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Missbrauch und Diskriminierung im Fußball : „Wir dürfen keine Schwarze Liste führen“

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Der DFB zeigte Rassismus in einer Kampagne die Rote Karte Bild: picture-alliance/ dpa

Was unternimmt der DFB gegen sexuellen Missbrauch und Diskriminierung in Vereinen? Kommissionsleiter Stephan Osnabrügge spricht im F.A.Z.-Interview über eine „Blacklist“, Resozialisierung und eine „klare Kante“.

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          Der Bonner Rechtsanwalt und Vizepräsident des Fußball-Verbandes Mittelrhein, Stephan Osnabrügge, leitet die neue DFB-Kommission für „gesellschaftliche Verantwortung“. Von dem Gremium verspricht sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mehr Schlagkraft bei brisanten Themen wie Gewalt, Rechtsextremismus, sexuellem Missbrauch von Kindern oder Diskriminierung.

          Vergangene Woche entschuldigte sich der 43 Jahre ehemalige Zweitligaschiedsrichter im Namen des DFB bei der Familie eines jungen Fußballtalents, das vom DFB-Stützpunkttrainer in Lüdenscheid als „Neger“ verunglimpft worden war. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte den Fall aufgegriffen. Der Trainer ist inzwischen zurückgetreten.

          Die Eltern eines zwölfjährigen Jungen vom Talentstützpunkt in Lüdenscheid, der vom Trainer als „Neger“ bezeichnet worden war, suchten ein Jahr vergeblich nach dem Ansprechpartner. Sie fühlten sich ohnmächtig und von den Funktionären nicht ernst genommen. Wie kann das sein – der DFB sieht sich doch als Integrations-Weltmeister?

          Das ist inhaltlich auch richtig. Wir müssen uns da aber besser aufstellen, damit Leuten, denen etwas Ähnliches passiert, die dafür zuständigen Ansprechpartner beim DFB auch finden. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass der DFB hier mauert.

          Gerade an der Fußball-Basis gehören solche Diskriminierungen zum Alltag. Wie wollen Sie dem entgegentreten?

          Diskriminierende und rassistische Sprüche auf dem Fußballplatz, die viele für ganz normal halten, sind keine einfachen Unsportlichkeiten. Sie dürfen daher auch nicht bagatellisiert werden, entgegen unserer Rechtsordnung, wie es noch immer häufig in den unteren Spielklassen geschieht, zum Beispiel mit 50 Euro und einem Spiel Sperre. Wir brauchen hier eine klare Kante. Diskriminierung macht den Fußball kaputt und ist eine ernstzunehmende Quelle von Gewalt.

          Was wollen Sie konkret verbessern?

          Wir müssen unsere Mitglieder weiter sensibilisieren für diese Themen. Wir müssen hier auf Aufklärung und Qualifizierung, aber auch auf Abschreckung setzen. Nicht jeder, der zum Beispiel den Begriff „Neger“ verwendet, weiß, dass er diskriminierend aufgenommen wird. Da müssen wir aufklären. Und der, der dann trotz Kenntnis vom Sinnzusammenhang des Wortes weitermacht, der muss eben durch entsprechende Strafen abgeschreckt werden, seine rassistische Grundeinstellung im Fußball auszuleben. Dafür sieht die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB bereits ausreichende Sanktionen vor – sie müssen nur angewandt werden. Es gibt in jedem unserer Fußball-Landesverbände zuständige Sportrichter, die solche Fälle verhandeln sollen. Die Kreisspruchkammern als unterste Sportrechtsinstanz sind dafür die falsche Adresse.

          Der Fall Edathy rückt gerade auch wieder das Thema Kinderschutz ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Der Beauftragte der Bundesregierung gegen sexuellen Missbrauch, Herr Rörig, kritisiert, dass der Sport da noch viel Aufholbedarf hätte. Sie haben am Mittelrhein neben den Fußballverbänden in Berlin und Hamburg schon vor einigen Jahren Programme zur Bekämpfung sexuellen Missbrauchs initiiert, arbeiten mit Opferschutzorganisationen zusammen. Wo steht der DFB?

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