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Miroslav Klose : Der bescheidene Rekordmann

Bild: Reuters

Miroslav Klose hat Gerd Müllers Rekord eingestellt. Das nimmt der Nationalstürmer gelassen zur Kenntnis. Nun will er auch bei der WM noch sein Können zeigen.

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          Es gibt nicht viele Rekorde im Fußball, von denen man sagt, sie seien für die Ewigkeit. Der von Gerd Müller, der in 62 Länderspielen 68 Tore erzielte, war einer davon. Seit Freitagabend muss man tatsächlich in der  Vergangenheitsform davon sprechen. Miroslav Klose nutzte das  WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich, um seinen Namen gleichberechtigt neben Müller als bester deutscher Torschütze der Historie setzen zu können. Zwar benötigte Klose ein paar Länderspiele mehr, 129 waren es.

          Christian Kamp
          (camp.), Sport

          Das soll die Leistung  eines Mannes, der seit nunmehr zwölf Jahren zu den Markenzeichen der  Nationalmannschaft gehört, nicht schmälern. Und dass er es in München tat, der Heimat von Gerd Müller, und dann auch noch auf Vorlage eines anderen Müller, Thomas mit Namen - auf so eine Pointe muss man erst einmal kommen.

          Der bescheidene Jubel nach dem Tor für die Geschichtsbücher indes passte zu dem,  was Klose für den Fall der Fälle stets gesagt hatte: Dass ihm dieser Rekord  nicht viel bedeute - und auch gar nicht zu vergleichen sei mit Müllers Leistung  aus einer anderen Epoche. „Der Torrekord bedeutet mir sehr viel“, sagte Klose später. “Aber auf eine Stufe mit Gerd Müller würde ich mich nicht stellen.Ich habe sehr viel mehr Spiele gebraucht. Das spricht für ihn.“

          Lahms Julbiläum, Ballacks Abschied

          Eigentlich hatte am Freitag ja ein anderes Jubiläum im Mittelpunkt gestanden,  Philipp Lahms 100. Länderspiel. Für diese runde Zahl wurde der aktuelle Kapitän  genauso geehrt wie der frühere, Michael Ballack, für eine Weltkarriere mit 98  Einsätzen. Dass Klose mit Gerd Müller gleichziehen könnte, war ein wenig in den  Hintergrund geraten. Was auch daran lag, dass aus der Jagd auf Treffer 68 ein Geduldsspiel geworden war.

          Zuletzt hatte Klose im Oktober 2012 getroffen, beim  berühmt-berüchtigten 4:4 gegen Schweden. Danach verpasste er ein paar Spiele  wegen Verletzung, und bei seinen beiden bisherigen Einsätzen 2013 blieb ihm ein  Treffer verwehrt - so auch beim 3:3 gegen Paraguay in Kaiserslautern, dort wo  für Klose einst alles begann, ehe ihn eine große Karriere über Bremen und  München nach Rom, zu Lazio, führte. Irgendwie bekam man gegen Österreich früh das Gefühl, dass es sein Abend werden  könnte.

          Wie wird die WM?

          Nach zehn Minuten erlief der 35 Jahre alte Angreifer einen hanebüchenen  Rückpass des österreichischen Kapitäns Fuchs, schoss den Ball aber ans  Außennetz. In der 38. Minute schien sich ein Kopfball Kloses schon ins Tor zu  senken, doch Torwart Almer rettete im letzten Augenblick. Die dritte Chance  ließ er dann nicht mehr nehmen. Bei der Flanke von Müller besaß Klose das  Gespür für den Augenblick, und war gedanken- und antrittsschnell genug, um  einen Schritt vor dem Verteidiger am Ball zu sein. Ein echter Klose? Ja und  nein.

          Natürlich hat er so oder so ähnlich schon etliche Treffer  erzielt. Zugleich aber hätte auch ein vollkommen anderes Tor typisch Klose sein  können. Gerade diese Vielseitigkeit macht ihn ja so besonders - und für Joachim  Löw im Vergleich zu manchem jüngeren Kollegen so wertvoll. Sein erstes Länderspieltor  gelang ihm am 24. März 2001 bei seinem Debüt gegen  Albanien. Dass die Dinge einen solchen Lauf nehmen würden, war da natürlich  noch nicht absehbar. Als Klose noch vor der EM im vergangenen Jahr davon sprach, dass er womöglich bis zur WM in Brasilien weitermachen wolle, wirkte  das fast eine Spur verwegen. Ob Klose im nächsten Jahr wirklich noch einem  WM-Turnier seinen Stempel aufdrücken kann, ist eine andere Frage - die an einem  Abend wie diesem aber gewiss nicht beantwortet werden musste.

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