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Michel Platini im Gespräch : „Blatter ist nicht der Teufel und auch kein Engel“

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„Glauben Sie, ein Placido Domingo versteht mehr vom Fußball als ich oder Franz Beckenbauer?”: Michel Platini Bild: AFP

Michel Platini fordert Reformen im Weltverband und bietet seine Mitarbeit an. Der Uefa-Präsident glaubt an eine Reinigung von innen. Im F.A.Z.-Interview spricht er über seine Zukunft, die des Fußballs und sein Verhältnis zum umstrittenen Sepp Blatter.

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          Wann haben Sie das letzte Mal Fußball gespielt?

          Vor ein paar Tagen erst, beim Abschiedsspiel meines alten Freundes Olivier Rouyer in Nancy. Es war aber nur ein Spaß, der gerade mal zwei Minuten dauerte. Rouyer war übrigens der Torschütze zum 1:0 über Deutschland 1977, Beckenbauers letztem Länderspiel. Aber vor gut zwei Wochen habe ich mein letztes richtiges Spielchen gehabt.

          Und wie war es? Sind Sie immer noch ein Torjäger?

          Ja, immer noch. Ich spiele nur wegen des Toreschießens. Wenn ich nicht treffe, spiele ich nicht. Das war der Grund, warum ich so früh als Profi aufgehört habe (mit 31 Jahren). Meine Entscheidung fällte ich nach einem Meisterschaftsspiel gegen Sampdoria Genua. In diesem Match hatte ich in einer Szene fünf Meter Vorsprung vor den Gegenspielern und das Tor vor Augen. Dann lief ich zehn Meter, und die Gegenspieler hatten mich überholt. Da wusste ich, jetzt ist Schluss.

          Gab es nach Ihrer Spielerkarriere irgendetwas, das Ihnen die gleiche Befriedigung gab wie Tore schießen?

          Alles.

          Wirklich?

          Ja, es war schön, Nationaltrainer Frankreichs zu sein, es war schön, OK-Chef der WM 98 zu sein, es war schön, Berater des Fifa-Präsidenten Blatter zu sein, es war schön, im Uefa-Exekutivkomitee zu sein und schließlich Uefa-Präsident zu werden.

          Und Sie sind immer noch ein Torjäger, ein Vollstrecker?

          Ja, das stimmt. Am meisten als Chef des WM-OK und als Uefa-Präsident, da hat man die Entscheidungsgewalt, weniger als Nationaltrainer.

          Als Nationaltrainer haben Sie nicht entschieden?

          Nicht wirklich. Du entscheidest zwar wer spielt, aber nicht über das Ergebnis.

          Und wenn Sie als Uefa-Präsident keine Tore mehr schießen könnten, sich nicht mehr durchsetzen könnten, dann hörten Sie auch auf?

          Ich wurde Uefa-Präsident, weil ich dem Fußball etwas zu geben habe, weil ich Ziele habe und feste Grundsätze. Wenn ich diese Ziele nicht mehr umsetzen kann, werde ich lieber Fußballexperte im Fernsehen. Ich klammere mich nicht an den Posten, ich bin unabhängig.

          Wir leben in bewegten Fußballzeiten: Einerseits begeistern Spieler wie Messi und Cristiano Ronaldo und Teams wie Barcelona die Fans, andererseits türmen sich riesige Probleme auf: Hooliganismus, Überschuldung, Wettbetrug, Spielmanipulationen, Korruption, das verheerende Image des Internationalen Fußballverbandes (Fifa). Müssen Sie Superman sein, um das zu richten?

          Sie haben die Situation richtig beschrieben. Genau während des Fifa-Kongresses in Zürich mit der Präsidentschaftswahl und all ihren Verwerfungen fand ein tolles Champions-League-Finale zwischen dem FC Barcelona und Manchester United im Wembley-Stadion statt. Was ist aber jetzt der Fußball? Das Positive oder das Negative? Natürlich ist er beides. Der Fußball wird nicht untergehen, dazu ist er zu stark. Dennoch ist es ganz wichtig, dass auch die Führung des Fußballs geschätzt wird. Wer Regeln aufstellen will, wer andere kritisieren und gegebenenfalls maßregeln will, der darf sich selbst nicht angreifbar machen.

          Wie Fifa-Präsident Joseph Blatter?

          Es sind viele Anschuldigungen an Blatter gerichtet worden, die unfair und unzutreffend waren. Vielleicht, weil manche meinten, als Fifa-Präsident wäre er für alles verantwortlich, was in der Fifa geschieht. Aber wenn es Fälle von Korruption gegeben hat, dann sicher nicht im direkten Zusammenhang mit Blatter. Man kann kritisieren, wie Blatter die Fifa managt, aber korrupt ist er ganz sicher nicht. Seine Aufgabe ist es jetzt, die Fifa von den schwarzen Schafen zu befreien. Und ich hoffe, es wird ihm gelingen. Ich werde ihn dabei unterstützen.

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