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Mexikos Fußball-Nationalelf : Letzte Hoffnung „König Midas“

  • -Aktualisiert am

Grün ist die Hoffnung? „El Tri“ nach dem 0:2 gegen die Vereinigten Staaten Bild: firo Sportphoto

Im Sommer 2012 freute sich Mexiko noch über die Goldmedaille bei Olympia. Nun droht „El Tri“ die Zuschauerrolle bei der WM 2014 in Brasilien. Der wirtschaftliche Verlust wäre enorm.

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          Die Liste der Schreckensmeldungen reißt einfach nicht ab: Erst war „El Tri“, wie das mexikanische Nationalteam genannt wird, gegen Costa Rica und in Panama nicht über zwei 0:0 hinausgekommen, dann gab es trotz einer 1:0-Führung gegen den Fußballzwerg Honduras eine 1:2-Niederlage. Schließlich folgte gegen den großen Rivalen aus den Vereinigten Staaten eine 0:2-Pleite - mit womöglich schlimmen Folgen: Mexiko droht die Zuschauerrolle bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

          Während der Woche musste Trainer José Manuel de la Torre vorzeitig gehen, aber auch Ko-Trainer Luis Fernando Tena konnte die rasende Talfahrt als Verantwortlicher im Spiel gegen das Team von Jürgen Klinsmann nicht stoppen. Zwei Spiele vor Ende der Qualifikationsrunde ist Mexiko auf den vorletzten Platz in der Nord- und Mittelamerika-Gruppe abgerutscht. Selbst Panama liegt vor den Mexikanern. Die Nerven liegen blank.

          Jetzt soll es Victor Manuel Vucetich als neuer Trainer der Nationalmannschaft richten. „König Midas“, wie ihn die Mexikaner rufen, hat eine klare Aufgabe: Im Heimspiel gegen Panama am 11. Oktober und vier Tage später beim bereits für Brasilien qualifizierten Team aus Costa Rica müssen unbedingt zwei Siege her, dann hätte sich die mittelamerikanische Großmacht zumindest in die Relegationsrunde gegen den Ozeanien-Vertreter Neuseeland gerettet.

          Seinen königlichen Spitznamen hat sich „Midas“ erarbeitet, weil er 14 von 15 Finalspielen seiner Karriere gewinnen konnte. Nur Finale Nummer 13 ging verloren. Kein schlechtes Omen also für die anstehenden „Endspiele“ der Mexikaner.

          Durchschlagende Wirkung auf die Liga

          Unterdessen rechnen die Experten vor, dass ein Verpassen der Endrunde für die mexikanische Wirtschaft einen Verlust von umgerechnet rund 500 Millionen Euro bedeuten würde. Die teuer erkauften Fernsehrechte würden entwertet, die Sender blieben wegen fehlender Werbeeinnahmen auf den hohen Kosten sitzen kommentierte der Werbeexperte Rogelio Roa.

          Eine verpasste WM hätte auch durchschlagende Wirkung auf die mexikanische Liga: Sponsoren würden ihr Engagement reduzieren, die Ticketverkäufe rückläufig, der Wert der Spieler ginge nach unten. Die Nationalmannschaft Mexikos gehört sportlich zwar nicht zu den Global-Playern, wirtschaftlich ist sie aber wegen des wachsenden Marktes im bevölkerungsreichen Schwellenland einer der attraktivsten für die Vermarktung von Freundschaftspielen, den Trikot-Verkauf und den TV-Rechten.

          Bilderstrecke

          Aus dem Blickwinkel der Marketingstrategen gehört „El Tri“ zu den attraktivsten Mannschaften weltweit. Spielt die Nationalmannschaft, schauen bei den übertragenden Sendern Televisa und TV Azteca im Schnitt 66 Millionen Menschen zu. Zur WM in Brasilien wollen nach Schätzungen der Tourismusindustrie rund 50.000 Mexikaner reisen. All das steht nun auf dem Spiel.

          Die sportliche Talfahrt der letzten Jahre ist auch ein Ergebnis von missglückten Experimenten auf dem Trainerstuhl. Es fehlt an Kontinuität und realistischer Selbsteinschätzung. Als Hugo Sanchez, in den 1980er Jahren mexikanische Stürmerlegende bei Real Madrid, nach der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland die Verantwortung für das Team übernahm, überraschte der exzentrische Lockenkopf mit einer wagemutigen Einschätzung.

          Eriksson nur ein paar Monate in Mexiko

          Er wolle das Team erst zum Gewinn der Copa America und dann zum Weltmeistertitel 2010 in Südafrika führen, versprach Sanchez den verdutzten Journalisten und Fans. Zwei Jahre später scheiterte der Versuch mit dem Torjäger auf der Trainerbank wegen sportlicher Erfolglosigkeit.

          Seinen schwedischen Nachfolger Sven Göran Eriksson hielt es ebenfalls nur ein paar Monate in Mexiko: Nach einer 1:3-Niederlage gegen Honduras war für den ehemaligen englischen Nationaltrainer Schluss. Es waren zwei der prominentesten Fehlbesetzungen der letzten Jahre.

          Erste Medaille beim olympischen Fußballturnier

          Nun steht der mexikanische Fußball endgültig vor einem Scherbenhaufen. Gelingt es „König Midas“ nicht, in den nächsten knapp dreieinhalb Wochen eine radikale Kehrtwende im mexikanischen Spiel zu organisieren, droht nach dem Coup bei Olympia 2012 innerhalb von nur einem Jahr ein historisch einmaliger Absturz. Im olympischen Fußballturnier von London hatte Mexiko als Außenseiter noch durch einen 2:1-Finalsieg über den Turnierfavoriten Brasilien um Superstar Neymar überraschend die Goldmedaille gewonnen.

          Es war Mexikos erste Medaille bei einem olympischen Fußballturnier - und womöglich war es der Anfang vom Ende. Viele junge Spieler der Nationalmannschaft um ihren Ausnahmestürmer Stürmer Chicharito, der bei Manchester United unter Vertrag steht, haben offenbar die Bodenhaftung verloren. Die Verlockungen des Nachtlebens und gut dotierte Verträge in der mexikanischen Liga haben die talentierten Jungstars satt und träge gemacht. Als die Ergebnisse in der WM-Qualifikation ausblieben, gesellte sich die Angst vor dem historischen Aus dazu.

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