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Anti-Rassimus-Kampf in MLS : Die amerikanischen Fußballer bekennen Farbe

  • -Aktualisiert am

Black Power: Die Spieler von Orlando City und Inter Miami vor ihrem Spiel. Bild: AFP

Die Spieler der amerikanischen Profi-Fußballiga MLS durften als erste Sportler in den Vereinigten Staaten nach der Corona-Pause wieder aufs Feld. Die Aufmerksamkeit nutzten sie für eine starke Anti-Rassimus-Geste. Die Liga aber kämpft mit Ungewissheiten.

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          Es war eine Idee einer Gruppe von Fußballern, die sich unter dem Motto „Black Players for Change“ zusammengeschlossen haben. Sie wollten sechs Wochen nach dem gewaltsamen Tod des Afro-Amerikaners George Floyd zum Neustart der Major-League-Soccer-Saison ein Zeichen setzen.

          Also knieten alle 22 Spieler aus der Startaufstellung von Orlando City und Inter Miami vor dem Anpfiff entlang des Mittelkreises, eingerahmt von knapp zweihundert Profi-Kollegen aus anderen Mannschaften, die sich zu einem großen Rechteck entlang des Spielfelds formierten und ihre Fäuste zum Black-Power-Gruß in den Himmel reckten. Die inszenierte Stille währte acht Minuten und sechsundvierzig Sekunden, die Zeitrechnung, mit der in den Vereinigten Staaten bei Protestaktionen symbolisch an Floyds grausames Ende und an die alltägliche Polizeibrutalität erinnert wird. Auf einer großen Videowand verwandelte die Major League Soccer das Motto für die Rückkehr zum Spielbetrieb („MLS is back“) unter Hinzufügung eines einzigen Buchstabens in eine politische Aussage „MLS is black“.

          „Stellung beziehen“

          Das ist keine Übertreibung. Der Anteil nicht-weißer Spieler in der Liga liegt zwar mit rund 60 Prozent unter dem in den sehr viel populäreren Sportarten Basketball und Football. Aber die Zahlen weisen schon seit einer Weile deutlich nach oben. Ein Effekt, der sich, wie eine Untersuchung des Instituts für Vielfalt und Ethik im Sport an der Universität von Central Florida im letzten Jahr nachwies, auch bei den Trainern und Klub-Angestellten zeigt.

          Welche Auswirkungen der Protest der Spieler haben wird, die ihre Initiative während der vom Coronavirus Anfang März erzwungenen Pause im Ligabetrieb auf die Beine gestellt hatten, lässt sich nicht absehen. Nach Ansicht von Justine Morrow, Verteidiger beim Toronto FC und Sprecher der Gruppe, ging es am Mittwoch zunächst nur darum, „Stellung zu beziehen“ und den „Kampf für Gleichheit der Rassen und für Bürgerrechte“ zu unterstützen. „Es war uns wichtig, dass dieser Protest von uns ausgeht und authentisch ist“, sagte er. Dazu gehört auch, dass MLS-Profis Geld an Organisationen spenden, die sich politisch in diesem Themenbereich engagieren. Und dass sie bei den Begegnungen in Walt Disney World Trikotaufnäher tragen, auf denen sie den Namen eines Menschen schreiben können, an den sie in diesem Zusammenhang erinnern möchten. Oder auch einen kurzen Text, wie er am Mittwoch auf den schwarzen T-Shirts der demonstrierenden Kicker zu lesen war: „Silence Is Violence“ – „Schweigen ist Gewalt“.

          Mit dem Neubeginn bemühte sich die Liga gleichzeitig um eine Rückkehr zu so etwas wie Normalität. Nur wenige Wochen, bevor die National Basketball Association ebenfalls unter strengen Quarantäne-Bedingungen auf demselben Gelände am Stadtrand von Orlando den Spielbetrieb aufnehmen will, sah man in dem Sportkomplex von Walt Disney World und den dort derzeit leer stehenden Hotels eine geeignete Option, um die Saison fortzusetzen. Die Verantwortlichen konzipierten ein Turnier mit einer dreiwöchigen Gruppenphase und einer K.-o.-Runde, die am 11. August mit der Finalbegegnung zu Ende gehen soll.

          Corona bremst Teams aus

          Am Montag musste die Liga allerdings einräumen, dass der Plan nur teilweise aufgehen wird. Zehn Virus-Infektionen im Kader des Dallas FC zwangen dazu, die Mannschaft aus der Liste der ursprünglich 26 Teams zu streichen. Unklarheit besteht noch, was den Nashville SC angeht, bei dem es mehrere Erkrankungen gibt. Die erste, für Mittwoch geplante Begegnung gegen Chicago Fire wurde verschoben. Medienberichten zufolge haben sich die Spieler in ihren Heimatstädten angesteckt und nicht in dem abgeschirmten Disney-Komplex, in dem Erkrankte in eigens dafür vorgesehenen Hotels isoliert untergebracht und täglich getestet werden.

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