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FC Bayern : Lachen, wenn es regnet

  • -Aktualisiert am

Immer gut gelaunt, überall beliebt: Thomas Müller ist für die Bayern schon aus Imagegründen unersetzbar. Bild: AFP

Mario Götze und Thomas Müller haben es bei den Guardiola-Bayern nicht leicht. Auf den einen könnte der Verein wohl verzichten – auf den anderen nicht. Doch jetzt kommt auch noch Vidal.

          Für die Gäste nur das Beste, auch die beste Sendezeit. Am Mittwochabend brachte der chinesische Kanal „CCTV 5“ im Rahmen der Fußballsendung „Total Soccer“ eine zweistündige Dokumentation über den FC Bayern. Manuel Neuer und Thomas Müller konnten ihren am Freitag in Peking aufgezeichneten Auftritt nicht sehen. Sie mussten ja weiter, immer weiter – in Sachen Marketing der China-Tour. Diesmal auf ein Schiff.

          Der Ausrüster des FC Bayern hatte exklusive Gäste zu einem Showkick eingeladen. Von der „Dashatou Wharf“ tuckerte man am Abend über den Perlfluss von Guangzhou, der dritten und letzten Station der Reise. An diesem Donnerstag (13.35 Uhr MESZ) spielen die Münchner in der südchinesischen 13-Millionen-Einwohner-Stadt gegen den FC Evergrande Guangzhou, wenige Stunden später startet der Flieger Richtung bayerische Heimat.

          In der Sendung des chinesischen Fernsehens liefen noch einmal Bilder des Triumphs der Nationalelf bei der WM 2014 in Brasilien. Natürlich inklusive Mario Götzes Siegtreffer im Finale gegen Argentinien. Auch im Reich der Mitte hat er getroffen, in einem Vorbereitungsspiel. Als der 23-Jährige nach Pass von Sebastian Rode am Dienstag zu einem Solo ansetzte und Inter Mailands Torwart Handanovic ausdribbelte, riss Trainer Pep Guardiola an der Seitenlinie schon die Arme hoch, bevor Götze den Ball tatsächlich ins Tor schoss.

          Jeder ist froh, wenn er ein Tor macht

          Der Gefeierte selbst kommentierte den Treffer nüchtern: „Jeder ist froh, wenn er ein Tor macht und der Mannschaft helfen kann. Es ist ein positives Gefühl.“ Selten lässt der ehemalige Dortmunder gegenüber den Medien erahnen, was wirklich in ihm vorgeht. Am Nachmittag vor der Partie hatte er auf dem Dach des Mannschaftshotels in Schanghai eine kurze Anleitung in chinesischem Kung Fu bekommen.

          Darauf angesprochen, ob diese Nachhilfe in Konzentration und Körperkontrolle womöglich etwas zum Torerfolg beigetragen habe, grinste er den Reporter mitleidig an, sagte dann pflichtbewusst: „Ich habe es zum ersten Mal gemacht, es war eine schöne Abwechslung.“

          Götze geht in sein drittes Jahr beim FC Bayern. Überzeugen konnte er lediglich in der Hinrunde der vergangenen Saison. Der Absturz folgte im Frühjahr, als ihn Guardiola in den drei wichtigsten Partien – in den Halbfinals der Champions League gegen den FC Barcelona und im DFB-Pokalhalbfinale gegen Borussia Dortmund – jeweils nur für wenige Minuten einwechselte. In der „Best-of“-Elf der Guardiola-Bayern findet Götze auch aktuell keinen Platz, er bleibt ein Suchender.

          100 Millionen Ablöse

          Vorzeitig aufgeben wird er jedoch nicht. „Er ist ein überragender Spieler. In meinem Kopf bleibt Mario bis zum Ende der Saison hier bei Bayern“, sagte Guardiola auf der China-Reise und fügte hinzu: „Ob Spieler gekauft oder verkauft werden, hängt vom Verein ab. Der Trainer sagt seine Meinung, aber die Entscheidung trifft der Verein.“ Gegen sein Veto werden die Bayern-Bosse Götze nicht verkaufen. Trotz eines angeblichen Angebots von Italiens Rekordmeister Juventus Turin, der ein Leihgeschäft auf zwei Jahre mit einer späteren Kaufoption anbietet. Es liegt an Guardiola. Nahezu perfekt ist dagegen der Transfer von Arturo Vidal in Gegenrichtung: der Chilene wechselt von Turin nach München, als Ablöse sind 36 Millionen Euro im Gespräch, nur der Medizincheck steht noch aus.

          Bei Thomas Müller, dem zweiten Weltmeister, der anders als Torwart Neuer, Abwehrchef Jérôme Boateng und Kapitän Philipp Lahm bei Guardiola nicht gesetzt ist, sind ganz andere Summen im Raum. 100 Millionen Euro Ablöse soll Manchester United für den Nationalstürmer geboten haben. Müller hat in München noch einen Vertrag bis 2019.

          Doch man wird den 25-Jährigen nicht gehen lassen. Müller ist unverkäuflich. Obwohl er nicht immer spielt. Bei Guardiola, anders als unter seinem Entdecker van Gaal, inzwischen Trainer von Manchester United, ist der Schlaks keineswegs Stammspieler. In den letzten zwei Jahren kam er in 68 Ligaspielen nur 29 Mal über 90 Minuten zum Einsatz.

          Spaßvogel aller Ehre

          Doch Bayern braucht Müller. Gerade weil Manchester United mit Bastian Schweinsteiger bereits eine der großen drei bayerischen Identifikationsfiguren der Fans abgeworben hat. Lahm wird seine Karriere 2018 an der Säbener Straße beenden, das ist sein Plan. Bleibt die offene Zukunft von Müller.

          Wer ihn und seine ungeheure Popularität während der Woche in China erlebt hat, versteht, dass Bayern nicht auf diese Type verzichten kann. In der Volksrepublik wird Müller „Erwa“, genannt: „verrücktes Baby“. In der Sendung bei „CCTV 5“ machte Müller seinem Ruf als Spaßvogel alle Ehre, jodelte und tanzte einen Schuhplattler.

          Große Nasen für Chinesen

          Sein Lebensmotto klingt nach Karl Valentin: „Ich bin immer der, der ich bin. Ich lache auch, wenn es regnet. Denn wenn ich nicht lache, hört es ja auch nicht auf zu regnen.“ Bei den öffentlichen Trainingseinheiten und in den Testspielen feiern die Fans ihren „Muller“. Auf der Online-Plattform „Sina Weibo“, einem chinesischen Twitter-Account, ist Müller sehr aktiv – mit extrem wachsenden Follower-Zahlen. Doch warum ist ausgerechnet er so beliebt?

          „Da haben die Leute, die für mein Image zuständig sind, wohl einen sehr guten Job gemacht“, sagt er selbst. Und dann mal zur Abwechslung im Ernst: „Es ist natürlich schön, wenn einen die Fans fern der Heimat derart feiern. Es ist schwierig zu erklären, ich kann es nur versuchen: Weltmeisterschaften werden ja auf dem ganzen Kontinent übertragen – und da war ich ja zweimal sehr erfolgreich mit der deutschen Nationalelf.“

          Prompt kam eine recht freche Nachfrage aus dem Auditorium: Liegt es etwa an der Optik? Müller antwortete trocken: „Vielleicht stehen die Chinesen auf große Nasen.“

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