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Milan-Spieler verlässt Platz : Neuer Rassismus-Vorfall im italienischen Fußball

  • Aktualisiert am

Kevin Constant verließ bei einem Spiel des AC Mailand den Platz Bild: picture alliance / AP Images

In Italiens Fußball kommt es wieder zu einem rassistischen Zwischenfall. Nach Gesängen einiger Fans verlässt Kevin Constant den Platz. Seine Reaktion erinnert an das Verhalten seines Milan-Mitspielers Kevin-Prince Boateng im Januar.

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          Der dunkelhäutige Fußball-Profi Kevin Constant vom italienischen Erstligisten AC Mailand hat nach rassistischen Gesängen einiger Fans bei einem Vorbereitungsturnier den Platz verlassen. Der Schiedsrichter brach die Partie zwischen Milan und dem Aufsteiger US Sassuolo jedoch nicht ab. Er ließ in dem Spiel am Dienstagabend stattdessen Mario Piccinocchi als Ersatz für den Abwehrspieler auf den Platz. Der 26-jährige Constant ist in Frankreich geboren und stammt aus Guinea. Der italienische Fußballverband eröffnete eine Untersuchung zu dem Vorfall.

          Die Fußball-Weltverband Fifa betonte in einer Mitteilung: „Im Fußball ist kein Platz für Rassismus oder andere Formen der Diskriminierung.“ Das Feld zu verlassen sei ein starkes und mutiges Signal, könne aber nicht die langfristige Lösung sein. Die Fifa hatte Ende Mai ihren Strafenkatalog bei rassistischen Vergehen verschärft. Kritik an Constants Verhalten gab es allerdings von Milans Vize-Präsident Adriano Galliani.

          „Die rassistischen Gesänge sind skandalös, unmöglich, aber man kann nicht den Platz verlassen, das geht nicht“, sagte er. Filippo Inzaghi, früherer Milan-Stürmer und jetziger Trainer des Jugendteams des Vereins, rief dazu auf, die Gesänge in Zukunft zu ignorieren. „Wir geben dem zu viel Wichtigkeit“, sagte er. „Wenn das ganze Stadion mitmacht, ist es richtig, anzuhalten, sonst halten wir uns die Ohren zu und machen weiter“, forderte er. Der erneute Vorfall ist für Milan schon der dritte Rassismus-Eklat innerhalb weniger Monate.

          Im Januar hatte der Deutsch-Ghanaer Kevin-Prince Boateng bei einem Freundschaftsspiel in Busto Arsizio nach rassistischen Schmähgesängen der Fans den Platz verlassen. Seine Mitspieler waren ihm gefolgt und die Partie wurde abgebrochen. Für diese Aktion und die Solidarität seiner Teamkollegen hatte es Lob von höchsten Stellen gegeben, auch von Fifa-Präsident Joseph Blatter. Im März hielt der gebürtige Berliner Boateng eine viel beachtete Rede gegen Rassismus vor den Vereinten Nationen in Genf.

          Im Mai war eine Partie der Rossoneri wegen rassistischer Gesänge gegen den dunkelhäutigen Stürmer Mario Balotelli unterbrochen worden. Den Sieg bei dem Vorbereitungsturnier holte sich überraschend der Aufsteiger Sassuolo, der Milan mit 2:1 besiegte. Zuvor hatten die Rossoneri gegen Meister Juventus Turin im Elfmeterschießen mit 7:6 gewonnen. Zudem hatte sich Juve ebenfalls im Elfmeterschießen mit 4:3 gegen Sassuolo durchgesetzt.

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