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Ehrenmitgliedschaft : Auch DFB berät über den Fall Gramlich

Der Deutsche Fußball-Bund will über einen „Widerruf der Ehrenmitgliedschaft von Rudolf Gramlich beraten“. Bild: Picture-Alliance

Nachdem die Eintracht dem früheren Präsidenten Rudolf Gramlich postum die Ehrenmitgliedschaft entzieht, wird auch der DFB tätig. Nicht nur der frühere Nationalspieler und Funktionär rückt in den Fokus des Verbandes.

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          Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will über einen „Widerruf der Ehrenmitgliedschaft von Rudolf Gramlich beraten“. Das teilte der DFB am Freitag auf Anfrage mit. Zuvor hatte das Präsidium während seiner Sitzung einen entsprechenden Beschluss gefasst. Der DFB reagierte damit auf die Entscheidung der Frankfurter Eintracht, ihrem früheren Präsidenten auf der Mitgliederversammlung am Sonntag postum die Ehrenmitgliedschaft zu entziehen. Laut Paragraph 27 der Ehrungsordnung des DFB darf nur der DFB-Bundestag die Ernennung zum Ehrenmitglied widerrufen. Dazu müssen Präsidium und Ehrungsrats einen gemeinsamen Antrag stellen.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Gramlich war in den dreißiger Jahren Nationalspieler mit 22 Einsätzen. 1937 trat er in die SS ein und erhielt die Mitgliedsnummer 312300. Über seine Zeit im besetzten Polen, heißt es im Buch „Europäischer Fußball im Zweiten Weltkrieg“, soll er sich ausgeschwiegen haben. SS-Einheiten waren verantwortlich für unzählige Verbrechen gegen die Menschlichkeit. In den Augen der Amerikaner gehörte Gramlich zur Gruppe der Hauptbeschuldigten. Aus Mangel an Beweisen und weil SS-Kameraden für ihn aussagten, ist er 1947 als minderbelastet eingestuft worden. Von 1968 bis 1974 leitete Gramlich den Bundesligaausschuss des DFB, der ihn mit der Silbernen sowie der Goldenen Ehrennadel auszeichnete und 1975 zum Ehrenmitglied ernannte.

          Der DFB will über den Fall Gramlich hinaus „weitere DFB-Ehrungen mit Unterstützung externer Experten überprüfen“. In den Fokus gerät unter anderen der frühere DFB-Präsident Felix Linnemann (1925 – 1945). Als Chef der Kriminalpolizei-Leitstelle Hannover soll er an der Erfassung von Sinti und Roma beteiligt gewesen sein. Diese Arbeit galt als Vorstufe für die Deportation. Mehrere hundert Menschen sollen aufgrund einer von Linnemann unterzeichneten Anweisung in das Vernichtungslager deportiert und dort umgebracht worden sein.

          Eintracht Frankfurt hat bei den Bemühungen um Aufarbeitung auch das Wirken des Leichtathleten und Mediziners Adolf Metzner untersucht. Der SS-Arzt war Vereinsvorsitzender –- zusammen mit Gramlich (Abteilung Fußball). Unter Metzners Führung kam es zu einer neuen Vereinssatzung mit diesem Leitsatz: „Mitglieder können nicht Personen sein, die nicht deutschen oder artverwandten Blutes oder solchen gleichgestellt sind.“

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