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Mythos Maradona : Patron Diego

So gesund und zufrieden sah er lange nicht aus Bild: AFP

Das Maradona-Gefühl: Mit seinem eigenwilligen Trainer ist Argentinien zu einem ernstzunehmenden Titelkandidaten bei der WM geworden - und der Chef, der sein Team mit Herzlichkeit, Stolz und Pathos führt, kickt immer mit.

          Als Lionel Messi am Donnerstag seinen 23. Geburtstag feierte, hatte auch sein Nationaltrainer eine kleine Aufmerksamkeit vorbereitet. Diego Maradona überreichte ihm ein argentinisches Trikot mit einer persönlichen Widmung. „Mit all meiner Liebe und Bewunderung. Für Lio. Dein Trainer. Diego“ stand darauf. Für Trainer, die Distanz zu den Spielern als eines ihrer obersten Arbeitsprinzipien begreifen, muss das unerhört klingen. Liebe, das gibt es vielleicht in einer Beziehung oder einer Familie, und Bewunderung hört sich doch wohl eher nach Fan an als nach Trainer. Aber tatsächlich beschreiben diese Kategorien den Trainer Maradona ganz gut.

          Und so falsch kann er damit nicht liegen, schließlich haben die Argentinier das Achtelfinale dieser Weltmeisterschaft mit voller Punktzahl erreicht, ohne dass sie dabei besonders angestrengt gewirkt hätten. Aus Maradona, dem Trainerwitz, über den anfangs selbst in der Heimat gelacht (und geflucht) wurde, ist in Südafrika ein ernstzunehmender Kandidat für den Titel geworden. „Wir können für Argentinien etwas ganz Großes schaffen“, sagte er vor dem Achtelfinale gegen Mexiko an diesem Sonntag in Johannesburg (20.30 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) - und natürlich konnte damit nur eines gemeint sein: der dritte WM-Triumph nach 1978 und 1986.

          Dass Maradona überhaupt in dieses Amt gekommen ist, im Oktober 2008, ist eigentlich eine unglaubliche Geschichte. Noch vor vier Jahren war er als größter Fan der Argentinier durch Deutschland gereist. In den Stadien, die er gemeinsam mit seinen Töchtern besuchte, schwenkte er zu den Toren des Teams sein liebstes Accessoire, das Trikot der „Albiceleste“. Es musste ihm wie ein Sommermärchen in Himmelblau-Weiß vorgekommen sein - bis er vor dem Deutschland-Spiel mit ein paar Ordnern aneinandergeriet und grantelnd das Berliner Olympiastadion verließ. Ohne ihren größten Talisman schieden die Argentinier aus.

          An einen Ball kann Maradona immer noch nicht so einfach vorbei

          Weil in Wirklichkeit natürlich nicht eine unheimliche Macht, sondern Trainer José Pekerman die Schuld trug, musste der seinen Hut nehmen. Und als zwei Jahre später auch dessen Nachfolger Alfio Basile zurücktrat, brachte Maradona sich ins Spiel - und wurde genommen, obwohl seine Erfahrung als Trainer sich auf zwei äußerst kurzlebige Klub-Engagements Mitte der neunziger Jahre beschränkte.

          Ein bisschen Wut und viel Genugtuung

          Jetzt ist der größte Fan der erste Mann im argentinischen Nationalteam. Und er führt seine Mannschaft wie der Patron eines Familienclans: mit Herzlichkeit, reichlich Stolz und Pathos - und immer bereit, die Gruppe und jeden Einzelnen daraus bis aufs Letzte gegen Bedrohungen von außen zu verteidigen. Nach dem 2:0-Sieg im letzten Vorrundenspiel gegen Griechenland war so ein Moment. Da hatte Maradona das Gefühl, Lionel Messi gegen die Attacken auf dem Platz schützen zu müssen. Eine wahre Tirade ließ er gegen die Spielweise der Griechen und mehr noch gegen den Schiedsrichter los. „Wo ist denn das berühmte Fairplay?“, schimpfte Maradona und konnte sich gar nicht mehr beruhigen. „Er bekommt den Ball und wird gefoult, er bekommt den Ball und wird getreten, er bekommt den Ball und wird gefoult. Das muss doch irgendwann mal unterbunden werden.“

          Und weil er schon dabei war, rechnete er auch gleich noch mit den argentinischen Journalisten ab, die nicht nur seine WM-Tauglichkeit, sondern auch die der Mannschaft in Frage gestellt hatten. „Alle, die an uns gezweifelt haben, haben sich getäuscht, schwer getäuscht“, sagte er mit ein bisschen Wut und viel Genugtuung in der Stimme. „Wir tragen zum Glück einer ganzen Nation bei und verdienen Respekt.“ Den Journalisten legte er nahe, sich bei den Spielern zu entschuldigen.

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