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Mike Büskens im Gespräch : „Befreiung der Fürther Seele“

  • Aktualisiert am

Der Trainer geht voran: Fußball wird beim Bundesligaaufsteiger aus Fürth emotional gelebt Bild: picture alliance / dpa

Sieben Mal Fünfter, ein Mal Vierter: Der Fußballklub Greuther Fürth galt lange als unaufsteigbar - bis Mike Büskens kam. Im F.A.Z.-Interview spricht der Trainer darüber, was ein kleiner Verein braucht, um sich in der Bundesliga sportlich zu etablieren.

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          Seien wir realistisch: Sie werden in diesen Tagen häufig das Wort Offenbach in den Mund nehmen, in den Köpfen aber wird eher das Wort München eine Rolle spielen, oder?

          Man kann es nicht ausschließen. In der Öffentlichkeit ist der Fokus natürlich schon auf die Bayern gerichtet. Das erste Bundesligaspiel der Vereinshistorie gegen den deutschen Rekordmeister, das ist schon etwas ganz besonderes für diesen Klub, für diese Stadt. Aber in unserem Fokus liegt ganz klar Offenbach. Weil wir natürlich auch noch den letztjährigen Pokalwettbewerb im Kopf haben.

          Als Sie bis ins Halbfinale kamen, wo es dann aber gegen Borussia Dortmund jäh und schmerzhaft zu Ende ging: mit der allerletzten Aktion der Verlängerung. Wurmt einen das noch?

          Wenn uns einer im Vorfeld gefragt hätte, was hättet ihr lieber, den Aufstieg oder das Erreichen des Pokalfinales und die Europa-League-Qualifikation, dann denke ich, dass wir uns alle für den Aufstieg entschieden hätten. Die Art und Weise, wie wir ausgeschieden sind, war natürlich mehr als schmerzlich.

          Es war zugleich das erste Mal, dass ganz Fußball-Deutschland auf Greuther Fürth geschaut hat und erkannt hat: Hoppla, da entwickelt sich ja was. Hat sich die öffentliche Wahrnehmung da auf einen Schlag geändert?

          Das hat man an den Reaktionen gespürt, die aus ganz Deutschland eintrudelten. Es gab viele, die uns zu einem mitreißenden Spiel gratuliert haben - und uns Mut zugesprochen haben: Dass wir es jetzt doch endlich packen sollen. Dass wir hochgehen sollen.

          Hatte das Spiel Einfluss auf den Verlauf in der Liga - ist der Mannschaft da bewusst geworden, was sie leisten kann?

          Sie wusste es eigentlich vorher, aber es hat sie noch mal bestärkt. Es war ja immer so, dass uns der Makel anhaftete, wenn es drauf ankommt, dann packen sie’s sowieso nicht. Das konnten wir dann mit der dritten Runde im Pokal ablegen, mit dem Sieg beim „Club“. So ein Ereignis, wo du als kleine Spielvereinigung beim großen Nachbarn gewinnst, das war ein Aha-Effekt. Auch wenn man sieht, was danach in den Straßen los war. Da entstand etwas zwischen den Leuten, den Anhängern und uns. Ich sage immer, der Aufstieg war die Befreiung der Fürther Seele. Weil es ja immer hieß, sie können nicht, sie wollen nicht. Weil du ja immer belächelt wurdest als Fürther. Und wenn der Aufstieg die große Befreiung der Seele war, dann wurde mit dem Spiel gegen den „Club“ der Zugang zur Seele geöffnet. Von daher denke ich, dass es dort begann.

          Der Pokal war also der Türöffner für die Bundesliga?

          Das denke ich schon, ja.

          Trotzdem fragen sich viele: Wie kann ein Verein wie Greuther Fürth es in die Bundesliga schaffen? Als Sie hier anfingen, haben Sie ja auch nicht wirklich einen künftigen Erstligaklub vorgefunden.

          Wir waren auf Platz 15, kurz davor, auf einen Abstiegsplatz zu rutschen, und dann ist der Verein ins Risiko gegangen. Er hat sich für einen Trainer entschieden, der zwar in zwei verschiedenen Phasen als Interimstrainer beim FC Schalke 04 fungiert hat und zwischenzeitlich Co-Trainer war, der aber bis zu diesem Zeitpunkt nie so selbstverantwortlich eine Vorbereitung geführt hat bei einem Profiverein. Das war aus Sicht von Greuther Fürth schon ein Risiko.

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