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Nach 0:1 gegen Schalke : Der BVB kommt endgültig im Abstiegkampf an

  • -Aktualisiert am

Schwarz-gelber Sturzflug Bild: dpa/dpaweb

Dem wirtschaftlichen Abschwung folgt der sportliche. Nach der Niederlage im Derby gegen Schalke wandelt Borussia Dortmund am Abgrund zur Zweiten Liga. Schon muß Präsident Rauball versichern: „Es gibt kein Trainerthema.“

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          Als die übrigen Mitglieder des Ensembles in der Garderobe verschwunden waren, trat Ailton allein vor die rund achttausend Fans des FC Schalke 04. Der Brasilianer reckte die Faust wie einst der Tennisspieler Boris Becker und ließ sich von den Anhängern in königsblauer Montur feiern. "Es war das schönste Spiel der Saison, wegen unseres Sieges und wegen dieser Atmosphäre", sagte er später.

          Im 124. Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 hatte der propere Strahlemann das einzige Tor geschossen (17. Minute). Dieser Treffer dürfte ihm den ersten Eintrag in den Geschichtsbüchern seines neuen Klubs sichern und dazu viele neue Freunde. Die Fans ließen ihn hochleben wie einen, den sie von Herzen mögen, mag er auch manchmal kapriziös sein.

          Ailton will als Herbstmeister nach Brasilien

          Diesmal erst in der 88. Minute ausgewechselt, durfte Ailton auch dann noch mithelfen, als Schalke sich darauf beschränkte, Abwehrkräfte zu mobilisieren. Der Torschütze hat nicht nur ein Derby im Westfalenstadion entschieden, er hat auch "gut mitgemacht", wie Trainer Ralf Rangnick sagt. Bei Kontern gefiel er als Vorbereiter, und wenn die Dortmunder anzugreifen versuchten, erwies er sich sogar als Störer. "Er hat sich auch daran beteiligt, Bällen hinterherzujagen", sagte Rangnick. So kannten ihn die Schalker gar nicht. "Es ist ein anderer Toni als vor zwei Monaten. Man merkt ihm an, daß er in Schalke angekommen ist."

          Ailton findet allmählich Gefallen an seinem neuen Arbeitsplatz. Nicht zuletzt der Blick auf die Tabelle rechtfertigt inzwischen seinen Entschluß, von Bremen nach Gelsenkirchen zu wechseln, den er anfangs selbst in Zweifel gezogen hatte. Punktgleich mit dem Tabellenführer Bayern München gilt Schalke eine Runde vor Ende der ersten Saisonhälfte als Meisterschaftskandidat. "Wenn Ailton in den Urlaub nach Brasilien fliegt, muß er Tabellenerster sein", sagt er über sich.

          Mannschaft nicht auf Abstiegskampf geeicht

          Andere halten die sogenannte Herbstmeisterschaft für ein Muster ohne Wert. "Das ist etwas für Statistiker", sagt Kapitän Frank Rost. "Wir brauchen etwas zum Anfassen." Während die Schalker über einen Titel reden, der keiner ist, müssen die traurigen Dortmunder sich an Abstiegskandidaten wie Mönchengladbach und Bochum orientieren. Formal waren sie nur ein Tor schlechter als der Tabellenzweite, aber das knappe Ergebnis war weniger dem Dortmunder Können geschuldet als dem Anflug von Arroganz, den manche Profis des Rivalen, besonders nach der Pause, erkennen ließen.

          "Wenn wir dieses Spiel gewonnen hätten, wäre alles anders", sagte BVB-Trainer Bert van Marwijk. So aber ist alles beim alten geblieben. Und doch ist die Situation neu für die Borussen. Diese Mannschaft ist nicht auf Abstiegskampf geeicht. Die Dortmunder haben gekämpft, wie sie es versprochen hatten, aber wenn das alles war, wird es nicht reichen, sich nachhaltig zu verbessern. Der neue Präsident Reinhard Rauball hat den Klub in einer Lage übernommen, die noch schwieriger ist, als er angenommen hatte.

          „Es gibt kein Trainerthema“

          "Es wird ein eiskalter Winter", sagt er. Und seine Wettervorhersage wird sich erfüllen, beim Blick auf die Tabelle wie beim Blick auf die wirtschaftlichen Daten. Der sportliche Abschwung beeinflußt auch das groß angekündigte Sanierungsprogramm. Am Abgrund zur zweiten Liga wandelnd, wird es den Dortmundern schwerfallen, einen Kernpunkt der geplanten Konsolidierung zu verwirklichen: das Westfalenstadion zurückzukaufen oder für andere Interessenten als Übernahme-Objekt attraktiv zu machen.

          Die Mannschaft und damit den Verein als Marke darzustellen obliegt Trainer Bert van Marwijk. Ihn stellen die Granden des BVB, trotz der prestigeträchtigen Niederlage in prekärer Lage, nicht in Frage. "Er wird hier weiter in Ruhe arbeiten können, auch über den Winter hinaus", sagt Rauball. "Es gibt kein Trainerthema." Auch der niederländische Fußball-Lehrer scheint geneigt, den Abstiegskampf anzunehmen. "Ich gehe nicht weg", sagt er. "Ich habe gesehen, daß ich etwas bewegen kann. Wenn wir jedesmal so wie gegen Schalke spielen, kommen wir unten raus."

          Auch wenn die Dortmunder noch nicht am Boden (der Tabelle) sind, werfen die Vorboten der zweiten Liga ihre Schatten voraus. Auf einen möglichen Abstieg angesprochen, sagte Mittelfeldspieler Dede, er rechne nicht damit, könne sich aber vorstellen, auch in der zweiten Liga für den BVB zu kicken, obwohl sein Vertrag im Sommer ausläuft. In derart heikler Lage dürften "die guten Spieler den Verein nicht verlassen". Es ist noch nicht lange her, daß Dede von einem spanischen Spitzenklub geträumt hat. Nun wandelt er zwischen Burghausen und Barcelona. Wenn das keine Herausforderung ist.

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