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Mesut Özil : Nicht den Hauch eines Zweifels

Wie im Fluge: Mesut Özil freut sich über zwei weitere Tore für Deutschland Bild: dapd

Zwei Tore, dazu geschickten Drehungen und eine feine Ballannahme: Mesut Özil ist beim Start in die WM-Qualifikation die treibende Kraft in der Nationalelf. Gelassen begegnet er den Gerüchten aus Madrid.

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          Wenn Mesut Özil nach Deutschland kommt, vergeht kaum ein öffentlicher Auftritt, bei dem er nicht danach gefragt wird, was die Meldungen aus der spanischen Sportpresse, die umgehend ihren Weg in deutsche Zeitungen finden, eigentlich zu bedeuten haben. In der jungen Saison, die für Real Madrid einen schwachen Start in die Meisterschaft, aber auch einen Prestigeerfolg gegen Barcelona mit dem Gewinn des Supercups bereithält, wurde Trainer José Mourinho zuletzt mit dem Satz zitiert, Özil sei müde.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Deswegen habe der Deutsche gegen Granada nicht in der Anfangsformation gestanden. Übersetzungsfehler oder gar das Anfang vom Ende seiner Karriere in Madrid? Muss man sich Sorgen machen um seine Stellung beim berühmtesten Klub der Welt?

          Özil hat sich in den Dingen, die um seine Bedeutung bei Real Madrid kreisen, eine gewisse Gelassenheit angeeignet. „Nein, müde bin ich definitiv nicht“, sagte der technisch vielleicht beste Mittelfeldspieler, den der deutsche Fußball hervorgebracht hat nach dem 3:0-Pflichtauftritt gegen Färöer grinsend.

          Dann fuhr er mit einem Blick auf Sami Khedira routiniert fort, dass die Konkurrenz bei Real Madrid eben enorm stark sei, das gelte aber nicht nur für ihn, sondern auch für Sami und alle andere. Er werde gut trainieren, der Rest ergebe sich von selbst. Er kenne diese Situationen in Madrid mittlerweile, sagte Özil gelassen.

          Muss man sich sorgen machen um Özils Stellung bei Real Madrid? Bilderstrecke
          Muss man sich sorgen machen um Özils Stellung bei Real Madrid? :

          Bei Real Madrid ist es längst gelebte Wirklichkeit, was in Deutschland immer noch zu altbackenen öffentlichen Stammplatz-Diskussionen führt, weil man es bisher kaum erlebt hat: dass eine Spitzenmannschaft zwanzig hervorragende Spieler in ihrem Kader hat (und haben muss), um gemeinsam die höchsten Ziele zu erreichen. „Diese Diskussionen gibt es nur in Deutschland“, sagte Löw in diesen Tagen angesichts der Meldungen um Özil. Er sagte dies aber auch mit Blick auf den FC Bayern, dessen Kader immer weiter an Substanz gewinnt - aber die täglichen Schlagzeilen füllen dann eben doch immer wieder Geschichten über Spieler, die gerade mal nicht spielen.

          Löw kritisierte die Zuspitzungen auf die Besetzung der Startformation wohl aber auch mit Blick auf die Nationalmannschaft, in der nun auch immer öfter auch herausragende Spieler auf die Bank müssen, die bei nationalen und europäischen Topvereinen unter Vertrag stehen. In der deutschen Startformation standen bis auf den Römer Klose nur Spieler von Bayern, Dortmund, Real Madrid und Arsenal - auf der Bank waren noch drei Dortmunder, zwei Bayern und Podolski.

          „Özil war der überragende Spieler auf dem Platz“

          An der Rolle von Özil im DFB-Team gibt es allerdings nicht den Hauch eines Zweifels. Der Bundestrainer gab nach dem Abpfiff gegen Färöer mal wieder so etwas wie eine Özil-Unverzichtbarkeitserklärung nach dessen zwei Toren und einigen hübschen Aktionen im Mittelfeld ab.

          „Özil war der überragende Spieler auf dem Platz. Alles was er macht, hat Hand und Fuß“, sagte Löw, auch wenn er wusste, dass in diesem Kompliment gegen die Nummer 154 der Welt natürlich auch gleich eine kleine Einschränkung lag. Der Bundestrainer begeisterte sich in Hannover im ersten nationalen Quervergleich bei der WM-Qualifikation mit einem durch Reus, Götze und Müller spielerisch exzellent besetzen Mittelfeld aber dennoch geradezu an Özil, seinen Bewegungsabläufen und technischen Fertigkeiten.

          „Da müssen wir noch an den Details arbeiten“

          Schon durch seine geschickten Drehungen und die Ballannahme entwickele er einen Zug in Richtung Tor wie kein anderer Spieler, schwärmte Löw. Dass sah man besonders gut in den ganz wenigen Momenten, in denen sich Färöer nicht mit neun Feldspielern am Strafraum verbarrikadierte. Da war Özil die treibende und auch erfolgreiche Kraft.

          Die zwei Kontermöglichkeiten in der 54. und 71. Minute entwickelte und nutzte er zu seinen beiden Treffern. Die Abstimmung der Mittelfeldformation in diesem neuen 4-1-4-1-System klappte aber längst nicht immer. „Als Mesut in der zweiten Halbzeit öfter mal den Platz hatte, rannten alle Spieler einfach in die Mitte rein. Da müssen wir noch an den Details arbeiten“, sagte der Bundestrainer. Nicht Özil, ließe sich hinzufügen, sondern die anderen.

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