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Kommentar zum DFB-Team : Stolz der Nation

Das Symbol des verweigerten Abschieds allein hätte noch nicht gereicht, um die Botschaft klar genug zu machen – Es bedurfte noch einmal deutlicher Worte. Bild: dpa

Der DFB hat, was den Umgang mit problematischer Klientel angeht, an anderer Stelle ein gewisses Entgegenkommen und Gesprächsbereitschaft gezeigt. Wenn es, wie hier, um elementare Werte geht, ist der harte Weg der einzig gangbare. Ein Kommentar.

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          Der schändliche Abend von Prag hat selbst da Spuren im deutschen Fußball hinterlassen, wo bislang noch alles makellos glänzte. Von all den teils ideologischen Kämpfen, die derzeit rund um das Spiel ausgefochten werden, war die Nationalmannschaft weitestgehend verschont geblieben. Sie ist Weltmeister, der Stolz der (Fußball-)Nation – und sie will diese Rolle auch über den grünen Rasen hinaus spielen. Immer wieder haben Teammanager Oliver Bierhoff, Bundestrainer Joachim Löw, aber auch die Spieler betont, für was dieses Team stehen will: für einen respektvollen Umgang miteinander, für Offenheit, Toleranz und Vielfalt.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Das ist zwar im Alltag des rasenden Fußballgeschäfts vielleicht nicht immer spürbar, mit dem Anspruch aber war und ist es ihnen ernst. Insofern war es ein harter, wenngleich auch nicht unvorhersehbarer Aufprall in der Realität, was am Freitag in der Eden Arena passierte. Die Sache mit dem Stolz der Nation lässt sich eben auch ganz anders verstehen – so, wie man das Lied von der „Nummer eins der Welt“ auf unterschiedliche Art und Weise singen kann.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Weltmeister zu sein, so scheint es, hat die Nationalmannschaft auch noch auf eine andere Art anziehend und zu einem Identifikationsobjekt gemacht, als sie und ihre Vordenker das selbst gern hätten. Das mag man bei den Heimspielen nicht so spüren, wenn die schiere Menge an Zuschauern und auch die Wucht der Inszenierung alles übertüncht. Im Ausland, vor allem bei den Spielen bei östlichen Nachbarn, ist die Wirkung eine andere.

          Wenn jetzt überall die Rede davon ist, dass die Pöbler und Krakeeler, vor allem die aus der äußersten rechten Ecke, in Wahrheit gar keine Fußballfans seien, dann hilft das bei der Aufarbeitung nicht weiter. Es ist eine Abgrenzung, die für die Realität in und um die Stadien bedeutungslos ist, weil es am Ende ja egal ist, warum die Leute da sind. Sie sind es nun einmal – und man kann sie nicht einfach wegdefinieren oder auslagern in eine virtuelle Bad Bank. Richtig ist es aber, sich mit allen Kräften um konkrete Ab- und Ausgrenzung zu bemühen.

          In diesem Sinne war es schon ein wertvolles Zeichen, dass die Mannschaft sich entschloss, die Pöbeleien von den Tribünen nicht einfach zu übergehen, wie es die meisten Mannschaften wohl getan hätten, oder sie gar hinzunehmen. Das Symbol des verweigerten Abschieds allein hätte aber womöglich auch noch nicht gereicht, um die Botschaft klar genug zu machen. Es bedurfte schon noch einmal deutlicher Worte. Das übernahm zuerst, noch am Abend in Prag, Mats Hummels und später dann auch DFB-Chef Grindel und Bundestrainer Löw.

          Der DFB und sein Präsident haben, was den Umgang mit problematischer Klientel angeht, an anderer Stelle ein gewisses Entgegenkommen und Gesprächsbereitschaft gezeigt. Wenn es, wie hier, um elementare Werte geht, ist der harte Weg der einzig gangbare. Womit allerdings die Frage, welche Mittel in der Praxis bleiben, noch lange nicht geklärt ist. Selbst wenn ein Zuschauer-Teilausschluss auf moralischer Basis in diesem Fall das wäre, was sich die allermeisten wünschen.

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