https://www.faz.net/-gtl-7u5rr

Michel Platini und die Uhr : Arroganz der Macht

Geschenkt ist geschenkt: Uefa-Präsident Michel Platini will seine Uhr lieber behalten. Bild: dpa

Der internationale Fußball steckt in einer Vertrauenskrise. Seine Anführer sollten deshalb Glaubwürdigkeit vermitteln - der Uefa-Präsident vollführt das Gegenteil.

          1 Min.

          Mächtige Fußballfunktionäre sind ein selbstgefälliger Menschenschlag. Die Regeln - die bestimmen nur sie. Mit welcher Ignoranz die Kaste der Sportführer regiert, hat Michel Platini, der Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa), jetzt wieder bewiesen. Wie Popeye pumpte er sich mal wieder auf und verkündete, keinesfalls das Luxusuhrengeschenk zurückzugeben, das der brasilianische Fußballverband während der Weltmeisterschaft an ausgewählte Topfunktionäre verteilt hatte.

          Die Ethikkommission des Weltverbandes Fifa hat jeden einzelnen Beschenkten inzwischen darauf hingewiesen, das mehr als 20 000 Euro teure Präsent bis spätestens 24. Oktober wieder bei den Brasilianern abzuliefern. Platini will die neuen Compliance-Regeln der Fifa, denen er als Mitglied des Fifa-Vorstandes zugestimmt hatte, nicht akzeptieren und nun einfach selbst bestimmen, wie er mit der peinlichen Angelegenheit umgeht. Platini will das Chronometer behalten und den entsprechenden Wert einer karitativen Sache spenden. Aber das kann’s nicht sein.

          Erinnerungen an den Fall Beckenbauer werden wach

          Die Arroganz der Macht erinnert an den Fall Beckenbauer, der während der WM in Brasilien von der Ethikkommission gesperrt wurde, weil er bei den Untersuchungen des Fifa-Ermittlers zur WM-Vergabe an Russland (2018) und Qatar (2022) Fragen zuerst unbeantwortet ließ und nicht kooperieren wollte. Es ist halt eine Unverschämtheit, dem „Kaiser“ damit zu kommen. Der Ehrenpräsident des FC Bayern erhielt fragwürdigen Beistand, als Funktionäre empört fragten, warum Fifa-Chef Joseph Blatter seinen Freund Beckenbauer nicht frühzeitig vor den Fifa-Ethikern geschützt hätte.

          Ausgerechnet der fragwürdige Blatter. Ausgerechnet mit einem Freundschaftsdienst. Auch von Platini war zu erfahren, weshalb die Uhren-Geschichte nicht längst auf informellem Weg ohne große Schlagzeilen gelöst worden sei. Schon ist von neuen Uhren zu hören, welche die Fifa bei der WM als Willkommensgeschenk verteilt hat, allerdings lange nicht so wertvoll und offenbar gedeckt mit dem Ethik-Kodex.

          Platini und Co. aber wissen nicht, was die Stunde geschlagen hat. Wenn die Fußballbranche aus der Vertrauenskrise herauskommen will, müssen ihre Anführer vor allem Glaubwürdigkeit vermitteln. Dazu gehören die Akzeptanz für unabhängige Gremien wie die Ethikkommission und ein anständiges Geschäftsgebaren.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Abwärtstrend der Union : Die verlorene Heimat

          Für viele in der Union war Schwarz-Grün mal eine moderne Idee. Jetzt wächst die Angst, dass die Grünen übermächtig werden – und sie selbst als Juniorpartner enden.
          Unser Sprinter-Autor: Oliver Georgi

          F.A.Z.-Sprinter : Wer kann SPD-Vorsitz?

          Während es bei der SPD zum nächsten Duell um den Vorsitz kommt, läuft es bei den Grünen prächtig. Es steht sogar die Frage nach der Kanzlerkandidatur im Raum. Was sonst noch wichtig wird, der F.A.Z.-Sprinter.
          Die Polizei nimmt an der Polytechnischen Universität in Hongkong Protestierende fest.

          Krise in Hongkong : Unter Belagerung

          Hunderte Hongkonger Aktivisten harren auf dem Campus der Polytechnischen Universität aus. Die Polizei hat das Gelände umstellt – und droht mit dem Einsatz scharfer Munition.

          DFB-Team vor EM 2020 : Der Zauber lässt sich nicht zurückholen

          Vor der EM 2020 sollen bei der DFB-Elf die Kräfte von 2010 reanimiert werden. Die Analogie liegt auf der Hand. Wie damals wurde die Auswahl verjüngt, Hierarchien wurden aufgebrochen. Doch so leicht ist das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.