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Nach dem 2:2 gegen Bolton : Hitzfeld kontert Rummenigge-Kritik

  • Aktualisiert am

Ottmar Hitzfeld muss seine Entscheidungen verteidigen Bild: AP

Zum ersten Mal seit der Rückkehr von Ottmar Hitzfeld zum FC Bayern ist offener Streit über die Arbeit des Trainers ausgebrochen. Das Spiel gegen Stuttgart sei das „noch wichtigere Spiel“, sagte er zur Kritik von Karl-Heinz Rummenigge, er habe zu viele Spieler geschont.

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          Ottmar Hitzfeld hat die harte Kritik von Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge an seinen Personalentscheidungen beim 2:2 im Uefa-Pokal gegen die Bolton Wanderers zurückgewiesen. „Generell möchte ich Aussagen vom Vorstand nicht kommentieren. Ich kann nur sagen, dass wir innerhalb von drei Tagen zwei Spiele haben. Dementsprechend stelle ich die Mannschaft auf“, rechtfertigte der Trainer am Freitag seine Maßnahmen, die auf das „noch wichtigere Spiel“ am Samstag beim VfB Stuttgart abgestellt gewesen seien.

          „Hoffe, ich kann das Fußball-Einmaleins“

          Den Vorwurf Rummenigges, Fußball sei keine Mathematik, konterte Hitzfeld mit den Worten: „Ich hoffe, dass ich das Fußball-Einmaleins kann.“

          Rummenigge: „Fußball ist keine Mathematik”

          Im Gefühl des sicheren Sieges hatten sich die Bayern gegen den krassen Außenseiter eine Bauchlandung geleistet. Trotz des ersten Doppelpacks von Lukas Podolski im Trikot des Rekordmeisters reichte es am Donnerstag gegen den englischen Premier-League-Club nur zu einem 2:2 (1:1).

          Damit verpassten die Münchner in der ausverkauften Allianz-Arena leichtfertig den vorzeitigen Einzug in die nächste Runde des Uefa-Cups und scheiterten wie bereits beim 0:0 gegen Eintracht Frankfurt auch an ihrer schlechten Chancenauswertung. Podolski hatte mit seinen ersten Treffern nach acht Monaten in der 30. und 49. Minute seine persönliche Torflaute beendet. Doch durch Ricardo Gardner (8.) und Kevin Davies (82.) entführte der englische Tabellenvorletzte einen Punkt und profitierte beim späten Ausgleich von einer weiteren Unkonzentriertheit der Bayern-Abwehr.

          Hitzfeld: „Das stinkt mir natürlich gewaltig“

          „Über das Ergebnis bin ich natürlich enttäuscht“, meinte Bayerns Trainer Hitzfeld: „Über die Spielweise eigentlich nicht, denn die Mannschaft hat ja ein gutes Spiel gehabt. In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel voll im Griff gehabt. Aber wir waren zu sorglos. Das stinkt mir natürlich gewaltig.“ Bei 26:7 Chancen sei der Spielverlauf auf den Kopf gestellt worden.

          Torhüter Oliver Kahn bemängelte die „Sorglosigkeit der letzen 20 Minuten. Wir haben nicht daran gedacht, dass das eine internationale Mannschaft ist, die auch Tore schießen kann.“ Angesichts der Ausgangslage glaubt Hitzfeld aber, „dass wir keine Probleme haben werden, uns zu qualifizieren.“ In den ausstehenden Partien der Gruppenphase müssen die Bayern bei Sporting Braga (29.11.) und zuhause gegen Aris Saloniki (19.12. ) antreten. (Siehe: Ergebnisse Fußball Uefa-Cup).

          Rummenigge: „Fußball ist keine Mathematik“

          Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge machte seinem Ärger mit Kritik an Trainer Ottmar Hitzfeld Luft. „Ich bin stocksauer. Es wäre ganz einfach gewesen, zu gewinnen und weiterzukommen“, schimpfte der frühere Nationalspieler und kritisierte die Maßnahme von Hitzfeld, 43 Stunden vor dem Südgipfel bei Meister VfB Stuttgart, einige Spieler zu schonen: „Die Zuschauer haben das Recht auf die beste Mannschaft.“

          Rummenigge ärgerte es, dass Hitzfeld in Philipp Lahm sowie Martin Demichelis zwei Abwehrspielern auf der Tribüne eine Ruhepause gönnte sowie seine besten Akteure Ribery (61. Minute), Podolski (58.) und Schweinsteiger (73.) auswechselte. „Fußball ist keine Mathematik“, stichelte Rummenigge in Richtung des ehemaligen Mathe-Lehrers.

          Überraschender Rückstand

          66.000 Zuschauer sahen von Beginn ein flottes und abwechslungsreiches Europacupspiel, in dem sich die Rumpfelf der englischen Gäste keineswegs versteckte. Nachdem Marcell Jansen in der 1. Minute Daniel Braaten gerade noch am Torschuss hindern konnte, hieß es sechs Minuten später aus Sicht des FC Bayern schon überraschend 0:1. Einen Schuss von Ricardo Gardner fälschte Jansen unglücklich ab, so dass Oliver Kahn keine Abwehrchance hatte.

          Der deutsche Rekordmeister erspielte sich daraufhin zwar ein optisches Übergewicht gegen den englischen Abstiegskandidaten. Doch wie schon zuletzt bei den beiden Nullnummern in der Liga gegen Frankfurt und Dortmund fehlte die Entschlossenheit bei Chancen von Andreas Ottl (17.) und Podolski (20.). Erst in der 30. Minute erlöste Podolski die Bayern, als er nach einer tollen Kombination zwischen Franck Ribery und Bastian Schweinsteiger mit einem strammen Schuss aus 16 Metern zum 1:1 traf.

          Überraschender Ausgleich

          Eine Minute vor der Pause vergab Schweinsteiger die Führung, als er zunächst an Gäste-Keeper Ali Al-Habsi scheiterte und den Abpraller am leeren Tor vorbei schob. Bolton blieb bei seinen schnell vorgetragenen Angriffen immer gefährlich, zumal die Bayern-Defensive, vor allem Daniel van Buyten, nicht immer den sichersten Eindruck machte. Kevin Davies vergab in der 29. Minute freistehend sogar das 2:0 für Bolton.

          Es dauerte keine vier Minuten nach der Pause, da stand es 2:1 für die Gastgeber: Nach glänzender Vorarbeit des starken Ribery war es erneut Podolski, der den Gastgeber in Führung brachte. Beim Schuss des Nationalspielers aus kurzer Distanz war Al-Habsi machtlos. Früh gönnte Hitzfeld den spielentscheidenden Akteuren dann Ruhezeit für das Spiel am Samstag in Stuttgart. Ribery wurde nach einer Stunde Spielzeit bei seiner Auswechslung frenetisch bejubelt, Podolski zuvor mit Sprechchören gefeiert. Doch statt weiter konzentriert nach vorne zu spielen, wurde der FC Bayern nachlässig. Unerwartete, aber irgendwie verdiente Folge war das 2:2 durch Davies kurz vor Schluss.

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