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Erkut Sögüt : Özils Berater und die Imagekorrektur

  • -Aktualisiert am

Big Deal: Erkut Sögüt (rechts) mit Mesut Özil (Mitte) und Bruder Mutlu. Bild: ddp Images

Erkut Sögüt ist der Berater von Mesut Özil und legt sich gern mit den Größen der Fußball-Branche an. Bei einem Vortrag wiegen seine Anschuldigungen schwer. Und er hat eine deutliche Botschaft.

          Hinterher stehen sie alle Schlange. Juristen, die seinen Vortrag diskutieren. Studenten, die einfach mal seine Hand schütteln möchten. Manche fragen nach Kontaktmöglichkeiten, andere drücken ihm eine Bewerbungsmappe in die Hand. Natürlich sind auch die Reporter die Treppen des Hörsaals 5A hinabgestiegen, unten vor die Tafel, wo der Mann des Abends nun Hof hält. Doch er gebe keine Interviews, sagt Erkut Sögüt, er spreche nicht über seinen Klienten, den Fußballstar Mesut Özil. Erst recht nicht über dessen berühmten Handschlag mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan oder die ebenso berühmte Stellungnahme Özils zu seinem Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft. Dabei gilt es als offenes Geheimnis, dass Sögüt bei beiden Ereignissen seine Finger im Spiel hatte. Manche Beobachter sehen in ihm die treibende Kraft.

          All das habe hier nichts verloren, sagt er, „dann säßen wir noch morgen hier“, und der Abend „ist ja für die Studenten“. Deswegen hatte ihn die Juristische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität nach Düsseldorf eingeladen. Er sollte zum Thema „Fußball und Recht“ sprechen und Perspektiven für Juristen im Sportbusiness aufzeigen. Wer wäre da geeigneter als Sögüt? Der 38-Jährige jettet als Spielerberater um die Welt und handelt Millionen-Deals in vier Sprachen aus. Und er ist in der Lage, über die Popularität seiner Spieler gesellschaftliche Debatten über Integration anzustoßen.

          Dass seine Zunft keinen guten Leumund besitzt, ist ihm bewusst. Deswegen hat er sich nun 90 Minuten lang an einer Imagekorrektur versucht. Seine Botschaft: Wir seriösen Juristen sind die Guten, die Bösen, das sind die anderen: Die wenigen „schwarzen Schafe“ unter den Beratern. Die Medien, die Özil auf Titelseiten packten und mit Steuersündern gleichsetzen, „obwohl Mesut Millionen Steuern in Deutschland zahlt“. Und vor allem die Vorstände und Sportdirektoren in den Vereinen. Die machten „das große Geld, nicht die Berater“. Manchmal würden 30 Millionen Euro für einen Fünf-Millionen-Spieler bezahlt, ein Teil fließe „hintenrum zurück zu den Vereinen“, über private Konten in der Schweiz oder auf den Cayman Islands. Die Vereine hätten Angst, dass jemand darüber spricht.

          Sögüt tut das nun. Er sagt nichts Konkretes, aber die Anschuldigungen wiegen schwer. Natürlich spricht er in erster Linie vor Studenten, aber die Universität hatte den Vortrag öffentlich beworben. Wegen des Andrangs musste sie sogar den Raum wechseln. Der Berater weiß genau, wer da noch alles im Hörsaal sitzt und mitschreibt.

          Sögüt legt sich gern mit der Branche an. Mit Bayern-Präsident Uli Hoeneß, mit DFB-Präsident Reinhard Grindel, mit Nationalspielern, jetzt mit den Vereinen. Er sieht sich als Kämpfer. Aufgewachsen ist er in Hannover als Kind einer Einwandererfamilie aus der Türkei, Vater Fabrikarbeiter, Mutter Putzfrau. Sögüt hat viel Ausgrenzung erfahren. „Kümmeltürke war Standard“, sagt er und erzählt von Neonazis, die ihn und seine Freunde mit Backsteinen bewarfen. Von einer Lehrerin, die ihn davon abhalten wollte, aufs Gymnasium zu gehen. Er habe sich alles selbst beibringen müssen. Als er im Studium merkte, dass er in Sachen Rhetorik und Rechtschreibung nicht mithalten kann, paukte er die Nächte durch. Heute ist von den Schwächen nichts zu spüren. Sögüt ist unterhaltsam, kein Intellektueller, aber man hört ihm gern zu, auch, weil man gern Aufsteigergeschichten hört.


          Auch Sögüts Einstieg in den Fußball verlief nicht reibungslos. Er wollte zu Harun Arslan, dem Berater von Bundestrainer Joachim Löw. Der lehnte ab, Sögüt blieb hartnäckig, bekam den Job und machte sich unter Deutsch-Türken einen Namen als Sportjurist. Er wurde Anwalt, später Berater für Mesut Özil. Er hat Bücher geschrieben, Sprachen gelernt und wurde promoviert. Mittlerweile sitzt er in Fifa-Kommissionen, hat eine Agentur in London und berät Nationalspieler.

          In Düsseldorf erzählt er von Verträgen mit Schuhfirmen, die mehr einbrächten als Mittelklassespieler insgesamt verdienen. Von Beiträgen in den Social-Media-Kanälen seiner Spieler, für die man 80.000 Euro verlangen könnte. Die Studenten machen große Augen. Ob er nie Richter oder Staatsanwalt werden wollte, wird er gefragt. „Die verdienen nichts“, sagt er lachend. Er tut das. Und will mehr. E-Sports sei ein großes Thema, langfristig will er in die Vereinigten Staaten. Er habe sich schon mit Basketball und Eishockey befasst. Aber auch die dortige Fußball-Liga sei im Kommen. Über all das erzählt er mit leuchtenden Augen. Nur über Özil und Erdogan, da schweigt er.

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