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Münchner Hilferuf : Braucht Bayern jetzt Deutschland?

Thomas Müller fordert Unterstützung: „Wir sind ja alle Deutsche“ Bild: dpa

Bayern-Spieler Thomas Müller bittet um die Unterstützung der Deutschen, um im Champions-League-Rückspiel gegen Real Madrid bestehen zu können. Dieser Appell überrascht.

          Noch sechs Wochen bis zur Weltmeisterschaft. Zeit für die erste Vorübung in patriotischer Stimmung. „Wir brauchen volle Unterstützung, von allen rund um den Verein, von den Medien, der Presse“, sagt Thomas Müller. Er fordert vor dem Spiel des FC Bayern gegen Real Madrid den nationalen Schulterschluss: „Wir sind ja alle Deutsche.“ Der Hilferuf ist befristet bis Dienstagabend. „Ich hoffe, dass ihr mitmacht in der Berichterstattung“, sagte der Angreifer den Reportern. „Wenn wir dann doch ausscheiden, dann könnt ihr uns ruhig zerlegen.“ Braucht Bayern Deutschland, um Real zu besiegen?

          Müllers Appell überrascht. Weil die nach gängiger Meinung „beste Mannschaft der Welt“ noch bis vor ein paar Wochen alles andere als hilfsbedürftig wirkte. Ihr Erfolg schien völlig unabhängig geworden zu sein von jenen „weichen“ Faktoren, wie sie den Alltag jeder alltäglichen Mannschaft beeinflussen – der Laune der Fans, der Presse, der Superstars, der Ersatzspieler, dem Wanken des Selbstvertrauens, dem Verarbeiten von Frust. Um Stimmungsschwankungen zu unterliegen, war man zu überlegen. Und nun plötzlich die Frage: Brauchen die Super-Bayern Fußball-Deutschland?

          Bisher sah man das eher umgekehrt. Dass Fußball-Deutschland die Super-Bayern braucht – um Weltmeister zu werden. Wenn das stimmt, könnte die Formkrise eines Franck Ribéry, obwohl er bei der WM für Frankreich spielen wird, oder die Verletzung eines Thiago Alcántara, obwohl Spanier, nun für Deutschland zum Problem werden. Nämlich dann, wenn die Bayern ohne die Impulse dieser Kreativ-Könner ausscheiden. Und damit Lahm, Schweinsteiger und Co., das Gerüst des deutschen Nationalteams, mit dem Gefühl des Scheiterns nach Brasilien fahren sollten.

          „Vollgas, Leidenschaft und Herz“

          Oder ist das alles Unfug mit dem deutsch-bayrischen Doppelpass? Das „Deutsche“ an sich und seine „Tugenden“ gehören zu den zähesten und seltsamsten Mythen des Fußballs. Totgesagt, nicht totzukriegen. Irgendwann, rund um die Jahrtausendwende, erklärte man sie zum Synonym für Stillstand und Ewiggestrigkeit im globalisierten Spiel. Inzwischen aber können sie neu entdeckt werden, wenn man gut hinschaut. Weil sie bei zwei Vereinen erneuert und weiterentwickelt worden sind – bei Borussia Dortmund mit Klopps „Vollgasfußball“, bei Bayern München mit der Fusion deutscher Durchsetzungskraft mit holländisch-katalanischer Spielkultur unter den Trainern van Gaal, Heynckes und Guardiola.

          Nun hat Guardiola aber gesagt, man könne gegen Real Madrid nicht „deutsch“ spielen – womit er ein offenes Hin und Her im Gegensatz zu der von ihm angestrebten Ballkontrolle meinte. Günter Netzer hielt entgegen, man brauche auch „deutsche Elemente“, vor allem Besessenheit und Effizienz. Kapitän Lahm klang ähnlich, als er Fußball mit „Vollgas, Leidenschaft und Herz“ versprach.

          Beides stimmt. Guardiola sieht Erfolge als Frage des Stils. Der deutsche Fußball sieht Erfolge als Frage des Willens. Bisher sind die Bayern mit Guardiolas Stil weit gekommen. Sie mussten nicht an ihre Grenzen gehen, um die Bundesliga zu dominieren. In der Champions League aber kommen sie nun an einen Punkt, an dem besserer Stil oder klügeres System nicht mehr ausreicht. Es muss die größte Willensleistung der Saison her, um Real zu besiegen. Die Bayern brauchen nicht Deutschland, sie brauchen das Deutsche in sich.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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