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Nach dem Pokalsieg : Beckenbauers Zorn trifft Ballack

  • Aktualisiert am

Ballack wehrte sich gegen die Vorwürfe von Beckenbauer Bild: dpa/dpaweb

Nach dem glanzlosen Pokalerfolg gegen eine tapfer kämpfende Frankfurter Eintracht kam bei Bayern München keine Feierlaune auf. Franz Beckenbauer kritisierte Michael Ballack scharf und die Mannschaft wurde bereits auf das nächste Ziel eingeschworen: Das Doppel-Double.

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          Glanzlos gewonnen, emotionslos gefeiert und heftig nachgetreten: Als Michael Ballack im Olympiastadion mit dem „Pott“ in Händen seine letzte Pokal-Ehrenrunde im Trikot des FC Bayern München drehte, hob Franz Beckenbauer zur „kaiserlichen“ Abrechnung mit dem Nationalmannschafts-Kapitän an.

          Obwohl der Rekordchampion gerade mit einem mühsamen 1:0 (0:0) gegen Eintracht Frankfurt den 13. Pokalsieg eingefahren und damit den ersten Schritt zum historischen Double gemacht hatte, kannte der Vereinspräsident kein Pardon. „Wenn man so über das Feld trabt wie er, hat das mit Fußball wenig zu tun. Er bemüht sich überhaupt nicht mehr. Ich habe darauf gewartet, daß sie ihn auswechseln“, schimpfte Beckenbauer im ZDF und unterstellte dem scheidenden Mittelfeldstar: „Er ruht sich schon aus für Chelsea.“

          Kommt das Double schon am Mittwoch?

          Ballack reagierte zunächst irritiert auf die unmittelbar nach einem Titelgewinn ungewöhnliche Schelte: „Wenn der Franz das sagt - hahaha.“ Erst später, auf der nüchternen Siegerparty schlug er verbal zurück. „Wenn man mir das vorwirft, ist das nicht korrekt. Ich habe immer die Knochen hingehalten. Mir kann keiner vorwerfen, daß ich mich hier nicht bis zum Ende reinhänge“, sagte Ballack: „Wenn ich mich mit dem Double verabschieden würde, wäre das ein Traum.“

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          Nach dem Pokalsieg : Beckenbauers Zorn trifft Ballack

          Schon an diesem Mittwoch könnte es so weit sein: Wenn der Hamburger SV tags zuvor sein Auswärtsspiel in Köln nicht gewinnen sollte, könnten die Bayern den 20. Meistertitel mit einem Heimsieg gegen den VfB Stuttgart vorzeitig perfekt machen und als erste Mannschaft überhaupt das Double zwei Mal hintereinander gewinnen. „Wir hätten dann ein Jahr der Superlative“, bemerkte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge in seiner wohl kürzesten Bankett-Rede.

          Ballack-Trennung ohne Abschiedsschmerz

          Daß Ballack ausgerechnet beim womöglich zweiten Titelgewinn innerhalb von nur fünf Tagen wegen einer Gelb-Sperre lediglich Zuschauer sein könnte, kommentierte Beckenbauer ebenfalls süffisant. „So, wie er im Moment spielt, ist er nicht der große Gewinn.“

          So wurde ein unspektakuläres Pokalfinale, das Claudio Pizarro mit seinem Kopfballtor entschied (59.), zur kritischen Bestandsaufnahme der Ära Ballack. Die Aussicht auf insgesamt sechs nationale Titel in vier Jahren kann die ausgebliebenen internationalen Sternstunden bei den Verantwortlichen offenbar nicht aufwiegen. Die bevorstehende Trennung vollzieht sich beiderseits ohne Abschiedsschmerz. „Ich hatte hier vier Jahre Vertrag - den habe ich erfüllt“, sagte Ballack.

          „Die Mannschaft hat nicht gebrannt

          Pflichterfüllung - sie steht sinnbildlich für den FC Bayern auf der Zielgeraden der WM-Saison. Auch im Finale gegen die leidenschaftlich kämpfenden Frankfurter wurden Eleganz und Spielfreude vermißt. Ballack räumte eine lähmende „Final-Routine“ ein: „Die Mannschaft hat nicht gebrannt.“ Kapitän Oliver Kahn, der kurz vor Schluß mit einem Reflex einen Schuß von Ioannis Amanatidis entschärfte, beklagte jedoch gereizt eine zu geringe Würdigung der nationalen Münchner Dominanz. „Das geht mir so langsam auf die Nerven, wie hier mit den Titeln und dem FC Bayern umgegangen wird. Als wäre das hier eine lästige Pflichterfüllung. Jeder Titel ist ein Highlight im Leben eines Fußballers“, sagte der Nationaltorhüter.

          Auch Uli Hoeneß forderte ein Umdenken. „Wir müssen alle lernen, etwas zufriedener zu sein. Wenn der FC Schalke hier ins Pokalfinale kommt, ist es das Spiel des Jahrzehnts. Und bei uns wird ein Pokalsieg als Normalität betrachtet, das ist schade“, sagte der Manager, der mehr Bescheidenheit empfiehlt. „Nach dem verpaßten internationalen Ziel kam Frust auf. Wir müssen etwas devoter werden.“

          „Frankfurt ist der Pokalsieger der Herzen“

          Von Begeisterung und Genugtuung über den dritten Pokalerfolg in vier Jahren war beim Bayern-Bankett allerdings so gut wie nichts zu spüren, während beim Verlierer trotz Partyverbot bis tief in die Nacht gefeiert wurde. „Eintracht Frankfurt ist der Pokalsieger der Herzen“, rief der hessische Innenminister Volker Bouffier der Mannschaft in einem Berliner Nobelhotel zu. In seiner starken ersten Hälfte vergab der krasse Außenseiter die Chance zur Sensation, die Schiedsrichter Herbert Fandel noch einmal hätte neu eröffnen können, wenn er nach einem Schubser von Willy Sagnol gegen Benjamin Köhler auf eine „Notbremse“ des Münchner Abwehrspielers entschieden hätte.

          „Ich habe einen klaren Rempler bekommen“, sagte Köhler, der bei dem Zweikampf einen halben Schneidezahn verlor. Allerdings räumte der Eintracht-Profi ein, daß ein Pfiff nicht zwingend erforderlich war: „Ich denke, den kann man geben, muß man aber nicht.“

          Viel Zeit zum Hadern mit Fandel, der Trainer Friedhelm Funkel nach der umstrittensten Szene des 63. Pokal-Endspiels auf die Tribüne schickte, bleibt den Hessen nicht. Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen lenkte noch in der Pokal-Nacht den Blick auf das Abstiegsendspiel am Mittwoch gegen Kaiserslautern: „Das Renommee des Vereins entscheidet sich einzig und allein am Klassenverbleib. Wenn wir absteigen, war das hier eine Currywurst-Veranstaltung.“

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