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Mesut Özil und Lionel Messi : Duell der Wunderkinder

Wiedersehen in Kapstadt: Messi und Özil duellierten sich schon im März in München Bild: dpa

Deutschlands Spielmacher Mesut Özil und Argentiniens Star Lionel Messi prägen ihre Teams. Nun treffen sie im WM-Viertelfinale aufeinander. In Argentinien ist der Vergleich mit Messi aber fast ein Fall von Majestätsbeleidigung.

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          Es ist noch nicht lange her, dass Matthias Sammer ein dreifaches „Hipphipphurra“ auf die alten deutschen Fußball-Tugenden anstimmte. Es war im Frühjahr dieser Saison, als der FC Barcelona den VfB Stuttgart in der Champions League spielend leicht auseinander nahm, und mittendrin in diesem Wirbel, dem Khedira und Kollegen im Mittelfeld nicht gewachsen waren, brillierte Lionel Messi, der beste Fußballer der Welt.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes aber plusterte sich am Spielfeldrand auf, als wäre er persönlich beleidigt über diese Niederlage. Das Spiel der Stuttgarter nannte er „Kindergarten-Fußball“. Das war verächtlich gemeint, und inhaltlich bedeutete es, dass man dieser zauberhaften Mannschaft um Lionel Messi nur hätte beikommen können, wenn man wie früher mal ordentlich dazwischen gehauen hätte. Zur Not muss es eben mit Gewalt gehen, glaubte Sammer, aber Treten und Schlagen ist im Kindergarten ja bekanntlich verboten.

          Vor dem Viertelfinale der Weltmeisterschaft, wenn am Samstag in Kapstadt (16.00 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) wieder ein deutscher Fußball-Kindergarten gegen Messi und Co. antritt, ist es jedoch ziemlich erfreulich, dass der Bundestrainer auch in dieser Sache nicht auf den Sportdirektor hören wird. Dem argentinischen Wunderkind begegnet Joachim Löw viel lieber mit einem deutschen Wunderkind: Mesut Özil, den die Mitspieler auf dem Platz schon mal Messi nennen. Jetzt bekommt er es mit dem Original zu tun.

          Mehr als nur Trainer und Spieler: Maradona (l.) und Messi sind argentinische Idole
          Mehr als nur Trainer und Spieler: Maradona (l.) und Messi sind argentinische Idole : Bild: dpa

          Horst Hrubesch ist zuletzt sogar so weit gegangen, den 21 Jahre alten Mittelfeldspieler aus Bremen direkt mit dem 23 Jahre alten Superstar aus Barcelona gleichzusetzen. „Unser Messi ist Özil”, sagte der Europameistermacher der U 21 und bezeichnete Özil ebenfalls als „Jahrhunderttalent“. Aber für den Bundestrainer ist das dann doch ein bisschen zu viel des Guten. „Im technischen Bereich ist Mesut sicher ein überragendes Talent“, sagt Löw, „aber um konstant in der Weltspitze zu sein, muss er noch einiges dazulernen.“

          „Sie sind die Ferraris, die Besten ihrer Epoche“

          In Argentinien ist es schon ein Fall von Majestätsbeleidigung, falls man es wagt, einen andern Spieler dieser Generation mit Messi auf eine Stufe zu stellen. Der einzige Maßstab, den man für den Superstar des Nationalteams und der WM für akzeptabel hält, ist der eigene Trainer. Wer in Argentinien nicht als Fußball-Banause erscheinen will, darf nur Maradona mit Messi vergleichen - und Messi nur mit Maradona.

          Der Konditionstrainer der Südamerikaner, Fernando Signorini, der Maradona nach Verletzungen und Drogensucht wieder auf die Beine half und die aktuellen Nationalspieler neben der Fitness auch noch mit Literatur versorgt, formulierte in der „Süddeutschen Zeitung“ das Messi-Maradona-Dogma des Landes: „Sie sind die Ferraris, die Besten ihrer Epoche. Es gibt viele Elendige, die die Atmosphäre prägen. Zu viele Leute wollen ihren eigenen Ruhm begründen, indem sie von den Messis und Maradonas zehren. Kurzum: Lio ist ein phantastischer, wunderbarer Spieler aus einer anderen Galaxie. Wenn man so egoistisch und unsensibel ist, dass man nicht bereit ist, die Wunder zu genießen, die der Mann vollbringen kann, der die Nummer 10 der argentinischen Nationalelf trägt, fällt mir auch nichts mehr ein.“

          „Messi war in den letzten Jahren kaltschnäuziger im Abschluss“

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