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Michael Rensing : In der Wüste fürs Comeback schwitzen

  • -Aktualisiert am

Lange her: Der ehemalige Bayern-Torwart Michael Rensing ist schon ein halbes Jahr arbeitslos Bild: ddp

Michael Rensing wollte die Nummer eins der Bayern werden. Dann degradierte ihn Klinsmann, im Sommer wurde er arbeitslos. Seither trainiert der Torwart alleine und sucht noch immer einen Job.

          Es regnete in Strömen, und irgendwie passte das zu den Vorkommnissen an jenem denkwürdigen Tag. Am selben Abend, der Regen hatte allmählich nachgelassen, sollten die Profis des FC Bayern nach einer 0:4-Demütigung beim FC Barcelona in die Katakomben des Nou Camp schleichen. Der ganze Stolz des deutschen Rekordmeisters sollte an diesem 8. April 2009 in Trümmern liegen. Und für Michael Rensing hatte die Katastrophe schon tagsüber begonnen. Jürgen Klinsmann hatte ihm in den Stunden vor der wichtigsten Partie der Saison eröffnet, dass er nicht mehr auf ihn, sondern auf Hans-Jörg Butt im Tor setze.

          Die Zeitungen schrieben vom „Königsmord“, tatsächlich wurde an diesem 8. April 2009 der Traum eines ganzen Klubs zu Grabe getragen: Michael Rensing sollte Oliver Kahns Nachfolger werden, er sollte eine ganze Saison bekommen, um sich als Nummer eins zu etablieren. Doch er hatte das Pech, dass er diese Chance ausgerechnet unter einem Trainer bekam, der den Klub von einer Verlegenheit in die nächste manövrierte. Klinsmann brauchte in Barcelona ein Bauernopfer. In Rensing hatte er es gefunden. Es konnte ihn nicht retten. Klinsmann ist ein dünnes Kapitel in der Geschichte beim FC Bayern geblieben, und auch Rensing nur eine Fußnote der Klub-Annalen. Unter Louis van Gaal erhielt Rensing noch eine Bewährungsprobe, doch die setzte er in den Sand. In München scheuen sie nun das Projekt, abermals eine Nummer zwei zur Nummer eins zu machen. In Thomas Kraft gäbe es einen Kandidaten, doch die Tendenz geht eher zur Lösung ohne Risiko. Der Name Manuel Neuer geistert schon lange an der Säbener Straße herum.

          Vergangene Woche ist Michael Rensing für sieben Tage in Dubai gewesen. Auf eigene Kosten. Seit Sommer ist er vereinslos. Mit einem Privattrainer flog er in das Wüstenemirat, weil es sich dort besser trainieren lässt als auf dem verschneiten Gelände des Bezirksoberligisten VfR Garching. Dort hielt er sich den Herbst über fit. Als 18-Jähriger gewann Rensing mit den Bayern die A-Jugendmeisterschaft und erklärte, er werde mal Kahn beerben. Als er 20 war, sagte der damalige Münchner Chefcoach Felix Magath, dass Rensing weiter sei als alle anderen Ballfänger in diesem Alter. Er hütete das Tor der deutschen U 21, Neuer und René Adler standen in seinem Schatten.

          Die große Stabilität brachte Rensing nicht dauerhaft in die Münchner Abwehr

          Vorbei und vergessen. Jetzt schraubt Rensing in der Kabine des VfR Garching seine Stollenschuhe selbst oder fliegt auf eigene Faust ab in die Wüste. Aber dort, im Abseits, schwitzt er für sein Comeback. Er arbeitet hart an sich, angetrieben von der Hoffnung, noch einmal eine Chance zu bekommen. Die Karriere soll nicht vorbei sein, ehe sie begonnen hat. Sein früherer Trainer Daniel Weber kümmert sich darum, dass die Reflexe nicht einrosten.

          Zweimal die Woche schiebt er zusätzlich mit dem Stabhochspringer Tim Lobinger am Münchner Olympiastützpunkt Sonderschichten. Jede Einheit wird von einem Kameramann aufgezeichnet, akribisch werden die Bilder ausgewertet. „Es hört sich vielleicht paradox an, weil ich seit Monaten keinen Verein habe - aber ich merke, wie ich mich in vielen Bereichen verbessert habe. Ich fühle mich stärker als je zuvor“, versichert er.

          Flirt mit Hertha BSC

          Angebote gab es und gibt es. Aktuell wird der Flirt mit Hertha BSC, der im Sommer begann, wieder heißer. Markus Babbel wollte Rensing schon vor der Saison unter Vertrag nehmen, doch der Trainer konnte sich gegen seine Bosse nicht durchsetzen. Auch beim 1. FC Köln und bei Aston Villa hatte man über Rensing nachgedacht, sich aber in letzter Minute gegen ihn entschieden. Mit RCD Mallorca war sich der Torwart so gut wie einig, dann entzog die Uefa den klammen Spaniern das Startrecht in der Europa League. Damit hatte es sich mit dem Transfer.

          Er ist ein bisschen zu wählerisch gewesen, gibt der 26-Jährige zu, aber es ging ihm darum, bei einem guten Klub zu spielen. Alle zwei Wochen schaut er nun bei seiner Berater-Agentur vorbei. Vor zwei Monaten absolvierte er ein Probetraining bei Leicester City, doch irgendwie wurde er beim englischen Zweitligaklub nicht heimisch.

          Mit 16 beim Klub des Herzens

          Heimisch hat er sich viele Jahre beim FC Bayern gefühlt. Rensing war schon Fan des deutschen Rekordmeisters, als er noch Bälle in seiner niedersächsischen Heimat fing. Mit 16 holte ihn der Klub seines Herzens in sein Internat. Sein Bruder fuhr ihn damals in die bayerische Landeshauptstadt. „Ich dachte, jetzt steht mir die Welt offen. Ich muss nur hart arbeiten.“

          Er ist kontinuierlich aufgestiegen - und schließlich kurz vor dem Ziel gescheitert. „Aber das ist Vergangenheit“, sagt Rensing, „jetzt brenne ich darauf, einen Verein zu finden und wieder zu spielen.“

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