliance-Chefs der Fifa, Domenico Scala, vom September. Der Schweizer Wirtschaftsmanager hatte zwischendurch die dünnen Resultate der Reformen-Arbeitsgruppe als „komplett inakzeptabel“ bezeichnet. Zudem soll das Fifa-Management Druck aufgebaut haben. Ebenso meldeten sich einige Fifa-Sponsoren und verlangten konkrete Veränderungen. Am Dienstag haben sich fünf Fifa-Partner, darunter Adidas, nochmals in einem Brief an den Weltverband gewandt und einen „Kulturwandel“ eingefordert.

          Dann meldeten sich einige Fifa-Sponsoren und verlangten konkrete Veränderungen. Letztlich könnten auch die Ermittlungsaktivitäten der Justiz in der Schweiz und den Vereinigten Staaten die Reformgegner zum Einlenken bewegt haben.

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          Noch vor einigen Wochen hatte der neue mächtige Strippenzieher unter den Fifa-Funktionären, Scheich Ahmad Al Sabah aus Kuweit, öffentlich geurteilt, dass annähernd die Hälfte der Vorschläge aus dem Scala-Papier nicht gebraucht würden. Aber der von ihm in die Position gehievte Vorsitzende der Reformen-Arbeitsgruppe, François Carrard, entpuppte sich als komplette Fehlbesetzung, den niemand ernst nehmen konnte und der am Ende nicht mal Al Sabah als Reformenbremser helfen konnte.

          Die Frage ist, ob sich der Scheich mit der Niederlage abfinden wird. Er könnte noch mit seinen Gefolgsleuten dazwischenfunken: Das Exekutivkomitee muss diese Woche den Reformvorschlägen erst zustimmen. An den Beratungen nimmt weiterhin auch der zurückgetretene Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Wolfgang Niersbach, als Mitglied der Fifa-Exekutive teil. Selbst ein Erfolg der Reformer in dieser Woche könnte beim Fifa-Kongress Ende Februar noch blockiert werden.

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