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United gegen Liverpool : Spielen Klopp und Mourinho ohne Bus vor dem Tor?

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Rivalität auf höchstem Niveau: Jürgen Klopp trifft mit Liverpool auf Manchester United und José Mourinho Bild: Picture-Alliance

Ganz oben Thront Manchester City: Manchester United und der FC Liverpool streiten derweil in der Premier League um Rang zwei – es geht aber vor allem um die Ehre unter Erzrivalen.

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          Ach, wenn es doch nur Manchester City nicht gäbe! Dann wäre der Titelkampf in der Premier League wenige Wochen vor dem Ende der Saison hochdramatisch. Der historisch so prall aufgeladene Klassiker zwischen den Erzrivalen Manchester United und FC Liverpool an diesem Samstag (13.30 Uhr/DAZN) wäre dann von entscheidender Bedeutung: United steht zwei Punkte vor Liverpool in der Tabelle auf Platz zwei, die „Reds“ haben wiederum nur zwei Punkte mehr als Tottenham Hotspur. Da man Manchester City aber schlecht einfach ignorieren kann, sieht das Bild anders aus. Die Citizens thronen hoch oben in der Tabelle auf Platz eins, haben ein 16 Punkte dickes Polster – und sind damit schon jetzt so gut wie Meister. United, Liverpool und Tottenham streiten sich somit bloß um die goldene Ananas. Wer wird schon gerne Zweiter?

          Klar, es geht für diese Klubs um einen der Plätze unter den „top four“, die in England zur Teilnahme an der Champions League berechtigen. Wobei die Wettbewerber knapp unterhalb dieser magischen Grenze keine große Gefahr ausstrahlen: Chelsea, aktuell Fünfter und Meister, wirkt für einen Angriff zu wenig konstant und hat zuletzt nacheinander gegen beide Klubs aus Manchester verloren; der FC Arsenal auf Platz sechs ist vor allem mit sich selbst beschäftigt und schon so weit abgeschlagen, dass er sich besser mit seinem Verfolger Burnley FC befassen sollte als mit der Champions League.

          Ewig junge Rivalität

          In der vergangenen Saison wären beide Klubs mit ihren heutigen 62 beziehungsweise 60 Punkten aus 29 Spielen mittendrin im Rennen um die Meisterschaft gewesen. Vor dem direkten Duell befinden sich beide Mannschaften in guter Form: Manchester hat von seinen acht Ligaspielen im Jahr 2018 sechs gewonnen und zwei verloren; bei Liverpool sind es sechs Siege bei einer Niederlage sowie einem Remis. Mitte Januar hat das Team von Jürgen Klopp in einem packenden Match auch 4:3 gegen Manchester City gewonnen – es war die bislang einzige Niederlage in der Premier League für den angehenden Meister. In der Champions League hat Liverpool es außerdem ins Viertelfinale geschafft, United muss im Achtelfinal-Rückspiel in der kommenden Woche den FC Sevilla nach einem 0:0 in Spanien besiegen.

          Das Hinspiel war ein Ärgernis: Der mittlerweile zu Barcelona gewechselte Philippe Coutinho sieht sich einer United-Wand gegenüber

          Ungeachtet der Situation in der Tabelle ist Manchester United gegen den FC Liverpool einer der wichtigsten Termine in jeder Premier-League-Saison. Die beiden Vereine sind die erfolgreichsten in der Geschichte des englischen Fußballs – unter anderem in diesem ewigen Wettstreit liegt der Grund für ihre Rivalität. In den vier letzten Duellen gab es keinen Sieger. Insbesondere das Hinspiel in dieser Saison, ein schwer verdauliches 0:0 an der Anfield Road, ist den Fans sauer aufgestoßen. Vor allem United-Trainer José Mourinho hatte es damals öffentlich abbekommen, weil er „den Bus geparkt“ hatte, wie man in England sagt – also stur verteidigt, scheinbar ohne die Ambition, das Spiel zu gewinnen.

          United-Legende Gary Neville sagte Sky Sports in einem Interview vor dem Nordwest-Derby, dass er sich wieder mehr Feuer wünsche: „Das Spiel in Anfield in dieser Saison war unakzeptabel“, sagte er, „gegen Ende hatten beide Teams akzeptiert, dass ein Punkt für jeden das richtige Ergebnis war. Das darf so nicht sein.“ Mit Blick auf die Statistik ist eine Wiederholung dieses Szenarios allerdings nicht unwahrscheinlich: Liverpool hat mit 67 Toren den zweitbesten Angriff der Liga, Manchester mit 22 Gegentoren die zweitbeste Abwehr. Beide liegen in den jeweiligen Kategorien hinter Manchester City und deren Tordifferenz von 83:20. Zudem wirkt mit Mourinho ein Pragmatiker bei United, der nach dem Sieg in der Europa League vergangene Saison süffisant diktierte: „Es gibt im Fußball viele Poeten, aber Poeten gewinnen nicht so viele Titel.“

          Der ehemalige Liverpool-Profi Craig Bellamy geht vor allem wegen Liverpools Konterstärke davon aus, dass Manchester United tief stehen wird. „Ich bin gespannt auf das Spiel. Wenn United angreifen sollte, was die Fans in einem Heimspiel schon erwarten dürfen, dann wäre das brillant für Liverpool!“ Jedoch glaube er kaum, dass sich Mourinho auf einen offenen Schlagabtausch einlassen wird: „Dafür ist er zu schlau.“ Bellamy erwartet kein „großartiges Spiel“ an diesem Samstag, trotz der großen Namen und der damit verbundenen Erwartungen. „Ich hoffe, ich liege falsch. Denn Manchester United gegen den FC Liverpool verdient es, ein großartiges Spiel zu sein.“

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