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Mönchengladbach : Über Nacht hat Fach nichts mehr zu sagen

  • -Aktualisiert am

Nicht mehr gefragt in Mönchengladbach: Holger Fach Bild: AP

Am Abend nach dem 0:3 im Bochumer Ruhrstadion hatte Holger Fach wenig zu sagen, einen halben Tag später gar nichts mehr. Borussia Mönchengladbach hat seinen Cheftrainer am Mittwoch nachmittag beurlaubt - nach neun Punkten aus zehn Spielen und dem Aus im DFB-Pokal.

          Ohne ein Wort schritt Holger Fach an den Kameras und Reportern vorbei - als ob er geahnt hätte, daß er bei Borussia Mönchengladbach nicht mehr viel zu sagen habe. Nach dem 0:3 in Bochum wirkte der 43 Jahre alte Fußball-Lehrer so unprofessionell wie seine Abwehrspieler zuvor bei den Gegentoren. Von einem Boulevardreporter, der behauptete, es gut mit ihm zu meinen, doch noch zur Rede gestellt, sagte Fach: "Dann gehe ich beim nächsten Mal eben wieder hin." Ein nächstes Mal wird es jedoch nun nicht geben für ihn, jedenfalls nicht bei Borussia Mönchengladbach. Am Abend im Ruhrstadion hatte er wenig zu sagen, einen halben Tag später gar nichts mehr. Der VfL Borussia Mönchengladbach hat seinen Cheftrainer am Mittwoch nachmittag beurlaubt - und mit ihm Co-Trainer Stefan Mücke. "Unsere Bilanz mit neun Punkten aus den ersten zehn Saisonspielen ist nicht gut, hinzu kommt das Aus im DFB-Pokal. Wir mußten uns fragen, ob wir mit Holger Fach unser Saisonziel erreichen", sagte Vereinspräsident Rolf Königs.

          Die Verantwortlichen hatten Mannschaft und Trainer vorgegeben, den Klub "ohne Abstiegssorgen in der Bundesliga zu etablieren" und mittelfristig die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb zu erreichen. Die Zusammenarbeit mit Fach nach gut einem Jahr zu beenden sei "für den Verein die richtige Entscheidung", sagte Königs. Der Vorstand hat diese Entscheidung offenbar über Sportdirektor Christian Hochstätter hinweg getroffen, der in Personalfragen als starker Mann gilt und Fach vor gut einem Jahr als Nachfolger Ewald Lienens durchgesetzt hatte. Hochstätter hatte am späten Abend in Bochum noch angekündigt, er lasse sich "jetzt keine Trainerdiskussion aufdrängen". Nun könnte er bald selbst in die Kritik geraten. Am nächsten Tag sagte, er, noch mit keinem Nachfolgekandidaten gesprochen zu haben.

          Köppel auf der Bank

          Beim Bundesliga-Heimspiel an diesem Samstag gegen den deutschen Rekordmeister Bayern München wird Horst Köppel, sonst für die Amateure zuständig, auf der Trainerbank sitzen. Köppel, einst Spieler bei Gladbach und Cheftrainer in Dortmund und Düsseldorf, leitet an diesem Donnerstag zum ersten Mal das Training der Profis, die nach der Niederlage im Ruhrstadion im Abstiegskampf stecken.

          Fach ist der dritte Bundesligatrainer, der in der aktuellen Spielzeit entlassen wurde - nach Jupp Heynckes in Schalke und Klaus Toppmöller in Hamburg. Schon während des Spiels in Bochum, das die Gladbacher zunächst überlegen geführt hatten, wurde der Unmut der Fans gegen Fach in der Schlußphase größer. Nach dem Abpfiff riefen Tausende "Trainer raus!" Auf den Rängen entlud sich der Unmut, der sich nach nur einem Sieg aus den zurückliegenden sechs Meisterschaftsspielen aufgestaut hatte. Gerade das Beispiel der Gladbacher zeigt, wie wenig ein Erfolg zwischendurch manchmal zu bedeuten hat. Nach dem glücklichen Heimsieg über Kaiserslautern, der auch dank Oliver Neuvilles Handspieltor zustande kam, wähnten die Rheinländer sich sportlich trotz der Unsportlichkeit auf dem rechten Weg, verfielen aber sogleich wieder in alte Fehler, die bei den Fans den Wunsch nach einer Ablösung des Fußball-Lehrers laut werden ließen.

          Von der Mannschaft entfernt

          Fach hatte sich nicht nur von den Fans entfernt, sondern auch von der eigenen Mannschaft, deren Qualität er jüngst in Abrede gestellt hatte. Zwar zeigten die Gladbacher Spieler sich bis zum Platzverweis gegen Kapitän Jeff Strasser (59.) kämpferisch, aber in Bochum hat den anfangs überlegenen Borussen nichts so sehr gefehlt wie ein Vorarbeiter der Marke Dariusz Wosz, der die Heimmannschaft in heikler Lage anführte und mit dem Tor zum 2:0 (85.) den bis in die Schlußphase hinein berechtigten Zweifel am Sieg der Westfalen beseitigte. Als es kritisch wurde, handelte sich eine vermeintliche Gladbacher Führungskraft wie Jeff Strasser durch ein Foul an Lokvenc die Gelb-Rote Karte ein (59.). In Unterzahl fehlte es den Borussen an Geschick und an Glück, die allmählich selbstbewußteren Westfalen aufzuhalten, deren Vorsprung Peter Madsen in der Schlußminute nochmals ausbaute. Während der Bochumer Trainer Peter Neururer seine Mannschaft "noch nicht unbedingt am Wendepunkt" sieht, steht Borussia Mönchengladbach am Tiefpunkt.

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